Gisch
Kleinstadt in Israel
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Gisch (arabisch الجش al-Dschisch, DMG al-Ǧiš; klassisch-syrisch ܓܫ hebräisch גִ'שׁ Dschisch) ist ein christlich-aramäischer Ort im israelischen Nordbezirk am Fuß des Meron, zwischen Safed und der libanesischen Grenze. Der Ort hat den Status einer Gemeindeverwaltung.
| Gisch | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| hebräisch: | ג'ש | |
| arabisch: | الجش | |
| Staat: | ||
| Bezirk: | Nord | |
| Koordinaten: | 33° 1′ N, 35° 27′ O | |
| Höhe: | 745 m | |
| Fläche: | 6,916 km² | |
| Einwohner: | 3256 (Stand: 2022)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 471 Einwohner je km² | |
| Gemeindecode: | 0487 | |
| Zeitzone: | UTC+2 | |
| Website: | ||
Allgemeines
Der Ort hat 3256 Einwohner (2022)[2] und erstreckt sich auf einer Fläche von 6,9 km². Fast zwei Drittel der Bewohner von Gisch sind Christen; sie gehören zum größeren Teil der maronitischen Kirche an und zum kleineren Teil der griechisch-katholischen Kirche. Etwa 35 % der Bewohner sind Muslime.
Geschichte
Antike
Gisch ist seit der Landnahme unter Josua als ununterbrochen bewohnte und befestigte Ortschaft belegt, die ältesten Funde sind bis zu 4500 Jahre alt. Der antike Name lautet bei Flavius Josephus in seiner Autobiografie Gischala (Γισχάλα) und im Talmud Gusch Chalav / גּוּשׁ חָלָב / ‚Block aus Milch‘ bedeutet. Unter der arabisch-islamischem Herrschaft wandelte sich der Name zum heutigen Gisch oder Dschisch.
Im Jüdischen Krieg war Gusch Chalav mit seiner geschlossenen Stadtmauer und unterirdischen Fluchtstollen das letzte Widerstandszentrum in Galiläa gegen die römische Armee. Der Anführer von Gusch Chalav, Yochanan ben Levi, sah sich mit seiner Gefolgschaft von etwa 400 Kämpfern der Invasionsarmee unter der Führung von Titus unterlegen. Er handelte mit Titus die Kapitulation von Gusch Halav für den Tag nach Schabbat aus, doch in der Nacht zuvor floh ben Levi mit seinen Kämpfern und einer Mehrheit der Bewohner.
Mittelalter und Neuzeit
Gisch hatte für die jüdische Gemeinde bis ins hohe Mittelalter eine große Bedeutung aufgrund seiner Synagoge und der Rabbinergräber. Im 17. Jahrhundert wurde der Ort von Drusen bewohnt, die Gisch aber zum Ende des Jahrhunderts verließen. Ab dem 18. Jahrhundert wurde Gisch vorwiegend von muslimischen, aber auch von christlichen Arabern besiedelt. Beim Erdbeben am 1. Januar 1837 wurde der gesamte Ort zerstört, die Opferzahlen schwanken je nach Quellenangabe zwischen 135 und über 200 Menschenleben.
20. Jahrhundert
Britische Mandatszeit
Während der Jahre des britischen Völkerbundmandats (1917–1948) war Gisch eines der größeren Dörfer im Distrikt Safad. Die Bevölkerungszahl wuchs von 731 Einwohnern im Jahr 1922 auf 1.090 Einwohner zum Ende der Mandatsperiode. Die demografische Struktur war dabei nahezu ausgeglichen zwischen Muslimen (584) und Christen (506). Innerhalb der christlichen Gemeinschaft stellten die Maroniten die Mehrheit dar, ergänzt durch eine kleinere katholische Minderheit.
Das Dorf wurde während der Mandatszeit von zwei Muchtaren geführt, jeweils einem Vertreter der muslimischen und der christlichen Gemeinschaft. Besonders einflussreich waren hierbei die maronitische Familie Jubran sowie die muslimische Familie Khalaila. Die Gemeinde galt politisch als moderat und distanzierte sich weitgehend von der radikaleren Politik der Husseini-Koalition in Jerusalem. Im Jahr 1945 wurde zur Verwaltung des Ortes ein Gemeinderat eingeführt.
