Hans-Niklaus Müller
Schweizer Klimaforscher und Umweltschützer
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Hans-Niklaus Müller (* 7. Februar 1948 in Luzern) ist ein Schweizer Klimaforscher und Umweltschützer. Er verband in seiner beruflichen Tätigkeit Forschung und Lehre mit konkreten Umweltschutzprojekten. Seine Arbeiten umfassen einerseits Forschungen zu Geomorphologie, Paläoklima- und Vegetationsgeschichte und andererseits stadtökologische Studien zur Schadstoff- und Lärmbelastung. Er baute das städtische Amt für Natur- und Umweltschutz in Luzern auf, gründete und leitete die Stiftung Umweltinformation Schweiz sowie ein Büro für Umweltplanung und Siedlungsökologie.

Leben
Hans-Niklaus Müller ist Sohn von Hans A. Müller, Sekundar- und Kantonsschullehrer und Beauftragter für das Bibliothekswesen im Kanton Luzern. Seine Mutter, Margrit Pfiffner, unterrichtete Klavier. Er wuchs in Kriens auf.
Seine Studien absolvierte er an den Universitäten Zürich und Innsbruck. 1980 promovierte er an der Universität Innsbruck bei Walter Tranquillini in Angewandter Pflanzensoziologie über «Beziehungen zwischen Jahrringwachstum und Klimafaktoren an verschiedenen Standorten im Gebiet des Simplonpasses (Wallis, Schweiz)». 1984 dissertierte er in Geografie an der Universität Zürich bei Gerhard Furrer mit einer Arbeit über «Spätglaziale Gletscherschwankungen in den westlichen Schweizer Alpen und im nordisländischen Tröllaskagi-Gebirge».
Von 1986 bis 1998 leitete er die Dienststelle für Natur- und Umweltschutz der Stadt Luzern. Rasch suchte er nach Synergien zwischen Wissenschaft und Praxis. Er setzte sich für die Stadtbegrünung und für Massnahmen zur Verkehrsberuhigung ein. Deren Notwendigkeit belegte er mit detaillierten Schadstoff- und Lärm-Messungen.[1]
1987 schuf er die Umweltberatungsstelle öko-forum Luzern. Sie verfügt über eine umfangreiche Umweltbibliothek.
1995 gründete Hans-Niklaus Müller die Stiftung Umweltinformation Schweiz. Ziel der Stiftung war es, Aktivitäten auf dem Gebiet des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit zu fördern und durchzuführen. Müller amtierte als Präsident und Geschäftsleiter der Stiftung.[2] Zur Stiftung Umweltinformation Schweiz gehörte die Online-Plattform Umweltnetz Schweiz. Von 2006 bis 2024 wurde täglich ein Beitrag zu einem Umweltthema publiziert.[3] In dieser Zeit erschien zudem wöchentlich ein Newsletter mit einer Buchbesprechung und den Artikeln der Vorwoche. 2022 zählte der Newsletter rund 4'000 Abonnenten.[4] Umweltnetz Schweiz bot auf seiner Plattform ausserdem auch Dossiers zu unterschiedlichen Nachhaltigkeits- und Umweltthemen an.[4] Die Stiftung Umweltinformation Schweiz unterhielt ferner eine fachspezifische Bibliothek, die von einem Förderverein unterstützt wurde. Die Stiftung veröffentlichte ein Info-Bulletin mit Besprechungen umweltrelevanter Bücher. Es erschien von 1993 bis 2023.[5]
Zur Stiftung Umweltinformation Schweiz gehörte auch die Stiftung biblio-suisse. Sie unterhielt ein umfassendes Antiquariat umwelt- und naturkundlicher Werke. Sie nahm ausgeschiedene Bücher von Bibliotheken, Organisationen und Privaten entgegen. An der Gründung von biblio-suisse war 1988 Hans A. Müller, der Vater von Hans-Niklaus Müller, beteiligt. Der ursprüngliche Zweck war es, die Bereitstellung von Büchern und Medien in den schweizerischen Berggebieten zu fördern. 2018 ermöglichte die Stiftung biblio-suisse dem neuen Verband, der aus dem Zusammenschluss von BIS (Bibliothek Information Schweiz) und SAB (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken) hervorgegangen war, den Namen Bibliosuisse (mit anderer Schreibweise und eigenem Logo) zu führen.[6]
Von 1999 bis 2024 leitete Müller ein eigenes Büro in Luzern für Umweltplanung und Siedlungsökologie.
