Heinrich-Thöne-Volkshochschule

Gebäude der Volkshochschule Mülheim an der Ruhr in der Bergstraße Nr. 1–3 im Stadtteil Broich in der Großstadt Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Heinrich-Thöne-Volkshochschule, benannt nach dem Oberbürgermeister Heinrich Thöne (1890–1971), ist ein Gebäude der Volkshochschule Mülheim an der Ruhr in der Bergstraße Nr. 1–3 im Stadtteil Broich in der Großstadt Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen. Das Gebäude wurde von 1979 bis 2017 als Volkshochschule genutzt und wurde im Jahr 2017 als Baudenkmal (Baudenkmalliste) anerkannt. Trotz langen Auseinandersetzungen in der Mülheimer Bürgerschaft für den Erhalt des Gebäudes ist die Zukunft des ungenutzten Gebäudes in Frage gestellt.

VHS Ansicht von der Bergstraße
VHS seit 1992 am MüGa-Park
Gründach
Karl Prasse: Plastik Bewegung und Gegenbewegung am VHS-Eingang (1979)

Geschichte

Anfang der 1970er Jahre erkannte die Mülheimer Stadtgesellschaft die Notwendigkeit, ihren seit 1919 existierenden Volkshochschulbetrieb in eigene Räumlichkeiten zu bringen. Die Investition von 14,5 Mill. DM wurde durch eine SPD-Mehrheit gegen die Stimmen von CDU und FDP im Stadtrat beschlossen.

Das Gebäude wurde am 24. August 1979 eröffnet.[1] Zugrunde lag der Entwurf der Architektengemeinschaft Seidensticker-Spantzel-Teich-Budde-Gutsmann-Jung in Essen. Die Überarbeitung erfolgte durch den Architekten Dietmar Teich, welcher bis zur Fertigstellung verantwortlich war. Ein zweiter Bauabschnitt mit Theater, Filmstudio und Fachräumen kam nicht zur Umsetzung.

Der erste VHS-Leiter Norbert F.B. Greger (1973–1989) erwarb bundesweit Anerkennung mit seinen Überlegungen zur modernen Erwachsenenbildung.

Seit 2012 lag ein aktualisierter Brandschutzplan für das Gebäude vor. Die darin vorgeschriebenen Maßnahmen wurden jedoch nicht umgesetzt. 2014 stellte die Stadt einen Abrissantrag. Dies geschah auf dem Hintergrund von Privatisierungsplänen. Zunächst für einen Hotelneubau, dann für einen Umzug der Sparkassen-akademie NRW, die später am Phoenix-See in Dortmund realisiert wurde.[2]

Die Zuständigkeit für den Volkshochschulbetrieb wurde vom Kultur- an den Bildungsausschuss übertragen. Außerdem gründete sich eine bürgerschaftliche Initiative gegen den Abriss und für den Weiterbetrieb der VHS. Wenig später stellte das Rheinische Amt für Denkmalpflege die Denkmalwürdigkeit des Gebäudes fest. Es folgte die Eintragung als Baudenkmal  2 DSchG NW).

Am 18. September 2017 wurde das Gebäude während des laufenden Semesters bei voller Auslastung geschlossen. Feuerwehr und Immobilienservice der Stadt stellten eine akute Bedrohungslage fest. Der zunächst über das Stadtgebiet verstreute VHS-Betrieb wurde 2019 in ein angemietetes Industriegebäude an der Aktienstraße überführt.

Nach ihrem erfolgreichen Bürgerbegehren 2018 erreicht die Bürgerinitiative „Erhalt unserer VHS in der MüGa“ die Durchführung eines Bürgerentscheides zum 6. Oktober 2019. Die Abstimmungsfrage lautete: „Sollen VHS-Grundstück und -Gebäude in der MüGa im Eigentum und Besitz der Stadt Mülheim bleiben und der VHS-Betrieb dort wieder aufgenommen werden?“. Um die VHS wieder instand zu setzen, müsste zunächst der schon lange angekündigte Brandschutz verwirklicht werden. Weitere Renovierungen seien dann auch im laufenden Betrieb umzusetzen, so die Argumentation der Bürgerinitiative.

CDU, SPD, GRÜNE und FDP sprechen sich im Wahlkampf gegen den Entscheid aus. Dabei mobilisierten sie auch Schulpflegschaften und Sportvereine mit dem Argument, die Instandsetzung des Gebäudes werde Schulsanierungen und Sportstättenbau verhindern. Ein vom städtischen ImmobilienService bestelltes Gutachten rechnete verschiedene Varianten eines Volkshochschulbetriebs durch. Das Ergebnis: Wirtschaftlich sinnvoll sei allein die bereits realisierte Anmietung. Die Sanierung der VHS in der MüGa wäre nur komplett möglich und koste ca. 25 Millionen Euro. An diesen Aussagen zweifelte der Architekt Dietmar Teich. Er erhielt jedoch selber keinen Zugang zu dem Gebäude, obwohl er ein eigenes Gutachten auf seine Kosten anbot.

