Großloge von Irland
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Die Großloge von Irland (englisch Grand Lodge of Ireland, irisch Ardlóiste na hÉireann) ist die zweitälteste Großloge der Freimaurerei weltweit. Da kein Gründungsdokument erhalten ist, gilt das Jahr 1725 als offizielles Gründungsjahr. Der älteste bekannte Hinweis auf die Großloge stammt aus dem Dublin Weekly Journal vom 26. Juni 1725. Darin wird die Versammlung der Großloge zur Einsetzung des neuen Großmeisters Richard Parsons, 1. Earl of Rosse am 24. Juni desselben Jahres beschrieben.[1] Die Großloge besitzt die reguläre freimaurerische Jurisdiktion über 13 Provinzialgroßlogen auf der Insel Irland sowie über weitere Provinzialgroßlogen in anderen Teilen der Welt.

Verschiedene Artefakte deuten darauf hin, dass Freimaurerei in Irland bereits vor 1725 existierte. Dazu zählt ein Stuhl mit freimaurerischen Symbolen und einer irischen Harfe im Freimaurersaal von Lurgan, der auf das Jahr 1681 datiert wird.
Geschichte

Es existieren zahlreiche Hinweise auf das Bestehen freimaurerischer Logen in Irland bereits vor dem 18. Jahrhundert. Die Überlieferung der sogenannten „Lady Freemason“ Elizabeth St. Leger reicht in eine Zeit vor der Gründung der Großloge zurück. Darüber hinaus erwähnte eine Rede am Trinity College Dublin bereits 1688 Logentreffen in Dublin.
Das älteste Artefakt der freimaurerischen Bruderschaft in Irland und zugleich eines der ältesten freimaurerischen Objekte weltweit ist der sogenannte Baal’s Bridge Square. Das Messingwinkelmaß wurde 1830 bei Umbauarbeiten an der Baal’s Bridge in Limerick entdeckt und trägt die Jahreszahl 1507. Es scheint bewusst unter dem Grundstein der alten Brücke deponiert worden zu sein und trägt die Inschrift: „I will strive to live with love and care, upon the level and by the square.“[2][3]
Laut dem Dublin Weekly Journal wurde Richard Parsons, 1. Earl of Rosse, am 24. Juni 1725 zum neuen Großmeister der Großloge von Irland gewählt. An der feierlichen Prozession nahmen die Meister und Aufseher von sechs Logen der „Gentleman Freemasons“ teil. Der Bericht legt nahe, dass es sich nicht um die erste derartige Wahl handelte. Da jedoch keine ältere Quelle bekannt ist, betrachtet die Großloge das Jahr 1725 als ihr Gründungsjahr. Damit ist sie die zweitälteste Großloge und die älteste bis heute ununterbrochen bestehende Großloge der Welt.[1]
Spätestens ab 1726 bestand zudem eine Großloge im südlichen Munster, die 1733 in die Dubliner Großloge eingegliedert wurde.[4]
Die Großloge von Irland war die erste Großloge, die Logenpatente in ihrer heutigen Form ausstellte. Im Gegensatz zu den Großlogen von London und Edinburgh zeigte sie sich auch gegenüber Militärlogen aufgeschlossen und vergab Patente für sogenannte Wanderlogen. Aus diesem Grund standen zahlreiche Logen der britischen Armee unter irischer Konstitution. Die Form der Freimaurerei, welche britische Soldaten in die Kolonien brachten, war daher überwiegend irisch geprägt.[5]
Ein Regiment mit irischem Patent gründete zudem die Loge, aus der später die Prince-Hall-Freimaurerei hervorging.[6]
In England spielten irische Freimaurer eine wichtige Rolle bei der Entstehung der rivalisierenden Großloge der sogenannten „Antients“, welche eine stärker christliche Ausrichtung hatten und „Moderns“ vorwarfen alte Ritualpraxis vernachlässigt zu haben. Deren Großsekretär Laurence Dermott orientierte sich bei der Ausarbeitung der Verfassung an den irischen Statuten. Als sich die beiden konkurrierenden englischen Großlogen 1813 vereinigten, setzte sich weitgehend die von den Antients praktizierte Ritualform durch.[7]
Im frühen 19. Jahrhundert erlitt die Großloge von Irland mehrere Rückschläge. Ein Streit über die sogenannten höheren Grade und konfessionell-religiöse Konflikte führte 1805 zur Abspaltung einer Großloge von Ulster, die neun Jahre lang bestand. Im [4] Die irische Hungersnot von 1823 führte zu Unruhen, in deren Verlauf einige Logen zu Zentren republikanischer Aktivitäten wurden. Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich die Ideen der United Irishmen auf die irische Freimaurerei ausgebreitet, welche interkonfessionell und mehrheitlich katholisch war.[8] Die Freimaurerei wurde daraufhin von der Regierung vorübergehend verboten, bis das Verbot 1825 wieder aufgehoben wurde. Im Jahr 1826 verurteilte Papst Leo XII. in der Bulle Quo Graviora erneut die Freimaurerei. Obwohl dies nur die jüngste einer Reihe päpstlicher Maßnahmen war, wurde sie von der irischen Geistlichkeit besonders konsequent umgesetzt. Zahlreiche katholische Freimaurer sahen sich mit der Androhung der Exkommunikation konfrontiert und verließen daraufhin die Logen.[1]