Er beriet unter anderem das Bürgenstock Resort zu einer nachhaltigeren Ausrichtung seiner Infrastruktur und Dienstleistungen. Als Vordenker entwickelte er ein gesamtheitliches Nachhaltigkeitskonzept für die Region Glarus Süd im Kanton Glarus.
2005 habilitierte er sich an der Universität Karlsruhe mit einer Forschungsarbeit über die Gletscher-, Vegetations- und Klimaentwicklung des Simplongebiets im Wallis seit der Eiszeit. Bis 2012 lehrte er als Privatdozent am Karlsruher Institut für Technologie der Universität Karlsruhe. Er war auch als Lehrbeauftragter an der damaligen Fachhochschule für Technik in Zürich (HSZ-T) und an der Fachhochschule Luzern (HTA) tätig.
2010 bis 2021 wirkte Müller als Geschäftsleiter des Landschaftsschutzverbands Vierwaldstättersee (LSVV). Der Verband setzt sich seit seiner Gründung 1984 für den Schutz der Landschaft rund um den Vierwaldstättersee ein. Der LSVV ist aktiv in fünf Kantonen und 32 Gemeinden. Er prüft insbesondere Baugesuche auf ihre Gesetzeskonformität.[7]
2013 lancierte Müller als Präsident eines Initiativkomitees das Projekt «Metro». Es sah eine unterirdische Verbindung zwischen dem Gebiet Reussegg/Ibach nördlich der Stadt Luzern und dem Schwanenplatz im Zentrum vor. Am 9. Februar 2020 lehnte die Luzerner Bevölkerung das Projekt an der Urne ab.[8]
In der Schweizer Armee hatte Hans-Niklaus Müller den Rang eines Majors der Infanterie inne.
Publikationen
- Fossile Böden (fAh) in Moränen (Gäli Egga, Rossbodengebiet Simplon VS). Geografisches Institut der Universität Zürich, publ. in: Bulletin de la Murithienne, 92, Sion 1975.
- Hans-Niklaus Müller, Hanns Kerschner, Meinrad Küttel: Gletscher- und vegetationsgeschichtliche Untersuchungen im Val de Nendaz (Wallis) – Ein Beitrag zur alpinen Spätglazialchronologie. In: Zeitschrift für Gletscherkunde und Glazialgeologie. Bd. 16. Heft 1, 1980, S. 61–84.
- Jahrringwachstum und Klimafaktoren. In: Angewandte Pflanzensoziologie – Veröffentlichungen der Forstlichen Bundesversuchsanstalt Wien. Heft 25, 1980 (Diss. Universität Innsbruck).
- Zum alpinen Spätglazial: Das Zwischenbergen-Stadium. In: Zeitschrift für Gletscherkunde und Glazialgeologie. Bd. 17. Heft 2, 1981, S. 135–142.
- Die spätglazialen Stadien von Gondo und Zwischenbergen (Simplon, VS). In: Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft Zürich. 127/3, 1982.
- Hanns Kerschner, Günther Gross, Hans-Niklaus Müller (Hrsg.): Arbeiten zur Quartär- und Klimaforschung. Festschrift für Franz Fliri. Institut für Geografie, Innsbruck 1983.
- Spätglaziale Gletscherschwankungen in den westlichen Schweizer Alpen und im nordisländischen Tröllaskagi-Gebirge (Diss. Universität Zürich). Näfels 1984.
- Hans-Niklaus Müller, Johann Stötter, Alfred Schubert, Angelika Betzler: Glazial- und Periglazialuntersuchungen im Skidadalur, Tröllaskagi (N-Island). In: Polarforschung. 54 (2), 1984, S. 95–109.
