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Hülya Eralp

feministische Aktivistin und Publizistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Hülya Eralp (geb. 15. Januar 1954 in Adana)[1] ist eine türkisch-deutsche feministische Aktivistin und Publizistin. Sie war in den 1990er Jahren an der internationalen Arbeit der FrauenAnstiftung beteiligt, gehörte zu den Mitgründerinnen der türkischen Stiftung für Frauenkultur und Kommunikation und war Herausgeberin der feministischen Zeitschrift Pazartesi.

Hülya Eralp (2026)

Leben und Werk

Aktivismus, Repression und Emigration

Hülya Eralp wurde 1954 als sechstes Kind einer armen Familie in der südtürkischen Großstadt Adana geboren. Sie studierte im Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Hacettepe-Universität in Ankara und absolvierte ein Zusatzstudium der Pädagogik. Außerdem engagierte sie sich in der Studierendenbewegung und war im İlerici Kadınlar Derneği (IKD, dt. „Fortschrittlicher Frauenverein“) aktiv. Nach ihrem Studium war sie drei Jahre als Fachschullehrerin für Krankenpflege tätig und als linke Aktivistin weiterhin staatlicher Repression ausgesetzt – so wurde Eralp regelmäßig von der Polizei verhört und saß mehrfach in Untersuchungshaft. Als sie 1979 in das Zentralkomitee einer sozialistischen Partei gewählt wurde, verlor sie ihre Beamtenstellung. Daraufhin arbeitete sie in einer Istanbuler Textilfabrik, um die dortigen Arbeiterinnen in der Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften der Türkei (DISK) zu organisieren und für ihre Partei zu werben. 1980 wurde sie bei einer Betriebsbesetzung gemeinsam mit 60 weiteren Textilarbeiterinnen verhaftet. Aufgrund ihrer Schwangerschaft kam Eralp nach sechs Wochen unter der Auflage aus der Haft frei, sich täglich auf einer Polizeiwache zu melden. Infolge des Militärputsches vom 12. September 1980 musste sie schließlich mit ihrem damaligen Ehemann im Untergrund leben und am 13. November die Türkei verlassen.[1] Sie flohen nach Deutschland, wo sie Asyl als politische Verfolgte beantragten. Eralps Tochter, die spätere Politikerin Elif Eralp (Die Linke),[2] kam 1981 in München zur Welt.[1]

Nach Anerkennung ihres Asyls arbeitete Eralp zunächst als Reinigungskraft und nahm in Dortmund ein Abendstudium der Sozialpädagogik auf. Während des Studiums arbeitete sie als Betreuerin migrantischer Familien, für das örtliche Jugendamt und in einem bilingualen Kindergarten.[3] Anfang der 1990er Jahre arbeitete Eralp bei der multikulturellen Frauenorganisation INCI e. V. in Hamburg und kam über diese Arbeit mit der FrauenAnstiftung in Kontakt.[4] Im Umfeld der FrauenAnstiftung war sie an transnationalen feministischen Austauschprozessen beteiligt. 1993 erschien sie als Beitragende der von der FrauenAnstiftung herausgegebenen Dokumentation Unsere Geschichte(n) mit Sozialismus und Feminismus beziehungsweise der englischsprachigen Ausgabe Our experience with socialism and feminism.[5]

Pazartesi und feministische Medienarbeit

Eralp war Mitgründerin der türkischen Stiftung für Frauenkultur und Kommunikation und Projektkoordinatorin der feministischen Zeitschrift Pazartesi. Die Zeitschrift erschien ab März 1995 in Istanbul unter dem Slogan „Kadınlara mahsus gazete“ – etwa „Zeitung für Frauen“ – und entwickelte sich zu einer wichtigen Publikation der feministischen Bewegung in der Türkei. Die deutsche Übersetzung des Titels lautet „Montag“; der Name bezog sich darauf, dass sich die Initiatorinnen montags zur Arbeit an der Zeitschrift trafen.[6]

Zur Redaktion der ersten Ausgabe gehörten unter anderem Asuman Bayrak, Ayşe Düzkan, Filiz Koçali, Hülya Eralp und Semra Emre. Nach Angaben von bianet war Eralp in der ersten Ausgabe als Herausgeberin genannt; verantwortliche Redakteurin war Filiz Koçali.[6] Die Anschubfinanzierung der Zeitschrift wurde durch Projektmittel der FrauenAnstiftung ermöglicht. Sie förderte Pazartesi von 1995 bis 1997.[4][7]

1996 organisierte Eralp die Europäische Konferenz der FrauenAnstiftung in Istanbul.[4] In der Literatur zur türkischen feministischen Bewegung wird sie außerdem im Zusammenhang mit der Zeitschrift Kaktüs genannt, für die sie ebenfalls schrieb.[8]

Arbeit in Bildung, Qualifizierung und Migration

In Hamburg arbeitete Eralp als Projektleiterin und Referentin bei der Koordinierungsstelle zur beruflichen Qualifizierung von jungen Migrantinnen und Migranten.[9] Das Projekt BQM – Beratung Qualifizierung Migration der Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e. V. hatte zum Ziel, zusätzliche Ausbildungsplätze für junge Menschen mit Migrationsgeschichte zu akquirieren und die interkulturelle Kompetenz von Ausbildungsakteuren in Unternehmen zu verbessern.[10]

Gemeinsam mit Alexei Medvedev und Sabine Kümmerle veröffentlichte sie 2007 das Handbuch für die interkulturelle Elternarbeit.[11] Mit Rita Panesar publizierte sie den Beitrag Weichen stellen zum Erfolg. Wege zur Chancengerechtigkeit am Übergang Schule – Beruf in einem Band zu Bildung, Pluralität und Demokratie in der Migrationsgesellschaft.[12]

Veröffentlichungen

  • Hülya Eralp: Beitrag in: Unsere Geschichte(n) mit Sozialismus und Feminismus. Dokumentation eines internationalen Seminars der FrauenAnstiftung Hamburg, Dezember 1993. FrauenAnstiftung, Hamburg 1994.
  • Hülya Eralp, Alexei Medvedev, Sabine Kümmerle: Handbuch für die interkulturelle Elternarbeit. KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung, Hamburg 2007, ISBN 978-3-9810871-3-0.
  • Hülya Eralp, Alexei Medvedev, Sabine Kümmerle: Handbuch für die interkulturelle Elternarbeit. 2. Auflage. KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung, Hamburg 2009, ISBN 978-3-9810871-5-4.
  • Hülya Eralp, Rita Panesar: Weichen stellen zum Erfolg. Wege zur Chancengerechtigkeit am Übergang Schule – Beruf. In: Mechtild Gomolla u. a. (Hrsg.): Bildung, Pluralität und Demokratie. Erfahrungen, Analysen und Interventionen in der Migrationsgesellschaft. Teil 2. Hamburg 2010, ISBN 978-3-86818-074-9.
  • Hülya Eralp, Rita Panesar: Barrieren abbauen! Bedarfsanalyse zur Teilhabe von Frauen mit Migrationshintergrund am Hamburger Arbeitsmarkt. KWB Management, Hamburg 2015, ISBN 978-3-944045-08-5.
Commons: Hülya Eralp – Sammlung von Bildern
  • Hülya Eralp auf der Website Ver/sammeln antirassistischer Kämpfe

Einzelnachweise

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