Daimler und Benz Stiftung

Stiftung der Daimler AG zur Förderung von Wissenschaft und Forschung From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Daimler und Benz Stiftung (ehemals Gottlieb-Daimler- und Karl-Benz-Stiftung) ist eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Der Sitz ist Stuttgart; die Geschäftsstelle der Stiftung befindet sich im ehemaligen Wohnhaus der Familie Benz in Ladenburg.

Gründung8. August 1986
Schnelle Fakten Rechtsform, Gründung ...
Daimler und Benz Stiftung
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Rechtsform Stiftung bürgerlichen Rechts
Gründung 8. August 1986
Gründer Daimler-Benz AG
Sitz Stuttgart
Geschäftsstelle Ladenburg
Vorläufer Gottlieb-Daimler- und Karl-Benz-Stiftung
Zweck Förderung von Wissenschaft und Forschung
Vorsitz Lutz H. Gade, Wolf-Dieter Kurz
Geschäftsführung Jörg Klein
Stiftungskapital ca. 150 Mio. Euro (2025)
Website www.daimler-benz-stiftung.de
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Geschichte

Das ehemalige Wohnhaus der Familie Benz in Ladenburg ist heute Sitz der Geschäftsstelle der Stiftung.

Die Stiftung wurde 1986 aus Anlass des 100. Jubiläums der Erfindung des Automobils als „Gottlieb-Daimler- und Karl-Benz-Stiftung“[1] von der Daimler-Benz AG, heute Mercedes-Benz Group AG und Daimler Truck Holding AG, gegründet. Sie ist benannt nach den beiden Unternehmensgründern Gottlieb Daimler und Carl Benz. Durch einen Beschluss des Kuratoriums der Stiftung wurde im März 2010 der Name in „Daimler und Benz Stiftung“[1] geändert.

Zweck der Daimler und Benz Stiftung ist laut Satzung die Klärung der Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Umwelt und Technik. Die Stiftung fördert den fachübergreifenden wissenschaftlichen Dialog und interdisziplinäre Forschungsvorhaben. In verschiedenen Förderformaten ermöglicht sie die Untersuchung zukunftsrelevanter Forschungsfragen, unterstützt in ihrem Stipendienprogramm herausragende junge Wissenschaftler sämtlicher Disziplinen und trägt durch mehrere Vortragsreihen dazu bei, die Sichtbarkeit und Akzeptanz von Wissenschaft in der Öffentlichkeit zu stärken.[2][3][4]

Organe der Stiftung sind der Vorstand und der Stiftungsrat. Der Vorstand besteht aus zwei Mitgliedern, zurzeit Lutz H. Gade und Wolf-Dieter Kurz.[5] Der Stiftungsrat hat laut Satzung neun Mitglieder, wovon drei Mitglieder vom Vorstand der Mercedes-Benz Group AG und der Daimler Truck Holding AG und je ein Mitglied vom jeweiligen Gesamtbetriebsrat der beiden Unternehmen benannt werden.[1] Vier weitere Mitglieder aus der Wissenschaft werden kooptiert. Der 2021 verstorbene langjährige Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG Werner Breitschwerdt war Ehrenvorsitzender des Stiftungsrats. Zu den bekannten Persönlichkeiten des aktuellen Stiftungsrats gehören u. a. Olaf Schick, Michael Brecht, Hartmut Hillmer und Oliver Bendel.[5]

Förderung von Forschungsprojekten und Tagungen

Die Daimler und Benz Stiftung versteht sich als zugleich operativ tätige und fördernde Stiftung mit verschiedenen Förderlinien. Die Ladenburger Kollegs[6] stellen eine Schwerpunktförderung der Stiftung dar. Das Format bietet Wissenschaftlern die Möglichkeit, innerhalb eines interdisziplinären Forschungsverbunds Themenstellungen über einen längeren Zeitraum zu bearbeiten. Hierzu veröffentlicht die Stiftung in unregelmäßigen Abständen Ausschreibungen.

Aktuell fördert die Stiftung drei Ladenburger Kollegs: Das von Jens Gerken[7] geleitete Verbundprojekt „KonCheck – KI-basierte Methoden zur Unterstützung von Meinungsbildung und Partizipation“[8][9][10] erforscht, wie Informationen mithilfe künstlicher Intelligenz geprüft und kontextualisiert werden können. Insbesondere Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sollen davon profitieren. Im Förderprojekt „Der Aggressor: Selbst- und Fremdwahrnehmung eines Akteurs zwischen den Nationen“[11][12] unter der Leitung von Thomas Maissen widmet sich ein interdisziplinär und mit einer gesamteuropäischen Perspektive arbeitendes Konsortium insbesondere der gegenwärtigen Deutung fremder und landeseigener Aggressoren und untersucht, wie diese Erzählungen nationale Vorstellungen prägen. Im Jahr 2025 startete das Verbundprojekt „Technologische Intelligenz zur Transformation, Automatisierung und Nutzerorientierung des Justizsystems (TITAN)“[13][14], in dem Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen unter der Leitung von Anne Paschke[15] untersuchen, ob künstliche Intelligenz Funktionen im Justizsystem effizient erfüllen kann, sodass Grundrechte, Demokratie und Rechtsstaat gestärkt werden.

In dem 2025 zum Abschluss gekommenen Verbundprojekt „Zukünftige Wasserkonflikte in Deutschland“[16] untersuchte eine interdisziplinäre Wissenschaftlergruppe unter der Leitung von Hannah Kosow[17] Konflikte bei der künftigen Nutzung und Verteilung von Wasser, beim Schutz von Wasserressourcen sowie beim Schutz von Hochwasser. Ziel der Forschung war, erwartbare Konfliktsituationen in Deutschland durch mögliche Lösungsansätze frühzeitig zu entspannen.

Weiterhin brachte die Stiftung das von Jörg Roche[18] geleitete Forschungsprojekt „Sprachstandsentwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund“[19] auf den Weg, das ein valides, verlässliches und objektives Verfahren zur Sprachstandsermittlung für Kinder entwickelte, die am Übergang zum Schuleintritt stehen. Das Verfahren soll pädagogischen Fachkräften ein praxistaugliches Werkzeug zur Verfügung stellen, mit dem sprachförderbedürfige Kinder identifiziert (Zuweisungsdiagnose) und gleichzeitig deren individueller Förderbedarf ermittelt werden kann (Förderdiagnose). Die Arbeit des bereits abgeschlossenen Projekts wird in dem gemeinnützigen Verein „Förderung von Verfahren zur Sprachstandserhebung und Sprachförderung e. V.“[20] fortgesetzt.

Seit 2024 setzt die Daimler und Benz Stiftung mit den Ladenburger Horizonten[21] einen Schwerpunkt auf Kooperationen zwischen deutschen und afrikanischen Forschungseinrichtungen. Die Fördermaßnahme bezieht sich auf ausgewählte Regionen in Afrika und trägt deren wachsender wissenschaftlicher und politischer Bedeutung Rechnung.

Unter Forum Forschung[22] fasst die Daimler und Benz Stiftung diverse Fördervorhaben zusammen. Dazu zählen wissenschaftliche Tagungen und Forschungsprojekte in kleinerem Umfang. Eine Förderung erfolgt häufig in Kooperation mit anderen Stiftungen oder Einrichtungen.

Mit dem Tagungsformat Ladenburger Diskurs[23] bietet die Daimler und Benz Stiftung einen Freiraum für die interdisziplinäre Reflexion eines wissenschaftlich und gesellschaftlich relevanten Forschungsthemas. Die Stiftung stellt in ihren Räumlichkeiten einen Ort zur Verfügung, an dem Wissenschaftler und Experten aus der Praxis ein frei gewähltes, interdisziplinäres Forschungsthema ergebnisoffen erörtern können.

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Ein besonderes Augenmerk legt die Stiftung auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Jedes Jahr erhalten zwölf ausgewählte Postdoktoranden, Juniorprofessoren bzw. Leiter junger Forschungsgruppen ein Stipendium der Stiftung.[24] Es soll ihre berufliche Karriere gerade während der produktiven Phase nach ihrer Promotion stärken. Die Daimler und Benz Stiftung kooperiert in diesem Förderprogramm mit der Reinhard Frank-Stiftung[25], die Mittel für zwei Stipendien bereitstellt. Die Fördersumme beträgt für die Dauer von zwei Jahren 50.000 Euro pro Stipendium und kann beispielsweise zur Finanzierung wissenschaftlicher Hilfskräfte, technischer Ausrüstung, Forschungsreisen oder zur Teilnahme an Tagungen flexibel verwendet werden. Durch regelmäßige Treffen der jungen Wissenschaftler dieses stetig wachsenden Stipendiaten-Netzwerks in Ladenburg fördert die Daimler und Benz Stiftung zugleich den interdisziplinären Gedankenaustausch. Das Förderprogramm steht Bewerbern sämtlicher wissenschaftlicher Disziplinen offen, es gibt keine thematischen Einschränkungen.

Einmal jährlich vergibt die Stiftung den mit 15.000 Euro dotierten „Bertha Benz-Preis[26][27] an eine junge Ingenieurin, die sich durch eine wissenschaftlich hervorragende Promotion ausgezeichnet hat. Dieser Preis würdigt – in Anlehnung an Bertha Benz (1849–1944) – Pioniergeist, Mut und visionären Charakter und soll auf die Bedeutung von Frauen in den Ingenieurwissenschaften hinweisen. Die prominente Namensstifterin unternahm im Jahr 1888 gemeinsam mit ihren beiden Söhnen die erste Fernfahrt in einem von Carl Benz konstruierten Automobil. Mit ihrem Wissen und technischen Verständnis stand sie ihrem Ehemann zeitlebens zur Seite.

Wissenschaftskommunikation

Um den Wert der Wissenschaft für das Gemeinwesen sichtbar zu machen, fördert die Stiftung in unterschiedlichen Veranstaltungsreihen[28][29][30][31][32] den Austausch zwischen Forschern und Öffentlichkeit. Die Vortragsreihe „Dialog im Museum“, die im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart stattfindet, stellt der interessierten Öffentlichkeit ausgewählte Wissenschaftler und exzellente Forschungsvorhaben vor. Über die Vorträge dieser Reihe wird regelmäßig publiziert.[33][34][35][36] Die „Bertha-Benz-Vorlesung“, in der Wissenschaftlerinnen und Expertinnen aus unterschiedlichen Disziplinen und Branchen über gesellschaftlich relevante Themen sprechen, findet gemeinsam mit der Verleihung des „Bertha-Benz-Preises“ statt. Darüber hinaus erfolgt jährlich eine Ausschreibung für ein Veranstaltungsformat „Innovative Wissenschaftsvermittlung“.[37] Antragsberechtigt sind bundesweit gemeinnützige Einrichtungen, Unternehmen oder Organisationen aus Kultur, Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft, die eine sich von bisherigen Formaten abhebende Veranstaltung zur Wissenschaftskommunikation organisieren und ausrichten wollen.

Publikationen (Auswahl)

Die Stiftung ist daran interessiert, dass die in den von ihr geförderten Projekten ermittelten Ergebnisse der Allgemeinheit zugutekommen und unterstützt daher primär Open-Access-Publikationen.

Einzelnachweise

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