Während des 18. Jahrhunderts tagten die einzelnen Logen gewöhnlich in Gasthäusern, Tavernen und Kaffeehäusern, während die Großloge öffentliche Gebäude und Zunfthäuser nutzte. Im frühen 19. Jahrhundert begann die Großloge damit, eigene Räumlichkeiten anzumieten. Zeitweise befand sich ihr Sitz in der Dawson Street Nr. 19 in Dublin, dem heutigen Sitz der Royal Irish Academy. Später zog sie in die Commercial Buildings in der Dame Street um. Im Jahr 1869 wurde schließlich die bis heute genutzte Freemasons’ Hall in der Molesworth Street eröffnet. Das eigens errichtete Gebäude beherbergt Logensäle, eine Bibliothek, ein Museum, Verwaltungsräume und Speisesäle.[9]
Im Jahr 2000 umfasste die Großloge nach eigenen Angaben mehr als 700 Logenzentren und rund 33.000 Mitglieder in Irland sowie weitere etwa 150 Logen im Ausland.[10]
Am 31. Dezember 2021 brach in der Freemasons’ Hall an der Molesworth Street ein Feuer aus. Der Brand wurde gegen 17:20 Uhr gemeldet und kurz nach 18:00 Uhr gelöscht. Ein Mann in seinen Dreißigern erlitt schwere Verletzungen und wurde in das St. James’s Hospital eingeliefert. Die Feuerwehr konnte die Schäden auf einen Raum begrenzen. Am folgenden Tag leitete die Garda Síochána Ermittlungen wegen Einbruchs und Sachbeschädigung ein.[11][12]
Britische Armeelogen
Die Großloge von Irland spielte eine zentrale Rolle bei der Verbreitung freimaurerischer Militärlogen innerhalb der britischen Streitkräfte.[13] Die Premier Grand Lodge of England stand der Vergabe von Patenten an Wanderlogen zunächst ablehnend gegenüber und betrachtete Soldaten nicht immer als Männer von ausreichender moralischer Eignung. Für Regimenter, die eine eigene Loge gründen wollten, war es daher oft einfacher, sich an die Großlogen von Irland oder später von Schottland zu wenden.
Zwischen 1732 und 1742 stellte die Großloge von Irland Patente für Logen in zahlreichen Regimentern der britischen Armee aus, darunter die Royal Scots, die Royal Irish, die Green Howards, die Royal Inniskilling Fusiliers und weitere Verbände.
In den folgenden Jahrzehnten vergaben die Großlogen von Irland, Schottland und die Antients Hunderte weiterer Patente an Kavallerie-, Infanterie- und Artillerieverbände. Bis heute bestehen mit der Lodge No. 322 Glittering Star des Mercian Regiment und der Lodge No. 295 St Patrick’s der Royal Dragoon Guards noch zwei aktive Militärlogen unter irischer Konstitution.[13]
Konflikt mit der katholischen Kirche
Die Haltung der katholischen Kirche gegenüber der Freimaurerei war in Irland traditionell besonders kritisch. Katholiken wurde die Mitgliedschaft in freimaurerischen Organisationen untersagt, während als Alternative katholische Bruderschaften wie die Knights of Saint Columbanus entstanden. Vor allem im 20. Jahrhundert, nach der Gründung des Irischen Freistaates, standen beide Organisationen teilweise in Konkurrenz zueinander.
Zu den bekanntesten Gegnern der Freimaurerei in Irland gehörten Michael de Gargano, Verfasser von Irish and English Freemasons and Their Foreign Brothers (1876), der Priester George F. Dillon mit seinem Werk War of Anti-Christ with the Church and Christian Civilization (1885), Edward Cahill mit Freemasonry and the Anti-Christian Movement (1929) sowie Denis Fahey, der Dillons Schrift 1950 erneut veröffentlichte. Auch mehrere Enzykliken von Papst Leo XIII. richteten sich gegen die Freimaurerei.[14]
Provinzialgroßlogen in Irland
Die Großloge von Irland gliedert ihre inländischen Logen in folgende Provinzialgroßlogen:[15]
- Antrim
- Armagh
- North Connaught
- South Connaught
- Down
- Londonderry und Donegal
- Meath
- Metropolitan Area (Dublin)
- Midland Counties
- Munster
- North Munster
- South Eastern
- Tyrone und Fermanagh
- Wicklow und Wexford
Provinzialgroßlogen im Ausland
Außerhalb Irlands bestehen Provinzialgroßlogen beziehungsweise Distrikte in:[15]
- Bermuda
- Fernost
- Indien
- Jamaika, Kaimaninseln und Bahamas
- Natal
- Neuseeland
- Nord- und Südkap (Südafrika)
- Südostasien (Singapur, Malaysia und Thailand)
- Sri Lanka
- Sambia
Daneben bestehen mehrere einzelne Auslandslogen sowie zwei reisende Militärlogen, die britischen Armeeeinheiten angeschlossen sind.
Großmeister
Seit ihrer Gründung wurde die Großloge von einer Reihe von Großmeistern geleitet, die überwiegend dem britisch-irischen Adel, dem Militär oder dem öffentlichen Leben entstammten. Zu den bedeutendsten Amtsinhabern gehörten Richard Parsons, 1. Earl of Rosse (1725), James Hamilton, 1. Duke of Abercorn (1874–1886), Dermot Chichester, 7. Marquess of Donegall (1981–1992) sowie George Dunlop (2006–2014). Seit 2025 bekleidet Richard S. G. Ensor das Amt des Großmeisters.