Hans Holbein der Ältere
deutscher Maler (ca. 1465–1524)
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Hans Holbein der Ältere (* um 1465 in Augsburg; † um 1524 in Basel oder Isenheim) war ein vor allem in Augsburg tätiger Maler des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Er war der Senior einer berühmten Malerfamilie, zu der auch sein Bruder Sigmund sowie seine Söhne Ambrosius und Hans Holbein der Jüngere gehörten.

Leben

Kupferstichkabinett Berlin
Hans Holbeins Geburtsdatum wird um 1460/70 vermutet. Er war Sohn des seit 1464 in Augsburg nachgewiesenen Gerbers Michael Holbein und der Anna Mair.[1] Über seine Jugend und seine Ausbildung ist sonst nahezu nichts bekannt. Er erlernte das Malerhandwerk in Augsburg und am Oberrhein, wanderte nach Köln, möglicherweise auch in die Niederlande. Um 1493 ließ er sich in Augsburg nieder; dort behielt er seinen Hauptwohnsitz bis 1514/17 (Urkunden von 1493 bzw. 1499 erwähnen ihn allerdings als Ulmer Bürger). Aufträge führten ihn nach Ulm, Frankfurt am Main und in das Elsass. 1517 verließ er Augsburg wegen seiner zerrütteten Vermögensverhältnisse (sein Bruder Sigmund ließ ihn mehrfach pfänden) und ließ sich in Isenheim im Elsass nieder. 1524 ist er vermutlich dort gestorben.
Von Kaiser Maximilian soll er einen Freiheitsbrief erhalten haben, was die Tatsache erklären könnte, dass seit 1514 keine Steuerzahlungen von ihm erfolgten.[2] Vermutlich stammt aus dieser Zeit das Wappen mit Ochsenkopf der Familie Holbein.
Werk



Hans Holbeins Ausbildung am Oberrhein lässt Arbeiten Martin Schongauers (vielleicht nur über dessen Stiche) als Vorbild erkennen. Aus der Kenntnis der Werke von Rogier van der Weyden schloss die Forschung auf einen Aufenthalt in den Niederlanden. Ob Holbein die Kunst Matthias Grünewalds bereits um 1500 in Frankfurt am Main kennengelernt hat oder erst später im Elsass, ist ungeklärt. Holbeins Werk umfasst Altar- und Andachtsbilder, Porträtdarstellungen und Glasgemälde. Die erhaltenen Skizzenbücher weisen ihn als hervorragenden Zeichner aus.
Aus seiner ersten Schaffensperiode von etwa 1490 bis 1497 stammen der für das Kloster Weingarten geschaffene Altar (1493, jetzt im Augsburger Dom), der St. Afra-Altar und die sogenannte Graue Passion (1494–1500). In Ulm arbeitete er 1493 mit dem Bildhauer Michael Erhart zusammen, sodass es zu einem künstlerischen Austausch mit der Ulmer Schule kam.
Am Beginn einer zweiten Phase seines Wirkens (bis etwa 1509) steht das Gemälde mit der Basilika Santa Maria Maggiore (1499), erstes Bild des Basilikazyklus für das Kloster St. Katharina der Augsburger Dominikanerinnen. Es folgten der Frankfurter Dominikaneraltar (um 1500 – gemeinsam mit seinem Bruder Sigmund und mit Leonhard Beck), die Flügel für den Altar im Kloster Kaisheim und die Darstellung der Basilika San Paolo fuori le mura (1504), Holbeins zweites Bild für den Augsburger Basilikazyklus. Diese Periode ist gekennzeichnet durch dramatische, mit klarer, leuchtender Farbwirkung verbundene Lebendigkeit und Prägnanz des Ausdrucks. Dies wird besonders in dem Porträt des Ulrich Schwarz und seiner Familie (um 1503) deutlich.
In den letzten Abschnitt seines Schaffens gehören die Altarflügel aus Sainte-Odile in Hohenburg im Elsass. Sie zeigen eine stärkere Orientierung an italienischen Vorbildern: Die Weite der Landschaft erinnert an die lombardische Kunst um 1500; vermehrt tauchen nun Ranken und Putten in seinen Bildern auf. Weiterhin sind hierzu der Sebastiansaltar von 1516 (der lange Zeit in wichtigen Teilen dem Sohn Hans Holbein d. J. zugeschrieben wurde) und der Lebensbrunnen (1519, in Lissabon) zu nennen. Dies ist das letzte bekannte Bild Holbeins.
Werke (Auswahl)

