Großkrebse

Teilordnung der Krebse From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Großkrebse (Astacidea) sind eine Teilordnung der Höheren Krebse (Malacostraca). Wegen ihrer bekanntesten Mitglieder werden sie im Deutschen auch Flusskrebse und Hummerähnliche genannt.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Großkrebse

Hummer

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
Unterordnung: Pleocyemata
Teilordnung: Großkrebse
Wissenschaftlicher Name
Astacidea
Latreille, 1802
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Kaisergranat
(Nephrops norvegicus)

Der wissenschaftliche Name der Gruppe lädt zur Konfusion ein, da es zahlreiche ähnlich klingende Namen gibt. Es gibt eine Teilordnung (manchmal alternativ: Parvorder) Astacidea, mit einer Sektion Astacida Scholz & Richter, 1995, die wiederum eine Überfamilie Astacoidea Latreille, 1802, mit einer Familie Astacidae, enthält. Die unterschiedlichen Endungen zeigen die jeweilige Rangstufe im System an. Der Name von allen ist abgeleitet von der Gattung Astacus (mit dem Edelkrebs Astacus astacus), als deren Typusgattung.

Merkmale

Alle Großkrebse[1] haben einen relativ robusten Körperbau. Ihr Carapax ist in Aufsicht subzylindrisch bis subquadratisch, er ist an den Seiten herabgebogen und bedeckt den Kopf, die Oberseite und die Seiten der Rumpfsegmente. Die Grenze zwischen Kopf und Rumpf wird also vom Carapax verdeckt und ist nicht äußerlich sichtbar. Der Zwischenraum zwischen dem Rumpf und der Innenseite des Carapax bildet eine Kiemenkammer, die umgebildeten Seiten des Carapax darin werden als Branchiostegit bezeichnet. Das Vorderende des Carapax zwischen den beweglichen und gestielten Augen ist in eine Rostrum genannte Spitze ausgezogen. Die Oberseite des Carapax trägt normalerweise eine Skulptur aus verschiedenen Kanten, Gruben, Dornen und anderen Strukturen, die für die Bestimmung der Arten oft von hoher Bedeutung sind.

Am Kopf bestehen die ersten Antennen aus einem dreigliedrigen Stielabschnitt (Pedunculus) und zwei moderat langen Geißeln (Flagellen). Die zweiten Antennen besitzen einen Pedunculus aus fünf Abschnitten und eine einzelne Geißel, die meist sehr lang, oft länger als der Körper, ist.

Großkrebse besitzen wie alle Decapoda fünf Paare von freien Rumpfgliedmaßen (Peraeopoden). Davon sind vier Paare als Laufbeine (Schreitbeine) ausgebildet. Das vorderste Paar trägt sehr große und prominente Scheren (Chelae), die Beine werden daher Chelipeden genannt. Die anderen im Habitus hummerartigen Zehnfußkrebse (der Teilordnungen Polychelida, Achelata und Glypheidea mit den rezenten Glypheidae) besitzen dort viel kleinere Scheren, die rezenten Gruppen wurden früher zu den Langustenartigen oder Palinura zusammengefügt. Obwohl man heute weiß, dass die Langustenartigen kein valides Taxon sind, sind die großen Scheren der Großkrebse ein gutes Merkmal, um deren Vertreter davon zu unterscheiden und auf den ersten Blick erkennen zu können (was bei fossilen Vertretern aber nicht immer funktioniert).[2.1]

Der hintere Teil des Körpers, das Pleon, ist bei den Großkrebsen frei und von oben sichtbar, nicht unter den Rumpf geschlagen und so von oben nicht sichtbar wie bei Krabben (Brachyura) und ihrer Schwestergruppe, den Mittelkrebsen (Anomura). Das Pleon besteht aus sechs gliedmaßentragenden Segmenten und einem nicht-segmentalen Anhang, dem Telson. Im Regelfall bilden das blattförmig verbreiterte Telson und die ebenfalls verbreiterten, Uropoden genannten Pleopoden des letzten (sechsten) Segments zusammen einen Schwanzfächer, mit dem sich das Tier bei Gefahr durch einen kräftigen Schlag rückwärts in Sicherheit bringen kann. Die Segmente des Pleon, mit Ausnahme des letzten, sind in der Regel breiter als lang und oberseits durch ein kräftig sklerotisiertes, ungeteiltes Tergit bedeckt. Die Unterseite ist durch ein plattenartiges Sternit geschützt. An den Seiten bilden Seitenplatten (Pleurite) einen vorspringenden Saum, der die fragilen Pleopoden, die Extremitäten der Pleonsegmente, schützt. Die Pleopoden bestehen aus einen eingliedrigen Pedunculus und zwei blattförmig verbreiterten Anhängen (Endopode und Exopode), die beiden ersten sind aber in der Regel geschlechtsspezifisch umgestaltet. Bei den Weibchen werden daran die Eier befestigt, dazu werden spezielle lange Borsten (Setae) ausgebildet. Die ersten beiden Pleopoden der Männchen sind zu Begattungsorganen umgebildet.

Die angegebenen Merkmale können zur Charakterisierung und Erkennung der Astacidea verwendet werden. Es handelt sich dabei aber in vielen Fällen um Merkmale unklarer systematischer Bedeutung, teilweise eindeutig um Stammgruppenmerkmale: Symplesiomorphien. Deshalb hatten Gerhard Scholtz und Stefan Richter 1995 in einer einflussreichen Arbeit die Monophylie der Astacidea bestritten.[3] Als mögliche morphologische Autapomorphien werden angegeben: Der Chelopode (erste Peraeopode) des Rumpfabschnitts hat einen vertikal gestellten Scherenfinger (Dactylus), das zweite Glied (Ischium) dieser Extremität trägt einen Fortsatz, das Pleuron des zweiten Pleonsegments ist größer als das des dritten.[4]

Systematik

Eine Art der Gattung Uncina (Familie Uncinidae) als Fossil aus dem Unterjura, im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden

Die Schwestergruppe der Astacidea sind möglicherweise die Glypheidea.[4] Die Position ist aber unsicher und war und ist lange zwischen verschiedenen Bearbeitern umstritten. Insbesondere wurde sie in einer genetischen Arbeit von Marie-Catherine Boisselier-Dubayle und Kollegen nicht bestätigt.[5] Für das (hypothetische) gemeinsame Taxon wurde der Name Astacura vorgeschlagen.

Das folgende System beruht auf Karasawa, Schweizer und Feldmann 2013[4], Schram und Koenemann 2021[2], sowie Carrie E. Schweitzer und Kollegen 2025[6]. Taxa mit ausschließlich fossilen, ausgestorbenen Vertretern werden mit einem vorangestellten † gekennzeichnet. Eine Darstellung älterer Systematiken findet sich in diesen Werken.

Unterordnung Astacidea

  • Sektion Astacida
    • Überfamilie Flusskrebse (Astacoidea)
    • Überfamilie Parastacoidea
    • Überfamilie †Proastacoidea
      • Familie †Protastacidae Albrecht, 1983
  • Sektion Homarida
    • Überfamilie Enoplometopoidea
      • Familie Riffhummer (Enoplometopidae)
      • Familie †Uncinidae Beurlen, 1928
    • Überfamilie Nephropoidea
    • Überfamilie †Stenochiroidea
      • Familie †Stenochiridae Beurlen, 1928
Commons: Astacidea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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