Gezähe
Werkzeuge und Arbeitsgeräte eines Bergmanns
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Gezähe (ahd. gizouuun, von gizawa ‚Gelingen‘),[1] früher auch kurz Gezäh,[2] ist die Bezeichnung des Bergmannes für alle Werkzeuge und Arbeitsgeräte, die er zur Bergarbeit benötigt.[3] Weitere Bezeichnungen waren Gezeuch,[4] Gezeug,[5] Berggezeug,[2] Grubengezäh[3] oder Berggezähe.[2] Obwohl der Begriff Gezähe aus der Umgangssprache stammt, ist er mittlerweile aus ihr verschwunden und wird nur noch in der Bergmannssprache verwendet.[6] Das Gezähe des Bergmanns gehörte ebenso wie die Grubenlampe zu seinen persönlichen Utensilien.[7] Das älteste und am längsten benutzte bergmännische Gezähe ist die Hirschhornpicke, die später als Modell für die eiserne Keilhaue diente.[8]

Geschichte
Bereits in der Steinzeit benutzten die Menschen erste bergmännische Werkzeuge, um nach Feuersteinen und anderen Bodenschätzen zu graben.[9] Einige bereits in der Steinzeit verwendete Werkzeuge, wie z. B. die Hirschhornpicke, wurden später auch in der Bronzezeit verwendet.[8] Plinius berichtet, dass die Römer Bergbau sowohl im Tagebau als auch im Untertagebau betrieben und hierbei Schlägel und Eisen, eine 150 römische Pfund schwere Brechstange und leichtere Keilhauen, als bergmännische Werkzeuge verwendeten.[10] Neben diesen eisernen Werkzeugen benutzten die damaligen Bergleute hölzerne Schaufeln für die Wegfüllarbeit.[11] Der Name Gezähe für das bergmännische Werkzeug entstand erst im Mittelalter.[12] Im 11. Jahrhundert wurden die Worte geziuch, giziuch und kiziugi für Erzeugnisse der Handfertigkeit oder den Hausrat verwendet.[6] Die Begriffe wurden in den Tegernseer Handschriften des 11. Jahrhunderts für die damals genutzten Hausgeräte angegeben.[13] Mittelhochdeutsche Formen des Wortes sind gezawa, gezouwe, gezöuwe, getouw und getawa, was soviel bedeutet wie nützlich oder förderlich sein.[6] Aus den Begriffen Gezäu und Gezau, was soviel wie fertig machen, bearbeiten oder bereiten bedeutet, entstand später das Wort Gezäh.[3] In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der Begriff Gezähe geprägt.[12] Die Bergleute im Mittelalter verwendeten ihn für alles, was für ihre Arbeit nützlich war.[6] So nutzten sie das Wort nicht nur für ihre Werkzeuge, sondern auch für die Fördergeräte oder Betriebsmaterialien.[3] Im Laufe der Jahre wurde der Begriff von den Bergleuten dann nur noch für das für die bergmännische Tätigkeiten erforderliche Werkzeug verwendet.[6] In seinem im Jahr 1556 erschienenen Buch De re metallica beschreibt Georgius Agricola die zu dieser Zeit von den Bergleuten verwendeten Gezähe und nennt diese Häuerzeuge.[14] Bis ins 17. Jahrhundert und der dort eingeführten Schießarbeit, war die Arbeit mit Schlägel und Eisen die einzige wirksame Gewinnungsarbeit für feste Massen.[15] Im Laufe der Jahre wurde das Gezähe stetig verbessert, so dass die Arbeit mit ihm für den Bergmann leichter wurde und ein schnelleres Arbeiten möglich wurde.[16]
Grundlagen
Für seine Arbeit benötigt der Bergmann spezielles Werkzeug, das unter Tage eingesetzt werden kann.[17] Alle diese Werkzeuge bezeichnet der Bergmann als Gezähe.[18] Neben den Bergleuten bezeichneten aber auch die Arbeiter in der Wäsche, am Pochwerk, in der Bergschmiede, in den Schmelzhütten, in der Probierstube und in den Siedehütten ihre Werkzeuge als Gezähe.[19] Das bergmännische Gezähe ist unterschiedlich konstruiert und aufgebaut.[20] Es ist insbesondere an die unterschiedlichen Arten der bergmännischen Arbeit angepasst.[4] Für festes Gestein benötigt er ein anders konstruiertes oder schärferes Gezähe als für mildes oder gebrächiges Gebirge.[21] So benötigt der Bergmann für die Gesteinsarbeit anderes Gezähe als z. B. für die Gewinnung von Kohle.[20] Aber auch an die lokalen Verhältnisse ist das Gezähe angepasst,[ANM 1] sodass im Kohlenbergbau anderes oder anders konstruiertes Gezähe verwendet wird als im Salzbergbau oder Erzbergbau.[4] Dies führt dazu, dass der Bergmann verschieden konstruierte Hauen, Schaufeln, Hämmer oder sonstiges Gezähe benötigt.[21] Damit mit dem Gezähe ein gutes Arbeitsergebnis erzielt werden kann, ist eine zweckmäßige Konstruktion des Gezähes sehr wichtig.[4] Zudem muss es von den Bergleuten stets in einem ordnungsgemäßen und guten Zustand gehalten werden.[1] Stumpfgewordenes oder abgenutztes Gezähe muss repariert werden.[22] Das Ausschmieden und Anschärfen der einzelnen Gezäheteile erledigte der Bergschmied.[23] Die Bergleute sammeln die stumpf geschlagenen Gezähe, bis sie mehrere zusammen haben, und bringen diese dann in die Bergschmiede zur Reparatur.[17] Es kommt auch vor, dass die Bergleute ihr Gezähe über einen langen Zeitraum nicht zur Reparatur bringen und es somit unbrauchbar wird und ein mangelhaftes Arbeitsergebnis erbringt.[1] Dieses nicht mehr reparable Gezähe muss durch neues Gezähe ersetzt werden.[24]
Zeitliche Epochen
Seit etwa 400.000 Jahren verwendet der Mensch Werkzeuge, um sie für bergbauliche Arbeiten einzusetzen.[25] Zunächst waren es gefundene Werkzeuge.[26] Dies waren natürliche Gegenstände aus Holz, Knochen, Horn oder Stein, die der Mensch so nutzte wie er sie in seiner Umgebung fand.[27] Im Laufe der Jahre erstellte der Mensch selber Werkzeuge, die man als gemachte Werkzeuge bezeichnet.[26] Franklin definiert den Menschen als ein Werkzeug schaffendes Wesen (tool making animal).[28] Seit dem Spätmittelalter verwenden die Bergleute das Wort Gezähe für ihre Werkzeuge.[1]
Werkzeuge der Steinzeit
In der Steinzeit nutzten die damaligen Menschen in erster Linie Steinwerkzeuge für ihre Tätigkeiten.[29] Im prähistorischen Bergbau war besonders der Steinschlägel von großer Bedeutung für die bergbaulich tätigen Steinzeitmenschen, der für viele Tätigkeiten genutzt wurde.[30] Hierfür nutzte man zunächst herumliegendes Geröll oder Gestein aus dem Abraum als Schlagewerkzeug.[31] Im Laufe der Zeit gingen die Menschen dazu über, die benötigten Materialien systematisch bergmännisch abzubauen und durch Bearbeiten zu verbessern.[25] Abgebaut wurden die benötigten Materialien mittels Duckelbau.[32] Ein ebenfalls nützliches Steinwerkzeug war der Faustkeil,[33] den die Steinzeitmenschen zum Auflockern und Graben anwenden konnten.