- Lindauer Passion (umstritten), Lindau (Bodensee), Peterskirche (1480)
- Weingartener Altar, Augsburg, Hohe Domkirche Mariä Heimsuchung (1493)
- Graue Passion, Staatsgalerie Stuttgart (zwischen 1494 und 1500)
- Maria mit dem Kind und einem Augustiner-Chorherren als Stifter, Staatsgalerie Stuttgart (um 1493/94)
- Maria als Schmerzensmutter, Berlin, Gemäldegalerie (1495)
- Basilika Santa Maria Maggiore, Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister (1499)
- Epitaph der Schwestern Vetter, Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister (1499)
- Altar der Dominikanerkirche in Frankfurt am Main (1500–1501)
- Darstellung Christi im Tempel, Hamburg, Kunsthalle
- Epitaph der Schwestern Walter, Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister (1502)
- Entwürfe zu Kirchenfenstern: Dom zu Eichstätt (1502), siehe Schutzmantelmadonna (Mortuarium Eichstätt); St. Ulrich in Augsburg und St. Jakob in Straubing
- Hochaltar des Zisterzienserklosters von Kaisheim (1502–1504)
- Basilika San Paolo fuori le mura, Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister (1504)
- Sebastiansaltar, München, Alte Pinakothek (1516)
- Christus und Maria auf Golgatha, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover (um 1504/1505)
- Maria mit dem schlafenden Christuskind, Berlin, Gemäldegalerie (um 1520)
Ein Tafelbild mit der Heiligen Katharina galt seit einem Diebstahl aus dem Museum von Schloss Friedenstein beim Kunstdiebstahl von Gotha im Jahr 1979 lange Zeit als verschollen. Am 6. Dezember 2019 wurde vermeldet, dass das Gemälde möglicherweise wieder aufgetaucht sei und sich seit September 2019 in der Obhut der Staatlichen Museen zu Berlin befinde, wo es durch das Rathgen-Forschungslabor einer Echtheitsprüfung unterzogen werde.[3][4] Seit 24. Oktober 2021 wird es gemeinsam mit den anderen gestohlenen Bildern in einer Sonderausstellung im Schloss Friedenstein gezeigt.[5]
Rezeption


Nach Auffassung der älteren kunsthistorischen Forschung habe Holbein die Neuerungen der "Renaissance" weniger vorangetrieben als der nur wenig jüngere Albrecht Dürer, eher habe er sie beobachtend begleitet. So schreibt Curt Glaser in seinem Buch zur "altdeutschen" Malerei 1924: "Er sah wie Moses das gelobte Land. Aber es war ihm nicht beschieden, es zu finden. Den Forderungen einer neuen Epoche war er nicht gewachsen. Er gehörte nicht zu den starken Naturen, die selbst den entscheidenden Umschwung vollziehen, und er war zu früh geboren, um als natürliche Gabe zu empfangen, was ihm das Ziel fruchtlosen Mühens wurde."[6]
Eine Büste, die Holbein zeigt, steht in der 1843–1853 errichteten Ruhmeshalle in München.
1974 wurde zum Gedenken an den 450. Todestag eine Briefmarke durch die Deutsche Bundespost ausgegeben. Sie zeigt eine Zeichnung mit einem Selbstbildnis des Künstlers, die heute im Musée Conde in Chantilly aufbewahrt wird.
Nach Holbein und seinem Sohn sind Straßen und Plätze in mehreren Städten benannt, darunter der Holbeinplatz in Basel, die Holbeinstraße am Frankfurter Städel und der Holbeinsteg, eine Mainbrücke. Er ist außerdem Namensgeber mehrerer Schulen, darunter des Holbein-Gymnasiums in Augsburg.
Literatur
- Bruno Bushart: Hans Holbein der Ältere. 2. Auflage. Bonn 1965, Hofmann Verlag, Augsburg 1987, ISBN 3-922865-22-4.
- Eduard His: Holbein, Hans der Ältere. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 713–715.
- Katharina Krause: Hans Holbein der Ältere (= Kunstwissenschaftliche Studien. Band 101). Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2002, ISBN 978-3-422-06383-9.
- Norbert Lieb, Alfred Stange: Hans Holbein der Ältere. Deutscher Kunstverlag, München 1960.
- Hans Reinhardt: Holbein, Hans der Ältere. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 9. Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 513–515 (deutsche-biographie.de).
- Christof Trepesch: Augsburger Altmeister. In: Arsprototo, Ausgabe 4/2011.
- Christof Trepesch, Andreas Tacke (Hrsg.): Der ältere Holbein. Augsburg an der Schwelle zur europäischen Kunstmetropole. Imhof, Petersberg 2024.
- Elsbeth Wiemann (Hrsg.): Hans Holbein d. Ä.: die Graue Passion in ihrer Zeit. Hatje Cantz, Ostfildern 2010.
Weblinks
- Literatur von und über Hans Holbein der Ältere im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von Hans Holbein der Ältere bei Zeno.org
- Holbein, Hans der Ältere. Hessische Biografie. (Stand: 11. Mai 2023). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).