Hans Holbein der Ältere

deutscher Maler (ca. 1465–1524) From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans Holbein der Ältere (* um 1465 in Augsburg; † um 1524 in Basel oder Isenheim) war ein vor allem in Augsburg tätiger Maler des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Er war der Senior einer berühmten Malerfamilie, zu der auch sein Bruder Sigmund sowie seine Söhne Ambrosius und Hans Holbein der Jüngere gehörten.

Hans Holbein d. Ä., Selbstbildnis, um 1516, Kreide, Rötel und Silberstift auf Papier, 13 × 10 cm, Musée Condé, Chantilly (ehemals in Joachim von Sandrarts Besitz)

Leben

Hans Holbein d. Ä., Hans und Ambrosius Holbein, seine beiden Söhne, 1511,
Kupferstichkabinett Berlin

Hans Holbeins Geburtsdatum wird um 1460/70 vermutet. Er war Sohn des seit 1464 in Augsburg nachgewiesenen Gerbers Michael Holbein und der Anna Mair.[1] Über seine Jugend und seine Ausbildung ist sonst nahezu nichts bekannt. Er erlernte das Malerhandwerk in Augsburg und am Oberrhein, wanderte nach Köln, möglicherweise auch in die Niederlande. Um 1493 ließ er sich in Augsburg nieder; dort behielt er seinen Hauptwohnsitz bis 1514/17 (Urkunden von 1493 bzw. 1499 erwähnen ihn allerdings als Ulmer Bürger). Aufträge führten ihn nach Ulm, Frankfurt am Main und in das Elsass. 1517 verließ er Augsburg wegen seiner zerrütteten Vermögensverhältnisse (sein Bruder Sigmund ließ ihn mehrfach pfänden) und ließ sich in Isenheim im Elsass nieder. 1524 ist er vermutlich dort gestorben.

Von Kaiser Maximilian soll er einen Freiheitsbrief erhalten haben, was die Tatsache erklären könnte, dass seit 1514 keine Steuerzahlungen von ihm erfolgten.[2] Vermutlich stammt aus dieser Zeit das Wappen mit Ochsenkopf der Familie Holbein.

Werk

Hans Holbein d. Ä., Basilika Santa Maria Maggiore (aus dem Basilikazyklus für St. Katharina, Augsburg), 1499, Öl auf Tannenholz, Staatsgalerie, Augsburg
Hans Holbein d. Ä., Hochaltar des Klosters Kaisheim, 1502–1504
Hans Holbein d. Ä., Basilika San Paolo fuori le mura (aus dem Basilikazyklus für St. Katharina, Augsburg), 1504, Öl auf Tannenholz, Staatsgalerie, Augsburg

Hans Holbeins Ausbildung am Oberrhein lässt Arbeiten Martin Schongauers (vielleicht nur über dessen Stiche) als Vorbild erkennen. Aus der Kenntnis der Werke von Rogier van der Weyden schloss die Forschung auf einen Aufenthalt in den Niederlanden. Ob Holbein die Kunst Matthias Grünewalds bereits um 1500 in Frankfurt am Main kennengelernt hat oder erst später im Elsass, ist ungeklärt. Holbeins Werk umfasst Altar- und Andachtsbilder, Porträtdarstellungen und Glasgemälde. Die erhaltenen Skizzenbücher weisen ihn als hervorragenden Zeichner aus.

Aus seiner ersten Schaffensperiode von etwa 1490 bis 1497 stammen der für das Kloster Weingarten geschaffene Altar (1493, jetzt im Augsburger Dom), der St. Afra-Altar und die sogenannte Graue Passion (1494–1500). In Ulm arbeitete er 1493 mit dem Bildhauer Michael Erhart zusammen, sodass es zu einem künstlerischen Austausch mit der Ulmer Schule kam.