[8] Neben den primitiven Werkzeugen aus Stein nutzten die damaligen Menschen vermutlich auch Werkzeuge aus Holz, Knochen oder Horn.[29] Durch Zerlegen von Hirschgeweihen erstellten die prähistorischen Bergleute entsprechende für ihre bergbaulichen Tätigkeiten nützliche Werkzeuge.[31] Das älteste aus Hirschgeweih erstellte und für bergmännische Arbeiten genutzte Werkzeug war die Hirschhornpicke,[ANM 2] die aus einem Hirschgeweih herstellt wurde.[8] Weitere Werkzeuge aus Geweihteilen waren die Geweihhacke, der Geweihhammer, der Geweihkeil, außerdem nutzte man das Schulterblatt vom Hirsch als Schaufel.[31] Später lernten die Steinzeitmenschen auch die Steinwerkzeuge zu schäften und konnten diese dann besser handhaben.[30] Zur Schäftung dienten Kerben und Rillen in den jeweiligen Werkzeugteilen.[31] Ab dem Neolithikum schliffen die Menschen die Steinwerkzeuge an, um sie schärfer zu machen.[29]
Werkzeuge der Bronzezeit
In der Frühen Bronzezeit stellten die Menschen Werkzeuge, aber auch Schmuck und Waffen, aus Kupfer her.[34] Die Kupferwerkzeuge waren in ihrer Form den Steinwerkzeugen sehr ähnlich.[35] Werkzeuge aus gediegenem Kupfer sind aber zu weich, um sie als Werkzeuge für bergbauliche Zwecke zu nutzen.[26] Über viele hundert Jahre nutzten die Menschen deshalb die Werkzeuge, die sie in der Steinzeit bereits verwendet hatten, auch in der frühen Bronzezeit weiter.[34] Beispielhaft sei die Hirschhornpicke genannt, welche noch im Bergbau der Bronzezeit in Europa verwendet wurde.[14] Erst als die damaligen Menschen entdeckten, wie Kupfer mit anderen Mineralien wie z. B. Galmei zu legieren war, konnte man härteres Werkzeug herstellen, das auch für bergbauliche Zwecke nutzbar war.[36] Im Laufe der Zeit lernten die Menschen, immer bessere Bronzelegierungen herzustellen.[29] Dennoch dauerte es Jahrtausende, bis die Steinwerkzeuge gänzlich von den Bronzewerkzeugen verdrängt wurden.[34] Werkzeuge aus Bronze, die man im Bergbau verwendete, waren Bronzepickel und Bronzehauen.[9] Ein weiteres Werkzeug der Bronzezeit war das Hammerbeil (Absatzbeil).[37]
Eisenzeit bis zur Moderne
Zu Beginn der Eisenzeit stellten die Menschen erste Werkzeuge zunächst durch Schmieden und im Laufe der Jahre auch durch Gießen her.[38] Man verwendete für die Herstellung Meteoreisen oder gediegenes Eisen, welches man kalt wie Stein bearbeitete.[39] Durch Erhitzen der Erze im Schmiedefeuer und Ausschmieden konnte man später auch teilweise härtere, stahlähnliche Materialien herstellen.[38] Erst als der Mensch lernte, durch Verhüttung Eisenkohlenstoffverbindungen herzustellen, war man in der Lage, härtbare Eisenlegierungen herzustellen.[39] Ab der fortgeschrittenen Eisenzeit nutzten die Bergleute für ihre Arbeit im Bergwerk Gezähe aus Eisen.[40] Die wohl bekanntesten Gezähe sind Schlägel und Eisen, Fäustel und Bergeisen.[41] Nach Weisgerber stammt das älteste Bergeisen aus der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr.[40] Schlägel und Eisen bilden zusammen das Symbol des Bergbaus.[42] Schlägel und Eisen nutzt der Bergmann zur Gesteinsbearbeitung.[41] Weiteres Gezähe, das der Bergmann zur Gesteinsbearbeitung nutzte, sind Eisenkeile, die er als Fimmel oder Wölfe bezeichnet.[43] Auch nutzte der Bergmann für seine Arbeit verschiedene Arten von Hauen.[44] So bearbeitete er z. B. mit der Keilhaue zusammenhängende, allerdings milde Mineralien und Gesteine, wie z. B. Steinsalz, Stein- oder Braunkohle oder Schiefertone.[45] Zur Herstellung des Schrams und zur Kohlengewinnung wurden hauptsächlich im früheren Steinkohlenbergbau die Doppelkeilhaue oder die zweispitzige Keilhaue verwendet.[46] Für Mineralien wie Ton oder Braunkohle verwendete er die Breithaue, das war eine Haue mit breitem Blatt.[47] Zum Hereinbrechen der Mineralien verwendeten die Bergleute eine Eisenstange, die als Reckstange oder Brechstange bezeichnet wurde.[43] Das hereingewonnene Gut wurde mit der Kratze in den Trog gekratzt und in diesem dann bis zur Füllstelle transportiert.[48] Des Weiteren nutzen die Bergleute zum Wegfüllen lockerer Massen verschiedene Arten von Schaufeln, wie z. B. die Fangschaufel oder den Spaten.[49] Für die Bearbeitung von Grubenholz z. B. für die Grubenzimmerung nutzt der Bergmann unterschiedliche Äxte wie das Grubenbeil, eine Spezialform des Handbeiles mit einer Hammerbahn am stumpfen Ende oder den Kaukamm.[50] Eine Sonderform des Grubenbeils ist die, oftmals von den Bergleuten als Waffe genutzte und nur im Erzgebirge verwendete Bergbarte.[51] Ebenfalls zur Holzbearbeitung nutzten die Bergleute die Säge in Form der Bügelsäge.[50] Außerdem stehen dem Bergmann für seine Arbeit verschieden große Hämmer zur Verfügung.[52] Zum Einschlagen von Nägeln oder ähnlichen Arbeiten verwendete der Bergmann den Handfäustel.[53] Zum Eintreiben der Fimmel und Keile nutzten die Bergleute das schwerere Treibfäustel.[54] Für ihre Hämmer verwendeten die Bergleute häufig andere Bezeichnungen.[55] So wurde im Oberlausitzer Revier der große schweren Hammer als „Bello“ bezeichnet.[56] Im Ruhrrevier bezeichneten die Bergleute jeden Hammer als „Motek“.[55] Der Begriff Mlotek[ANM 3] entstammt der polnischen Sprache und bedeutet gewöhnlicher Hammer.[57] Im übertägigen Zinnbergbau nutzten die Seifner die Seifengabel, um Erdballen in das Gerinne zu werfen, um so an die in oberen Erdschichten vorkommenden Zinngraupen heranzukommen, um diese auszuseifen.[58] Im mittelalterlichen Bergbau verwendeten die den Bergwerken angegliederten Hüttenleute zum Abheben der Schlacke eine Schlackengabel.[59]
Moderner Bergbau
Mit der Einführung der Elektrizität im Bergbau kam es bei der bergmännischen Arbeit zu Veränderungen.[16] Das erste motorgetriebene Gezähe wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Form von Gesteinsbohrmaschinen eingeführt.[60] In den Schlagwettergruben[ANM 4] erfolgte der Antrieb des motorgetriebenen Gezähes mittels Druckluft, in den „anderen Bergwerken“ herrschte der elektrische Antrieb vor.[61] Allerdings konnte sich der elektrische Antrieb bei stoßenden Bohrmaschinen auch auf den Bergwerken, die nicht zu den Schlagwettergruben zählten, nicht durchsetzen.[62] Für den Antrieb der kleinen Bohrhämmer setzte sich auf allen Bergwerken der Druckluftantrieb durch.