Großes Wandelndes Blatt

Art der Gattung Phyllium From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Große Wandelnde Blatt (Pulchriphyllium giganteum, Syn. Phyllium giganteum) ist eine der größten Arten der Wandelnden Blätter (Phylliidae).

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Großes Wandelndes Blatt

Pulchriphyllium giganteum, Weibchen

Systematik
Unterstamm: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Familie: Wandelnde Blätter (Phylliidae)
Gattung: Pulchriphyllium
Art: Großes Wandelndes Blatt
Wissenschaftlicher Name
Pulchriphyllium giganteum
(Hausleithner, 1984)
Schließen
Adultes Männchen (links) neben weiblicher Nymphe
Ei von A lateral, B dorso-lateral, C dorsal, D ventral, E opercular (anterior), F posterior
Frisch geschlüpfte Nymphe

Merkmale

Männchen können bis zu 8 cm, Weibchen bis knapp 12 cm lang werden. Die Art zählt damit neben annähernd gleichgroßen Arten wie Cryptophyllium limogesi zu den größten Vertretern der Wandelnden Blätter. Männchen haben einen relativ breites, leicht rautenförmiges Abdomen. Ihre als Tegmina ausgebildeten Vorderflügel sind kurz. Die Hinterflügel (Alae) reichen bis an das Ende des Abdomens. Das Abdomenende, die Mittel- und Hinterbeine, sowie die äußeren und inneren Lappen (Loben) der Tibien und die inneren Loben der Femuren der Vorderbeine können braun sein. Die übrigen Körperbereiche sind bei frisch adulten Männchen grün mit einer unterschiedlich ausgeprägten, schwarzbraunen Zeichnung. Nach drei bis vier Wochen werden sie mehr und mehr gelb. Weibchen haben keine Hinterflügel. Ihre Vorderflügel sind schmaler und kürzer als das Abdomen und bedecken dieses nicht bis zu dessen seitlichen Rändern. Sie können fast vollständig grün sein oder braune bis schwarzbraune Zeichnungen am Körper aufweisen. Auch die Loben der Tibien und Teile insbesondere der Mittel- und Hinterfemuren sowie das Abdomenende können braun sein. Auch gelbe Weibchen können vorkommen. Ein Paar Augenflecke ist bei beiden Geschlechtern auf dem fünften Segment des Abdomens zu finden. Bei adulten Weibchen wird es von den Vorderflügeln bedeckt. Mit Färbung und Körperform imitieren sie perfekt ein teilweise angewelktes Blatt (Blattmimese).[1][2]

Vorkommen und Lebensraum

Pulchriphyllium giganteum hat von den bisher bekannten Arten der Gattung das größte Verbreitungsgebiet. Fundorte dieser Art sind von der Malaiischen Halbinsel und Borneo durch molekulargenetische Untersuchungen bestätigt. Sie soll aber auch in Thailand und auf Sumatra vorkommen.[3][4] Die in Zucht befindlichen Tiere stammen von Fundorten im nordwestlichen Pahang, genauer aus den Cameron Highlands und aus den benachbarten Tapah Hills in Perak, wo sie auf Sträuchern gefunden wurden.[5]

Fortpflanzung

Das Große Wandelnde Blatt pflanzt sich nach Beobachtungen in Gefangenschaft parthenogenetisch fort. Selten treten auch in rein parthenogenetisch gehaltenen Stämmen Männchen auf. So soll auf 20 bis 500 Weibchen ein Männchen unter den Nachkommen sein.[1] Im Vergleich von Zuchtstämmen rein parthenogenetisch gehaltener mit sich geschlechtlich fortpflanzenden Exemplaren lässt sich „keine auffällige Veränderung hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses der Nymphen“ beobachten.[6] Im Maximum schlüpften mehr als 10 % Männchen.[2]

Die fast schwarzen Eier sind mit 8,5 mm Länge, 4 mm Breite und einem Gewicht von durchschnittlich 34 mg die größten und schwersten der Wandelnden Blätter. Aus ihnen schlüpfen nach etwa acht Monaten zunächst völlig rotbraune Nymphen, die nach Beginn der Nahrungsaufnahme grün werden. Etwa vier Wochen nach der Häutung zur Imago beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Im Es werden bis zu sieben Eier pro Woche einfach auf den Boden fallen gelassen. Nach etwa sechs bis acht Monaten schlüpfen die Nymphen. Ihre Entwicklungszeit kann acht bis zwölf Monate dauern. Die Lebenserwartung eines adulten Weibchens beträgt sechs bis zehn Monate. Die Männchen sind bereits nach vier Häutungen adult und werden nur wenige Wochen bis maximal drei Monate alt.[1][2][7]

Systematik

Vertreter des Großen Wandelnden Blattes wurden erstmals 1981 von Sakaguti erwähnt. Er ordnete sie Phyllium pulchrifolium zu. Im Jahr 1984 beschrieb Burghard Hausleithner die Art unter dem Namen Phyllium giganteum. Der gewählte Artname „giganteum“ bezieht sich auf die Größe der Art. Der weibliche Holotypus, sowie zwei weitere adulte Weibchen und zwei juvenile Weibchen die als Paratypen deklariert wurden, werden in der Sammlung des Naturhistorischen Museum in Wien aufbewahrt. Der Holotypus stammt aus den Cameron Highlands und die Paratypen aus den nicht einmal 30 km entfernten Tapah Hills. Männchen sind erstmalig 1994 von Paul D. Brock beschrieben worden.[8] Seit 2001 wird die Art der Untergattung Pulchriphyllium zugeordnet, wodurch ihr vollständiger Name Phyllium (Pulchriphyllium) giganteum war.[9][10] Frank H. Hennemann et al. haben 2009 vorgeschlagen die Gattung Phyllium unterhalb der damaligen Untergattungen in Artengruppen einzuteilen. Phyllium (Pulchriphyllium) giganteum wird hier in die bioculatum-Artengruppe eingeordnet, der neben Phyllium (Pulchriphyllium) bioculatum noch Phyllium (Pulchriphyllium) sinense und Phyllium (Pulchriphyllium) pulchrifolium zugeordnet werden.[11] Seit 2021 wird der Untergattung der Status einer Gattung zugestanden wird, wodurch der korrekte Name seitdem Pulchriphyllium giganteum ist.[3]

Haltung im Terrarium

Die Art wurde von mehreren Fundorten auf der Malaiischen Halbinsel importiert, so aus den Cameron Highlands oder 2014 aus Tapah Hills. Sie wird von der Phasmid Study Group unter der PSG-Nummer 72 geführt.[2][12]

Im Terrarium sollte die Temperatur mindestens bei 22 °C, tagsüber zwischen 25 und 33 °C und die Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 80 Prozent liegen.[1][5] Gefüttert werden vorzugsweise die Blätter von Guaven (Psidium).[5] Außerdem können im Sommer Eichen- und im Winter Brombeerblätter gefüttert werden, wobei ein vertrockneter Rand insbesondere für kleinere Nymphen abgeschnitten werden muss.[1] Die frisch geschlüpften Nymphen sind sehr empfindlich und sterben schnell, wenn die klimatischen Bedingungen nicht exakt eingehalten werden. Das direkte Besprühen ist zu vermeiden.[13]

Bilder

Commons: Großes Wandelndes Blatt – Album mit Bildern

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI