Harry Vogt
deutscher Musikredakteur
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Harry Vogt (* 1956 in Torrington, Connecticut, USA) ist ein deutscher Musikredakteur, Festival-Kurator, Produzent und Autor.
Leben und Wirken
Sein Studium (Schulmusik, Anglistik, Geschichte, Musik- und Medienwissenschaften) absolvierte Vogt an der Universität Göttingen und an der Gesamthochschule Kassel (1982 Staatsexamen). Daneben war er Bühnenmusiker am Staatstheater Kassel (Schauspiel und Oper, Zusammenarbeit u. a. mit George Tabori), 1983 Assistent in der Operndramaturgie, 1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Johann Sebastian Bach-Institut in Göttingen. 1985 wurde er Redakteur für zeitgenössische Musik beim Westdeutschen Rundfunk in Köln, wo er Sendungen, Studioproduktionen und Konzerte konzipierte, Kompositionsaufträge vergab und bis zur Aufführung/Produktion betreute. Von 1990 bis 2022 war er künstlerischer Leiter der Wittener Tage für neue Kammermusik. In dieser Zeit wurde das Programm dieses Festivals um Klangkunst, Performances, Musiktheater, Open-Air-Veranstaltungen, Schul- und Newcomerprojekte erweitert.
Als künstlerischer Leiter der Konzertreihe Musik der Zeit hat er von 1998 bis 2022, in Zusammenarbeit mit dem WDR Sinfonieorchester, neben monografischen Porträts (u. a. von Péter Eötvös, Salvatore Sciarrino, Helmut Lachenmann, Gérard Grisey) auch festivalartige Schwerpunkte zu verschiedenen Themen sowie Workshops initiiert, um junge Komponierende an das Orchester heranzuführen. Für das Radioprogramm WDR 3 hat er neben der wöchentlich ausgestrahlten Sendung Studio Neue Musik mehrere Schwerpunkte und Reihen mitkonzipiert zu Themen wie „Musik im Exil“ (1989), Anton Webern (1995), „FilmTONSpuren“ (1995), Anton Bruckner (1996), Bernd Alois Zimmermann (2008 und 2018), Karlheinz Stockhausen (2008) und „Musik im Raum“ (2009). Außerdem hat er neue Sendeformate mitentwickelt, darunter Atlas der Moderne (Kurzporträts zeitgenössischer Werke, mehr als 280 Folgen, 1998–2006), Meilensteine der Moderne (seit 2012), My Favorite Choice (seit 2012).
Harry Vogt zeichnet für zahlreiche Produktionen verantwortlich, darunter viele Ersteinspielungen, vor allem im Bereich Kammer- und Orchestermusik: Jean Barraqué Œuvre complète, sämtliche Streichquartette von Giacinto Scelsi, Jonathan Harvey, Iannis Xenakis, Helmut Lachenmann, Pascal Dusapin, Brian Ferneyhough, Hans Abrahamsen, Enno Poppe, Beat Furrer oder György Kurtág, Klaviermusik von Ernst Krenek, Harrison Birtwistle, Galina Ustwolskaja oder Rebecca Saunders. Besondere Schwerpunkte bildete die Musik von Bernd Alois Zimmermann, Gérard Grisey, Morton Feldman, Christophe Bertrand und Hugues Dufourt sowie der Exilkomponisten Artur Schnabel, Eduard Steuermann und Stefan Wolpe. Viele der Aufnahmen sind auf CD erschienen u. a. bei Accord, Aeon, Deutsche Grammophon, ECM, harmonia mundi, hat ART, Kairos, Mode Records, Disque Montaigne/Naive, RCA, Sony, Wergo, Winter & Winter und bastille musique. Einige der CDs wurden ausgezeichnet, u. a. mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik, Echo-Preis, Diapason d’Or und Grand Prix du Disque.
Zu Vogts Aktivitäten gehört auch die regelmäßige Mitarbeit in Jurys, Gremien und Kuratorien, u. a. des SWR-Experimentalstudios, IRCAM Paris, für die CD-Reihen Edition zeitgenössische Musik und Musik in Deutschland 1950–2000 des Deutschen Musikrats, Musikpreis der Stadt Salzburg, Kompositionspreis Acht Brücken – Musik für Köln, Giga-Hertz-Preis für elektronische Musik, Deutscher Klangkunstpreis, Hans-Werner-Henze-Preis.
Vogt ist Autor von Essays, Radiosendungen und Rezensionen, Mitherausgeber verschiedener Bücher. Er ist tätig als Berater und Coach, hält Seminare, Workshops und Vorträge u. a. an Universitäten, Konservatorien und Musikhochschulen in Köln, Dortmund, Witten/Herdecke, Basel, Bern und Peking.
Auszeichnungen
- 2018: Preis der Prinz-Pierre-Stiftung von Monaco für die Vermittlung zeitgenössischer Musik (Tremplin musical)
- 2024: Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik für Radio Cologne Sound
Literatur
- George Antheil: Bad Boy of Music. Autobiographie. Herausgegeben und kommentiert von Rainer Peters und Harry Vogt. Mit Begleit-CD. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2000, ISBN 3-434-52999-3.
- Musik der Zeit 1951–2001. 50 Jahre Neue Musik im WDR. Essays – Erinnerungen – Dokumentation. Herausgegeben von Frank Hilberg und Harry Vogt. Wolke Verlag, Hofheim 2002, ISBN 978-3-923997-98-5. Enthält 2 CDs mit Erstveröffentlichungen von Auftragswerken und Uraufführungen.
- Kammerton der Gegenwart: Wiener Tage für neue Kammermusik. Herausgegeben von Harry Vogt und Frank Hilberg. Hofheim 2009, Wolke Verlag. ISBN 978-3-936000-56-6. Enthält 2 CDs mit Raritäten.
- Kammermusik der Gegenwart, Essays, herausgegeben von Frank Hilberg und Harry Vogt, Wolke Verlag, Hofheim 2018.
- Querschnitt. 111 Werke aus 50 Jahren Wittener Tage für neue Kammermusik, herausgegeben von Harry Vogt und Rainer Peters, Wolke Verlag, Hofheim 2019.
- Musik der Zeit 2 - 1998–2021. Essays – Erinnerungen – Dokumentation, herausgegeben von Martina Seeber und Harry Vogt, Wolke Verlag, Hofheim 2021, ISBN 978-3-95593-126-1.
- Radio Cologne Sound. Das Studio für elektronische Musik des WDR, herausgegeben von Harry Vogt/Martina Seeber, Wolke Verlag, Hofheim 2024, ISBN 978-3-95593-259-6. Enthält 5 CDs mit Erstveröffentlichungen.
- Schalten Sie ab! Neue Musik im Radio. Herausgegeben von Harry Vogt und Martina Seeber, Wolke Verlag, Hofheim 2025, ISBN 978-3-95593-166-7.
- Trial & Error als Triebfedern. Gespräch mit Till Knipper, NZfM 2018, S. 24–27
- Der Schatzsucher. Gespräch mit Sebastian Solte, in VAN Magazin, September 2021
- Augenblicke, in denen man neueste Musik einatmen kann. Der Radiomensch Harry Vogt über seine Arbeit als produzierender WDR-Redakteur. Gespräch mit Andreas Kolb, in: neue musikzeitung 12/2021, S. 25
Weblinks
- Literatur von und über Harry Vogt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek