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Grippesaison 2020/2021

Virusgrippe-Erkrankungen von Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Grippesaison 2020/2021 betrifft die Erkrankungen mit der Virusgrippe im Zeitraum von Herbst 2020 bis Frühjahr 2021. Sie überschneidet sich mit der zugleich bestehenden COVID-19-Pandemie. Als Saison versteht man auf der nördlichen Halbkugel üblicherweise den Zeitraum zwischen der 40. Kalenderwoche (Anfang Oktober) und der 20. Kalenderwoche (Mitte Mai). Die eigentliche Welle beginnt in der Regel im Januar und dauert drei bis vier Monate.[1]

Impfempfehlungen und Stammanpassungen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) sprechen jährlich Empfehlungen aus, die die Basis für die Herstellung der Grippeimpfstoffe für die jeweilige Saison bilden. Die Genehmigung der Stammanpassungen für die zentral in der Europäischen Union zugelassenen Impfstoffe erfolgt durch die Europäische Arzneimittel-Agentur. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genehmigt die jährlichen Stammanpassungen für alle national in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffe.

Die WHO empfahl für die Zusammensetzung der Grippeimpfstoffe für die Saison 2020/2021:[2][3][4]

Impfstoffe aus Hühnereiern:

  • A/Guangdong-Maonan/SWL1536/2019 (H1N1) pdm09-like virus
  • A/Hong Kong/2671/2019 (H3N2)-like virus
  • B/Washington/02/2019-like virus (Victoria-Linie)
  • B/Phuket/3073/2013-like virus (Yamagata-Linie)

Impfstoffe aus Zellkulturen oder rekombinant:

  • A/Hawaii/70/2019 (H1N1) pdm09-like virus
  • A/H A/Hong Kong/45/2019 (H3N2)-like virus
  • B/Washington/02/2019-like virus (Victoria-Linie)
  • B/Phuket/3073/2013-like virus (Yamagata-Linie)

Im Vergleich zu den Impfstoffen der Saison 2019/2020 wurden alle Viren mit der Ausnahme des Subtyps B Yamagata ersetzt.[5]

Situation in Deutschland

Die Ständige Impfkommission (STIKO) blieb 2020 bei ihrer Position, keine standardmäßige Grippeimpfung für die gesamte Bevölkerung zu empfehlen.[6]

Eine Impfung wurde laut der STIKO vor allem für Risikogruppen empfohlen, darunter Menschen, die älter als 60 Jahre waren, alle gesunden Schwangeren ab dem 2. Trimenon, Schwangere mit einer chronischen Grundkrankheit ab dem 1. Trimenon, chronisch Kranke, Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen und Menschen, die beruflich Kontakt zu vielen Personen hatten.[7][8]

Dabei wurde in Deutschland bereits seit längerem diskutiert, dass in der Personengruppe ab 60 Lebensjahren die Wirksamkeit der Grippeimpfung auf 30 bis 50 % nachlässt.[9]

Laut einer Umfrage der Tageszeitung Die Welt 2020 zahlten von 26 befragten gesetzlichen Versicherungen neun allen Versicherten die Grippeschutzimpfung, die anderen nur für den Fall, dass die Versicherten zu den bekannten Risikogruppen gehörten, von sechs befragten privaten Krankenversicherungen drei allen Versicherten, die übrigen drei nur Angehörigen der Risikogruppen.[7][10]

Der Mediziner und Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach plädierte Ende September 2020 für kostenlose Grippeimpfungen für alle Versicherten.[11]

Für den Einsatz in Deutschland standen sieben Impfstoffe zur Verfügung, die genehmigt und vermarktet wurden. Es handelte sich dabei um Vierfach-Impfstoffe (tetravalent):[12]

  • Afluria Tetra 2020/2021[13]
  • Flucelvax Tetra 2020/2021[14]
  • Fluenz Tetra 2020/2021[15][16]
  • Influsplit Tetra 2020/2021[17]
  • Influvac Tetra 2020/2021[18]
  • Vaxigrip Tetra 2020/2021[19]
  • Xanaflu Tetra 2020/2021[20]

Bis zum 25. September 2020 wurden rund 18,1 Millionen Impfstoffdosen in Deutschland freigegeben.[21]

Bereits zu Beginn der Grippesaison galten in Deutschland umfassende temporäre Hygieneregeln, Kontaktbeschränkungen und andere Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die der Bekämpfung der andauernden COVID-19-Pandemie dienen sollten. Durch einen zweiten Lockdown ab 2. November 2020, unter anderem mit der Schließung der meisten Freizeiteinrichtungen und strengen privaten Kontaktbeschränkungen, wurden diese Maßnahmen verschärft. Dies waren günstige Bedingungen für eine massive Eindämmung der saisonalen Grippewelle. Erfahrungen in den nicht tropischen Industriestaaten der südlichen Halbkugel, die bereits einen Winter unter Corona-Bedingungen hinter sich hatten, zeigten u. a., dass in Australien, Chile und Südafrika zwischen April und Juli 2020 insgesamt lediglich 51 Influenza-Infektionen registriert wurden.[22]

In Deutschland wurden bis zum 20. April 2021 dem Robert Koch-Institut nur 519 Grippefälle übermittelt. Im Vorjahr waren bis zu diesem Zeitpunkt mehr als 184.000 labormedizinisch diagnostizierte Fälle gemeldet worden. Das RKI berichtete, dass in der Grippesaison 2020/2021 von einer Zirkulation der Influenzaviren auf extrem niedrigen Niveau ausgegangen wurde. Eine RKI-Sprecherin sagte, es habe in der Saison überhaupt keine Grippewelle gegeben. Dies sei seit Beginn der Grippeüberwachung 1992 noch nie vorgekommen.[23]

Situation in Österreich

Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz empfahl aufgrund des Ergebnisses der Nationalen Impfgremiums die Influenza-Impfung für alle Erwachsenen, insbesondere für Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr, chronisch Kranke, Personengruppen mit anderen Risikofaktoren sowie Personal im Gesundheitswesen und in der Altenpflege. Zur Kostenfrage teilte es mit: „Zuschüsse oder kostenfreie Impfungen gibt es bei einzelnen Arbeitgebern und Sozialversicherungsträgern und in manchen Bundesländern und ausgewählten Impfaktionen. Die Impfung für Erwachsene wird jedoch nicht generell kostenfrei zur Verfügung gestellt.“[24] Das Land Oberösterreich empfahl die Impfung für Kinder und Jugendliche ab dem 6. Lebensmonat (besonders jene, die soziale Einrichtungen besuchen), Personen mit chronischen Erkrankungen, Menschen ab dem 65. Lebensjahr, Gesundheits- und Pflegepersonal, Personal in Gemeinschaftseinrichtungen und Schwangere.[25]

2020 wurde die Grippe-Impfung für Kinder bis zum 15. Geburtstag in das Gratis-Kinder-Impfprogramm des Bundes aufgenommen.[26]

Die Stadt Wien beschaffte bis Ende September 2020 400.000 Impfdosen. Die Ärztekammer und die Gemeinde Wien vereinbarten, dass die Impfungen gratis sein sollten. Das Impfprogramm begann am 1. Oktober. Erforderlich waren eine Anmeldung und das Mitbringen der e-Card und des Lichtbildausweises.[26]

Zu den zugelassenen Mitteln zählten unter anderem:

  • Fluenz Tetra
  • Vaxigrip Tetra
  • Fluad, Personen ab 65 Jahren
  • Efluelda/Fluzone High Dose Quadrivalent, Personen ab 65 Jahren

Situation in der Schweiz

In der Grippesaison 2020/2021 wurde in der Schweiz kein einziger bestätigter Grippefall verzeichnet.[27]

In der Schweiz standen zwei Impfstoffe zur Verfügung:

  • Fluarix Tetra
  • Vaxigrip Tetra (Sanofi)

Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) standen insgesamt 1,2 Millionen Impfdosen für die Saison bereit.[28]

Siehe auch

Einzelnachweise

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