Ghillie suit

Tarnanzug für Scharfschützen und Jäger, der Blätter, Sand oder Schnee nachahmt From Wikipedia, the free encyclopedia

Der ghillie suit [ˈɡɪli s(j)uːt] (in der australischen Armee auch yowie suit) ist ein Tarnanzug, der von Scharfschützen, Jägern und Naturfotografen eingesetzt wird.

Britische Scharfschützen des No. 34 Squadron RAF Regiment in Ghillie-Tarnanzügen

Herkunft

Tierfotograf trägt einen ghillie suit
Ein Tierfotograf im ghillie suit
Scharfschütze des österreichischen Bundesheers im Ghillie-Tarnanzug

Das Wort ghillie verweist auf Ghillie Dhu (schottisch-gälische Aussprache: [ˈkʲiʎə ˈt̪u]), ein in Blätter und Moos gekleidetes Wesen der schottischen Mythologie.[1][2]

Im Zweiten Burenkrieg erlitt die britische Armee starke Verluste durch burische Scharfschützen, vor allem als diese über das neue Mausergewehr Modell 95 im Kaliber 7 × 57 mm verfügten. Während die Briten versuchten, die Buren konventionell zu besiegen, nutzten diese ihre guten Ortskenntnisse und Erfahrungen als Jäger aus. Ihre berittenen Kommandos verfügten über eine hohe Mobilität und sie fügten den britischen Verbänden schwere Verluste zu.[3] Daraufhin stellte Lord Lovat die Lovat Scouts auf, deren Kern aus Jägern, Wildhütern und Waldarbeitern aus dem schottischen Hochland bestand. Im Einsatz waren die Lovat Scouts Major Frederick Russell Burnham unterstellt. Die Lovat Scouts waren die erste bekannte Militäreinheit, die den ghillie suit nutzte. Zum Teil stammten die Männer auch aus der Gegend um Gairloch, dem Ursprungsort der Erzählung von Ghillie Dhu. Nach dem Zweiten Burenkrieg wurden die Lovat Scouts 1902 aufgelöst und im April 1908 wieder in die inaktiven Territorialstreitkräfte (Heimatschutz) integriert. 1915 bei der Schlacht bei Gallipoli und teilweise 1916 in Frankreich wieder in den aktiven Einsatz beordert, aber mit dem Schwerpunkt auf Beobachtung und Aufklärung.[4][5]

Aufbau und Funktion

Scharfschützenteam der US-Marines im Ghillie suit mit einem M40-Gewehr auf dem Truppenübungsplatz „Eugen Kvaternik“ (2000).
Italienischer Scharfschütze im Winter-Ghillie-Tarnanzug

Der ghillie suit verbirgt die Form des menschlichen Körpers, indem er dessen Konturen aufbricht und ihn so mit seiner Umgebung „verschmelzen“ lässt. In der Regel besteht er aus Netzmaterial, entweder in Form eines Überwurfes oder als zweiteilige Ausführung, was den Anzug leichter macht und beim Einsatz in warmen Gebieten den Wärmerückstau vermindert. Ghillie suits sind je nach Gelände und Jahreszeit mit unterschiedlichem Tarnmaterial aufgebaut. Grundtarnmaterial sind meist Sackleinenstreifen oder Rupfen, für Wald- und Buschgelände in Braun- und Grüntönen, im Winter bei Schnee weiße Leinenstreifen durchbrochen mit Grün, für urbane Gebiete in Braun und Grau. Um die optimale Tarnwirkung zu erzielen, muss in den Tarnanzug ausreichend natürliches Material wie Zweige mit grünen und braunen Blättern, Gras und trockene Halme aus der unmittelbaren Umgebung eingearbeitet werden.

Literatur

  • Kevin Dockery: Stalkers and Shooters: A History of Snipers. Penguin, 2007, ISBN 978-1-4406-2890-0.
  • Martin Pegler: Out of Nowhere: A History of the Military Sniper. Osprey Publishing, 2004, ISBN 0-87364-704-1.
  • Martin Pegler: Sniping in the Great War. Pen & Sword Books Limited, 2017, ISBN 978-1-4738-9901-8.
  • John L. Plaster: The Ultimate Sniper: An Advanced Training Manual for Military and Police Snipers. Paladin Press, 2006, ISBN 978-1-58160-494-8.
Commons: Ghillie suits – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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