[61] Der Vorläufer dieser Bohrhämmer war die Frankesche Schrämmaschine, die im Mansfelder Kupferschieferbergbau gegen Ende des 19. Jahrhunderts verwendet wurde.[63] Ab dem Jahr 1900 wurde der Abbauhammer als Gezähe im Ruhrbergbau eingeführt.[64] Er wurde für die Gewinnung von Steinkohle eingesetzt und wurde im Laufe der Jahre in großen Stückzahlen eingesetzt.[48] Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden auch verstärkt Bohrhämmer und Hammerbohrmaschinen zum Bohren in Gestein verwendet.[63] Mit der Einführung von hartmetallbestückten Bohrern war es nun auch möglich, schwere Bohrhämmer zum Bohren von Sprenglöchern zu verwenden.[65] Leichte druckluftbetriebene Bohrhämmer haben ein Gewicht von maximal 17 Kilogramm und schwere Bohrhämmer wiegen über 30 Kilogramm.[66] Für die Bearbeitung von Holz oder bei Rekonstruktionsarbeiten stehen den Bergleuten Druckluft-Kettensägen zur Verfügung.[67] Außerdem nutzen die Bergleute auch im modernen Bergbau Gezähe wie Hacke, Schaufel, Handfäustel, Beil, Brechstange oder Bügelsäge.[53]
Gezähearten
Entsprechend der jeweiligen Tätigkeit unterscheiden die Bergleute verschiedene Gezähearten.[6] Zunächst einmal unterscheiden die Bergleute zwischen Hauptgezäh (Hauptgezähe) und Hülfsgezäh (Hilfsgezähe).[3] Als Hauptgezäh bezeichnet der Bergmann dasjenige Gezähe, welches bei einer bestimmten Art von bergmännischer Arbeit typisch ist.[6] Es also speziell bei dieser Arbeit verwendet wird.[3] Als Hülfsgezäh bezeichnet der Bergmann das Gezähe, das nicht speziell für die jeweilige Tätigkeit typisch ist, sondern bei einer anderen Tätigkeit mit genutzt wird.[6] Der Bergmann unterscheidet zwischen dem Bohrgezäh, dem Schiessgezäh, dem Setzgezäh, dem Kunstgezäh, dem Gezähe für die Gewinnungsarbeit.[3] Das Bohrgezäh ist das Gezähe, das für das Bohren von Löchern verwendet wird.[6] Als Gezähe wurden hier verschiedene Bohrer, Fäustel, Bohrkrätzer, Bohrkluppe, Bohrscheibe, Bohrtrog und Bohrkranz benötigt.[15] Im modernen Bergbau nutzte der Bergmann Schlag- und Hammerbohrmaschinen.[63] Außerdem kamen drehende Bohrmaschinen zum Einsatz.[15] Als Schiessgezäh bezeichnet man das Gezähe, das für die Schießarbeit benötigt wird.[6] Neben dem Gezähe für das Bohren der Sprengbohrlöcher benötigte der Bergmann für die Schießarbeit Gezähe wie die Schießnadel, den Stampfer und das Schießröhrchen.[68] Als Setzgezäh bezeichnet der Bergmann das Gezähe, das er beim Feuersetzen benötigte.[3] Typisch waren hierbei die zweizackige Gabel, die Forke und die Rennstangen, sowie als Hülfsgezäh Brechstangen, Kratzen, Keilhauen sowie Schlägel und Eisen.[69] Als Kunstgezäh bezeichnete der Bergmann das Gezähe, das er für die Instandsetzung der Künste verwendete.[3] Beim Gezähe für die Gewinnungsarbeit unterscheidet man, ob rolliges oder festes Mineral gewonnen wird.[48] Die Gewinnung von lockeren Massen erfolgt mittels Wegfüllarbeit.[49] Für die Wegfüllarbeit werden verschiedene Schaufeln sowie im Erzbergbau Trog und Kratze verwendet.[70] Für die Gewinnung von Bodenschätzen wie z. B. Kohle benötigt der Bergmann Gezähe für die Schrämarbeit wie beispielsweise den Schrämspieß oder das Hebeisen.[71] Als Gezähe für die Gesteinsarbeit verwendet der Bergmann das Bergeisen und die Keilhaue.[41] Die Keilhauenarbeit ist eigentlich für mildes Gestein priorisiert, kann aber auch zur Vor- und Nachbearbeitung von festeren Massen angewendet werden.[49] Im modernen Bergbau nutzte der Bergmann für die Gewinnungsarbeit den Abbauhammer.[48]
Handhabung und Gefahren
Während die Handhabung des bergmännischen Gezähes für einen geübten Bergmann unproblematisch ist, ist sie für eine ungeübte Person mit größeren Schwierigkeiten verbunden.[72] Dies lag einerseits an dem Gewicht des Gezähes, das in Summe bis zu zehn Kilogramm betrug.[73] Andererseits war die Beleuchtung Vor Ort oftmals sehr spärlich, sodass der Umgang mit dem oftmals ungewöhnlich geformten Gezähe insbesondere bei ungewohnten Tätigkeiten für einen unerfahrenen Bergmann problematisch war.[72] Hinzu kam, dass die Bergleute ihr schweres Gezähe während der Fahrung bis zu ihrem Arbeitsplatz und zurück zum Schacht oftmals bis zu zwei Stunden tragen mussten.[74] Bei der nichtmaschinellen Fahrung im Schacht konnte es vorkommen, dass die Bergleute, wenn sie ihr Gezähe nicht ordnungsgemäß umgehängt hatten,[ANM 5] von den Kübeln oder Fördertonnen erfasst wurden.[75] Dies alles führte dazu, dass die Bergleute des Öfteren sich oder ihren Kameraden mit dem Gezähe verletzten.[72] So wird die Verletzung mit eigenem und fremdem Gezähe in der österreichischen Statistik von 1869 bis 1878 als eine der neun Hauptursachen für Verletzungen im Bergbau angegeben.[76] Zur Vermeidung solcher Unfallgefahren wurden später die Bergjungleute während der Berufsausbildung im richtigen Umgang mit dem Gezähe geschult.[77]
Anschaffung und Kostenumlage
Die Anschaffung des Gezähes erfolgte entweder von den Bergleuten selber oder von den jeweiligen Bergwerken oder teilweise von den Bergleuten und teilweise von den Bergwerken.[22] Gezähe, das die Bergleute selbst angeschafft hatten, war ihr Eigentum, Gezähe, das vom Bergwerk angeschafft wurde, war Eigentum der jeweiligen Bergwerksbesitzer.[24] Auch bei den Kosten für die Wartung und Reparatur des Gezähes war es in einigen Bergrevieren so geregelt, dass die Bergleute die Kosten trugen, in anderen wiederum übernahmen die Bergwerksbesitzer die Kosten für Reparatur und Wartung.[22] Im 19. Jahrhundert setzte sich sukzessive die Praxis durch, dass das Gezähe von den Bergwerken angeschafft und den Bergleuten leihweise zur Verfügung gestellt[ANM 6] wurde.[78] Bei der Anlegung erhielt der Hauer das Gezähe kostenfrei vom Bergwerk zur Verfügung gestellt.[24] Auch die Kosten für die Schärfung des Gezähes und dessen Reparatur übernahmen die Bergwerksbetreiber.[79] Für die Handhabung des Gezähes wurden entsprechende Regularien erlassen.[24] So war der Bergmann verantwortlich für die gute Aufbewahrung des Gezähes und die ordnungsgemäße Wiederablieferung desselben.[80] Ebenfalls war er verantwortlich für die sachgemäße Verwendung des Gezähes.[74] Bei Abkehr oder wenn der Bergmann das Gezähe nicht mehr benötigte, musste er das Gezähe wieder beim jeweiligen Bergwerk abgeben.[24] Um den Erhalt und den Zustand des Gezähes zu dokumentieren, bekam jeder Bergmann ein Gezähebuch, in das alle erhaltenen Gezähestücke und ihre Beschaffenheit ein- und später wieder ausgetragen wurden.