Am Beginn einer zweiten Phase seines Wirkens (bis etwa 1509) steht das Gemälde mit der Basilika Santa Maria Maggiore (1499), erstes Bild des Basilikazyklus für das Kloster St. Katharina der Augsburger Dominikanerinnen. Es folgten der Frankfurter Dominikaneraltar (um 1500 – gemeinsam mit seinem Bruder Sigmund und mit Leonhard Beck), die Flügel für den Altar im Kloster Kaisheim und die Darstellung der Basilika San Paolo fuori le mura (1504), Holbeins zweites Bild für den Augsburger Basilikazyklus. Diese Periode ist gekennzeichnet durch dramatische, mit klarer, leuchtender Farbwirkung verbundene Lebendigkeit und Prägnanz des Ausdrucks. Dies wird besonders in dem Porträt des Ulrich Schwarz und seiner Familie (um 1503) deutlich.

In den letzten Abschnitt seines Schaffens gehören die Altarflügel aus Sainte-Odile in Hohenburg im Elsass. Sie zeigen eine stärkere Orientierung an italienischen Vorbildern: Die Weite der Landschaft erinnert an die lombardische Kunst um 1500; vermehrt tauchen nun Ranken und Putten in seinen Bildern auf. Weiterhin sind hierzu der Sebastiansaltar von 1516 (der lange Zeit in wichtigen Teilen dem Sohn Hans Holbein d. J. zugeschrieben wurde) und der Lebensbrunnen (1519, in Lissabon) zu nennen. Dies ist das letzte bekannte Bild Holbeins.

Werke (Auswahl)

Hans Holbein d. Ä., Maria mit dem Kind und einem Stifter, um 1493/94, Öl/Tempera auf Eichenholz, Staatsgalerie, Stuttgart

Ein Tafelbild mit der Heiligen Katharina galt seit einem Diebstahl aus dem Museum von Schloss Friedenstein beim Kunstdiebstahl von Gotha im Jahr 1979 lange Zeit als verschollen. Am 6. Dezember 2019 wurde vermeldet, dass das Gemälde möglicherweise wieder aufgetaucht sei und sich seit September 2019 in der Obhut der Staatlichen Museen zu Berlin befinde, wo es durch das Rathgen-Forschungslabor einer Echtheitsprüfung unterzogen werde.[3][4] Seit 24. Oktober 2021 wird es gemeinsam mit den anderen gestohlenen Bildern in einer Sonderausstellung im Schloss Friedenstein gezeigt.[5]

Rezeption

Briefmarke der Deutschen Bundespost, 1974
Büste Hans Holbeins des Älteren, Ruhmeshalle in München

Nach Auffassung der älteren kunsthistorischen Forschung habe Holbein die Neuerungen der "Renaissance" weniger vorangetrieben als der nur wenig jüngere Albrecht Dürer, eher habe er sie beobachtend begleitet. So schreibt Curt Glaser in seinem Buch zur "altdeutschen" Malerei 1924: "Er sah wie Moses das gelobte Land. Aber es war ihm nicht beschieden, es zu finden. Den Forderungen einer neuen Epoche war er nicht gewachsen. Er gehörte nicht zu den starken Naturen, die selbst den entscheidenden Umschwung vollziehen, und er war zu früh geboren, um als natürliche Gabe zu empfangen, was ihm das Ziel fruchtlosen Mühens wurde."[6]

Eine Büste, die Holbein zeigt, steht in der 1843–1853 errichteten Ruhmeshalle in München.

1974 wurde zum Gedenken an den 450. Todestag eine Briefmarke durch die Deutsche Bundespost ausgegeben. Sie zeigt eine Zeichnung mit einem Selbstbildnis des Künstlers, die heute im Musée Conde in Chantilly aufbewahrt wird.

Nach Holbein und seinem Sohn sind Straßen und Plätze in mehreren Städten benannt, darunter der Holbeinplatz in Basel, die Holbeinstraße am Frankfurter Städel und der Holbeinsteg, eine Mainbrücke. Er ist außerdem Namensgeber mehrerer Schulen, darunter des Holbein-Gymnasiums in Augsburg.

Literatur

Commons: Paintings by Hans Holbein (I) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Hans Holbein der Ältere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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