Das Wahlergebnis des Bürgerentscheides: 18.022 Bürger entschieden sich dafür, dagegen stimmten 9.288.[3] Der damalige Oberbürgermeister Ulrich Scholten versprach das Votum unverzüglich umzusetzen. Dies geschah jedoch nicht. Nur die Variante Komplettsanierung wurde in der Dezembersitzung des Stadtrates zur Abstimmung zugelassen. Die Befürworter des Bürgerentscheids lehnten diese Vorlage ab.

Im Laufe der nächsten Jahre war das Thema „VHS in der MüGa“ in Mülheim weiter virulent. Weder eine Eingabe beim Petitionsausschuss des Landtags noch Versprechungen der Lokalpolitik anlässlich vom Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahlen brachten konkrete Verbesserungen für das leerstehende Gebäude. Verdreckte und besprühte Fassaden, zerbrochene Fenster und schließlich ein Brand im Juni 2025 ließen am Instandhaltungsversprechen des Immobilienservices der Stadt zweifeln.[4] 2021 wurde eine Begehung durch den Architekten Dietmar Teich zugelassen. Dieser zeigte sich angesichts der soliden Gebäudesubstanz zuversichtlich, dass eine Sanierung den Betrag des städtischen Gutachtens deutlich unterschreiten würde. Teich erkrankte jedoch in der Folge so schwer, dass er keine weiteren Beiträge leisten konnte. Ansonsten blieb das Gebäude für externe Sachverständige und eine interessierte Öffentlichkeit gesperrt.

Die Oberbürgermeisterwahl 2025 wurde von der OB-Kandidatin Nadia Khalaf mit einer Zusage für die rasche Sanierung der VHS und der Umsetzung des Bürgerentscheides bestritten. In der Stichwahl unterlag sie dem CDU-OB Marc Buchholz, der sich für einen Abriss ausgesprochen hatte. Der Kooperationsvertrag von CDU und SPD sieht vor, ein Gremium zu dem Thema Nutzungskonzept einzuberufen.[5] Damit wird eine weitere, jahrelange Verzögerung der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes wahrscheinlich. Dieser Prozess kann sogar im endgültigen Abrissbeschluss enden. Die BI „Erhalt unserer VHS in der MüGa“ optiert in einer Eingabe nach § 24 GO NRW für die sofortige Herrichtung der Gebäudeaußenbereiche und des Forums bis zur IGA 2027.

Zur Klage der BI auf Umsetzung des Bürgerentscheides steht eine Entscheidung beim Verwaltungsgericht Düsseldorf aus.

Architektur

Lage: 1992 wurde die Mülheimer Landesgartenschau mit dem MüGa-Park auf der angrenzenden Brach- und Industriefläche eröffnet. Die Heinrich-Thöne-Volkshochschule erhielt damit Anschluss an diesen gut frequentierten Erholungs- und Kulturbereich. Die kulturell genutzten Denkmale Schloss Broich, Ringlokschuppen und der zur Camera Obscura umgewandelte Wasserturm („Museum zur Vorgeschichte des Films“) befinden sich in unmittelbarer Nähe.

Auf dem Gelände liegt auch ein VHS-Ableger: Der älteste, permanent betriebene Bio-Garten in der Stadt. Ebenfalls seit 1992 besitzt das Gebäude das größte Gründach der Stadt, welches laut Erbauer Holger Zwirner[6] immer noch funktionsfähig sei. Alle Fenster wurden im Rahmen des Konjunkturpakets II 2010 erneuert.

Das Gutachten des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland nennt folgende Anhaltspunkte: „Nettonutzfläche der Funktionsräume 4.800 qm, Verkehrsflächen 650 qm, Nebenräume 150 qm, Technikbereich 550 qm, begehbare Terrassenflächen 700 qm, Gesamtnutzflächen einschließlich Terrassen 6.900 qm, umbauter Raum 26.800 qm.“

  • Ein- bis viergeschossiger, gestaffelter Bau, der sich an den Ruhrhang anpasst.
  • Über das Forum ist die Zugänglichkeit zu fast allen Funktionsräumen möglich.
  • Die Kursräume ordnen sich um Kommunikationsflächen, wiederum in Verbindung mit Außenterrassen. Dies bietet eine einmalige Perspektive über Ruhrtal und Stadt.
  • Alleinstellungsmerkmal im Kontext „VHS-Bau des Brutalismus“.
  • Begegnungsort für einen neuen, demokratischen und kommunikativen Ansatz der Erwachsenenbildung.

Ausführliche Angaben finden sich im Gutachten des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland.[7][8]

Einzelnachweise

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