- Österreichische Beiträge zur Erforschung der Gletscher Islands. In: Helmut Neumann (Hrsg.): Österreichs Beitrag zur Islandforschung. Wien 1987.
- Hans-Niklaus Müller (Hrsg.): Lebensraum Stadt – Erstes Luzerner Umweltsymposium 1987. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 1. 154 Seiten, Luzern 1989.
- Luftschadstoffbelastung in der Stadt Luzern. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Luzern. Bd. 31. 1990, S. 233–234.
- Luftschadstoffsituation in Luzern – Erste Ergebnisse flächenbezogener Messungen. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 3. Luzern 1990, S. 169–182.
- Hans-Niklaus Müller, Manfred Meurer (Hrsg.): Stadtökologie Luzern. 2. Luzerner Umweltsymposium zur aktuellen Umweltbelastung 1989. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 3. Luzern 1990.
- Hans-Niklaus Müller (Hrsg.): Energie in der Stadt – unter den Aspekten möglicher Klimaveränderung und zukünftiger Energieversorgung. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 4. Luzern 1991.
- Hans-Niklaus Müller, Franz Xaver Schwytzer (Hrsg.): Verkehrskranke Stadt und ihre Zukunft. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 5. Luzern 1992.
- Bedeutung der Verkehrsberuhigung für die Stadt als Lebensraum. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 5. Luzern 1992, S. 71–88.
- Hans-Niklaus Müller (Hrsg.): Öffentlicher Verkehr in Siedlungsräumen. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 6. Luzern 1993.
- Hans-Niklaus Müller (Hrsg.): Umweltplakate in der kommunalen Öffentlichkeit. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 7. Luzern 1993.
- Hans-Niklaus Müller, Manfred Meurer: Blei als Indikator verkehrsbedingter Belastungen im Stadtökosystem. In: Petermanns Geographische Mitteilungen. 137/1, Gotha 1993, S. 13–31.
- Hans-Niklaus Müller (Hrsg.): Mobilität und Verkehr – 4. Luzerner Umweltsymposium. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 8. Luzern 1995.
- Von der verkehrsorientierten zur menschengerechten Stadtplanung. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 8. Luzern 1995, S. 475–492.
- Hans-Niklaus Müller, Manfred Meurer: Verkehrsbedingte Luftbelastung in Luzern im Vergleich zu Umlandstationen. In: Luzerner Stadtökologische Studien. Bd. 8. Luzern 1995, S. 119–137.
- Hans-Niklaus Müller, Manfred Meurer: Wiesenbewässerung in der Gemeinde Simplon/Wallis – Ein traditionelles Nutzungssystem im Wandel. In: Geoökodynamik. Bd. XIX. Bensheim 1998, S. 43–70.
- Landschaftsgeschichte Simplon (Walliser Alpen Schweiz), Gletscher-, Vegetations- und Klimaentwicklung seit der Eiszeit. In: Karlsruher Schriften zur Geographie und Geoökologie. Bd. 17. Karlsruhe 2005.
- 20'000 Jahre Klimageschichte Simplon. In: Blätter aus der Walliser Geschichte. Bd. 41. 2009, S. 13–46.
- General Niklaus Franz von Bachmann: Wiederentdecker des Schweizer Kreuzes oder Begründer unserer Nationalflagge. Hrsg.: General Bachmann Gesellschaft, Näfels 2023.
Literatur
- Vera Bueller: Zuviel Umweltschutz ist ungesund. In: Die Weltwoche. 11. Juni 1998.
- Louis Leinweber: Nachhaltigkeit ganz praktisch. In: «Die Stiftung». 31. Mai 2022.
- PD Dr. Dr. Hans-Niklaus Müller, Luzern. In: ROi-online.ch, 1. September 2014 (Kurzporträt).
Weblinks
- Porträt Umweltschutz-Beauftragter Hans-Niklaus Müller. In: SRF Schweiz aktuell. 30. April 1993, 6 min, in Dialekt gesprochen