Die Ökonomie des Ortes basierte auf einer vielseitigen Landwirtschaft. Neben dem Anbau von Obst, Oliven, Wein und Getreide exportierte Gisch Tabak und war für seine Milch- und Käseproduktion bekannt. Trotz des Wohlstands des Ortes gab es eine ausgeprägte Migrationsbewegung. Während bereits seit der späten osmanischen Ära viele Einwohner nach Argentinien, Kanada und in die USA auswanderten, zogen während der Mandatszeit zahlreiche Bewohner nach Haifa. Ab den 1930er-Jahren erlebte der Ort eine rege Bautätigkeit. Das Siedlungsgebiet dehnte sich aus und es entstanden moderne Steinbauten entlang der Hauptstraße, die sich architektonisch vom traditionellen Dorfkern unterschieden. Eine staatliche Schule wurde 1926 eröffnet. Für fließendes Wasser sorgte eine 1942 errichtete Wasserpumpstation. Zum Ende der Mandatszeit wurde eine moderne Klinik gebaut.[3.1]
Der UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 sah vor, dass Gisch Teil des arabischen Staates werden sollte; die Stadt Safad, mit der Gisch eng verbunden war, wurde dem jüdischen Staat zugesprochen. Wie auch in vielen anderen Orten Palästinas, wurde in Gisch in Folge des Teilungsplans ein Nationalkomitee errichtet, das aus drei Christen und drei Muslimen bestand. Eine spontan organisierte Gruppe junger Männer, oft Veteranen aus der britischen Armee oder der Transjordanischen Grenzpolizei, übernahm nach dem Abzug der Briten den Wachdienst. Ihre Ausrüstung war jedoch veraltet und unzureichend.[3.2]
Palästinakrieg
Während des Palästinakriegs war ab Januar 1948 eine Kompanie der Arabischen Befreiungsarmee (ALA) in Gisch stationiert. Aufgrund der Position an der Hauptstraße zum Libanon war der Ort für die arabischen Kräfte von hoher strategischer Bedeutung. Zur Kontrolle der Straße baute die ALA während ihrer zehnmonatigen Präsenz sieben Pillbox-Bunker in den Hügel von Gisch. Das Verhältnis der Dorfbewohner zur ALA war zwiespältig: Während einige Bewohner die Soldaten unterstützten, empfanden andere die Präsenz der ALA als Belastung.[3.3]
Im Frühjahr 1948 erreichten größere Flüchtlingsströme Gisch. Ehemalige Bewohner des Ortes kehrten nach dem Fall Haifas am 22. April nach Gisch zurück. Auch Flüchtlinge aus Untergaliläa erreichten Gisch und belasteten zunehmend die Ressourcen des Ortes. Nachdem die Hagana am 10. Mai Safad erobert hatte, flohen ebenso die Einwohner des Nachbardorfes Qaddita aus Angst vor einem bevorstehenden Angriff nach Gisch. Einwohner und Flüchtlinge hofften, dass Gisch von einem israelischen Angriff verschont bliebe, da der Ort außerhalb der Grenzen des geplanten jüdischen Staates lag.[3.4]
Im Palästinakrieg flohen viele der arabischen Bewohner. Bei der Eroberung des Ortes durch israelische Streitkräfte am 29. Oktober 1948 während der Operation Chiram kam es zu starken Gefechten, bei denen zahlreiche Gebäude beschädigt oder zerstört wurden.
Ab 1949
1949 wurden hier Binnenflüchtlinge des Krieges aus den zerstörten christlich-arabischen Orten Iqrit und Birʿim angesiedelt, wodurch Christen die Mehrheit unter den Einwohnern in Gisch bilden. Der Großteil der Christen ist maronitisch, der andere Teil griechisch-katholisch.
21. Jahrhundert
Seit 2014 sind in Israel Aramäer als eigenständige nationale Bevölkerungsgruppe anerkannt. Maronitisch-christliche Einwohner Gischs beteiligen sich an der Wiederbelebung der syrisch-aramäischen Identität, Sprache und Kultur.[4]
Berühmte Einwohner
- Yochanan ben Levi (unbekannt–nach 70), Anführer während des jüdischen Aufstands
- Elias Chacour (* 1939), emeritierter Erzbischof der Melkitische Griechisch-katholische Kirche, wuchs ab seinem 10. Lebensjahr in Gisch auf
- Ala Hlehel (* 1974), Schriftsteller, Dramatiker und Journalist
Literatur
- Immanuel Benzinger: Gischala. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,1, Stuttgart 1910, Sp. 1370.