[78] Bei Verlust des Gezähes haftete der Bergmann mit seinem Lohn.[81] Ebenfalls musste er für den Schaden haften, wenn er absichtlich oder durch unsachgemäße Behandlung das Gezähe stark beschädigt hatte.[80] Wenn er den Verlust oder die Beschädigung des Gezähes innerhalb von drei Tagen bei der Zechenverwaltung meldete, wurde oftmals von der Schadenersatzforderung abgesehen.[81]
Aufbewahrung vor und nach der Arbeit
Wichtig war für die Bergleute auch die Frage, wo das Gezähe aufbewahrt werden konnte, wenn es nicht mehr zum Arbeiten benötigt wurde.[78] Damit das Gezähe nicht gestohlen werden oder verloren gehen konnte, wurde es am Schichtende mit nach über Tage genommen und dort im Huthaus in einem hölzernen Kasten, dem Gezähekasten,[82] auch Gezähekiste genannt,[83] eingeschlossen.[82] Diese Gezähekisten wurden von den Bergleuten selber gebaut.[83] Es gab auch Bergwerke, auf denen im Huthaus eine separate Gezähekammer vorhanden war, in der alles im Gebrauch stehende Gezähe aufbewahrt wurde, welches dann vom Hutmann ausgeteilt oder eingesammelt wurde.[84] Allerdings musste der Bergmann bei diesen Varianten der Aufbewahrung das Gezähe bereits bei der Einfahrt mit sich tragen.[73] Später gab es auch die Möglichkeit, das Gezähe unter Tage in der Gezähekiste einzuschließen.[85] Diese wurde jedem Bergmann auf Wunsch vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt.[24] Eine weitere Möglichkeit war es, das Gezähe mit einem Loch oder einer Öse zu versehen, womit es auf den Gezähering aufgefädelt wurde und dieser dann verschlossen wurde.[85] Gezähe, das nicht zur persönlichen Ausstattung gehörte und nur hin und wieder benötigt wurde, konnte der Bergmann in der Gezähekammer (auch: Magazin) gegen Abgabe einer Gezähemarke erhalten.[85] Eine andere Möglichkeit war es, das Gezähe an einer Stelle mit einem Zeichen zu versehen, an der es nicht leicht abgenutzt oder mutwillig entfernt werden konnte.[22] Im Steinkohlenbergbau des 20. Jahrhunderts war das meiste Gezähe mit einer eingeschlagenen oder aufgeschweißten Nummer versehen.[85]
Bildbeispiele
- Eine moderne Keilhaue
- Ein Flügeleisen mit aufgeschweißter Nummer und Öse für den Gezähering
- Schaufelblatt 13. Jahrhundert von der Grube Bliesenbach
- Dicker Hammer oder Bello mit aufgeschweißter Nummer
- Ein untypischer Kaukamm, die Öse sowie die Nagelkerben fehlen, die ursprünglich vorhandene Nummer wurde abgeschliffen
- Gezähe (repräsentative Ausführung, für Bergparaden u. Ä., einschließlich Bergkittel)
Literatur
Weblinks
- Claus-Stephan Holdermann, Frank Trommer: Gezähe vom Schneeberg, Moos in Passeier / Südtirol. (PDF; 3,76 MB) Aspekte der Fertigung von Bergeisen im spätmittelalterlichen / frühneuzeitlichen Bergbaubetrieb. In: Tagungsband Tagung Linz 4.–6. Okt. 2013. Arbeitsgruppe prähistorische Metalltechnologie, abgerufen am 28. Mai 2015.
- Bergbauzimmer. (u. a. mit einem Foto von Schlägel und Eisen entsprechend dem Symbol, aber als realen Werkzeugen). In: heimatverein-rheinbreitbach.blogspot.de. Abgerufen am 26. November 2016.