Karl Heinrich Brokerhoff

deutscher Pädagoge und Autor From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Heinrich (eigentlich Karl Heinz) Brokerhoff (* 8. März 1922 in Angermund; † 11. Mai 2018) war ein deutscher Pädagoge und Autor.[1]

Eines der letzten Fotos von Karl-Heinrich Brokerhoff in seinem Garten. @ Gisela Wiemer 2014.

Vielleicht war die Wahl seines bevorzugten Künstlernamens Karl Heinrich Brokerhoff über die Ehrerweisung an den gleichnamigen Vater hinaus ja auch ein Bezug auf Düsseldorfs bekanntesten Dichter?[2]

Brokerhoff stammte aus einer alten Angermunder Familie. Sein Vater war Heinrich Josef Brokerhoff, der sich 1918 bei der Feier nach seiner Ernennung zum Vizefeldwebel in der Düsseldorfer Gaststätte Zinterklöske (Hunsrückenstraße) in die Tochter des Wirtes, Klara Klingen, verliebt hatte. Sie heirateten 1920 in Düsseldorf. Klara zog zu ihrem Mann nach Angermund, der auf dem Bürgermeisteramt als Gemeindesekretär arbeitete. Das junge Ehepaar baute ein eigenes Haus auf einem Grundstück, das sie vom Vater des Ehemanns geschenkt bekommen hatten. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.[3] 1931 wohnte der inzwischen zum Amtmann beförderte Heinrich Brokerhoff mit seiner Familie an der Adresse Angermund 98a.[4] Nach der Angermunder Meldekarte für den Vater Heinrich Josef Brokerhoff wurde Sohn Karl Heinz 1922 in Angermund geboren. Auf der Meldekarte für den Sohn sind die Vornamen ebenfalls mit Karl Heinz vermerkt, dessen Geburtsort jedoch mit Huckingen, das bis zum 21. Dezember 1928 zur Bürgermeisterei Angermund gehörte.[5] Die Inschrift des Grabsteins auf dem Familiengrab in Angermund lautet Karl Heinz Brokerhoff 1922–2018. Die widersprüchlichen Angaben zum Geburtsort könnten sich daraus erklären, dass Brokerhoff im 1914 gegründeten St. Anna Krankenhaus in Huckingen zur Welt kam.[6]

Brokerhoff, den seine Freunde „Broki“ nannten, wuchs in Angermund auf. Er wurde Soldat und studierte nach dem Krieg in Köln Philosophie und Germanistik. Sein Lebensmittelpunkt blieb Angermund, wo er sich bis ins hohe Alter vielfältig engagierte.

Als Brokerhoff 2018 starb, hinterließ er seine Frau Jutta Hempel-Brokerhoff (1938–2024), Kinder und Enkelkinder.

Lehrer aus Berufung

Nach dem Studium in Köln wirkte Brokerhoff zehn Jahre lang als Lehrer am Düsseldorfer Humboldt-Gymnasium, wo er den Kunstpädagogen und Maler Hans Walter Kivelitz kennenlernte. Die Freundschaft der beiden einstigen Junglehrer dauerte über fünfzig Jahre; sie endete erst durch Brokerhoffs Tod.

Aufgrund mehrerer Fachveröffentlichungen wurde Bischof Franz Hengsbach Mitte der 1960er Jahre auf Brokerhoff aufmerksam. Dieser entwickelte daraufhin für das Bistum Essen in einer typischen Arbeitergegend im Essener Norden Nordrhein-Westfalens erstes Tagesheim-Gymnasium. Intention dieser kirchlichen Maßnahme war, den damals noch Arbeiterkinder genannten Kindern aus sozial benachteiligen Bevölkerungsschichten in der Schuldiaspora Bildungschancen zu bieten. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung titelte damals: „Die ‚Millieusperre‘ ist durchbrochen“. Die Form der Ganztagsbetreuung sollte neben der mittäglichen Verköstigungsmöglichkeit auch eine bessere schulische Betreuung gewährleisten. Brokerhoff wurde Schulleiter des neuen Gymnasiums Am Stoppenberg. Er bezog von Beginn an die Eltern der Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung der Schule mit ein und arbeitete nach Pestalozzis Leitwort „Kopf, Herz, Hand“. Das Gymnasium gehört heute zu einem Schulkomplex, der aus einer Haupt-, einer Realschule und dem Gymnasium besteht und im Mai 1972 in Essen-Stoppenberg seiner Bestimmung übergeben wurde. Bis der Schulkomplex fertiggestellt war, gab es seit 1966 einige Jahrgänge, die in ehemaligen Reichsarbeitsdienst-Baracken, den sogenannten Schulpavillons, unterrichtet werden mussten. Schon vor der offiziellen Einweihung erfolgte zum Beginn des Schuljahres 1969/70 der Umzug in die neuen Gebäude. Schulträger war von Anfang an das Bistum Essen. Brokerhoff war der erste Leiter des Gymnasiums „Am Stoppenberg“, dem er auch nach seiner Pensionierung im Jahr 1986 eng verbunden blieb.[7]

Literat aus Freude

Schon während seines Berufslebens widmete sich Brokerhoff der Literatur. Bis zu seinem Tod galt er als einer der Ersten, die sich literarisch mit der DDR-Literatur befassten. Er schrieb dazu ab den frühen 1970er Jahren mehrere Werke (z. B. Wie sie uns sehen: Schriftsteller der DDR über die Bundesrepublik). Zu seinem Œuvre gehören außerdem Essays über Heinrich Heine (z B. Über die Ironie bei Heinrich Heine), aktualisierte biblische Geschichten (z. B. Komm, ich zeig dir Albanien - altneue Geschichten), gesellschaftskritische Prosa (z. B. Der hölzerne Vogel), lyrische Gedichte (z. B. Ein Traum muss bleiben zuletzt) und Satiren (z. B. Requiem für einen Hammerhai). In seinen Texten hielt Brokerhoff seinen Lesern immer wieder gerne den Spiegel vor. Viele der Texte wurden von Hans Walter Kivelitz illustriert. Brokerhoff hat dem Freund in seiner Erzählung Stadtbummel[8] ein literarisches Denkmal gesetzt.

Unter Brokerhoffs Führung las und diskutierte die 1970 in Angermund ins Leben gerufene „Arbeitsgemeinschaft Literatur“ fast vierzig Jahre lang poetische Texte.[9] 1972 gehörte Brokerhoff zu den Mitbegründern des Angermunder Kulturkreises.[10] Brokerhoffs weiteres literarisches Steckenpferd war eine selbstgebaute Kulissenbühne aus Pappe und Papier, auf der er mit seiner Frau eigene kleine Theaterstücke für die Familie und Freunde aufführte.[10]

Als Brokerhoff 2012 seinen 90. Geburtstag in Angermund feierte, veröffentlichte die Rheinische Post eine umfangreiche Geburtstagslaudatio auf ihn.[11]

Brokerhoffs Werke im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Im Katalog der Deutschen National-Bibliothek ist der Angermunder Autor als Karl Heinz Brokerhoff verzeichnet.[12] Am 21. Dezember wurde 2025 eine Katalogberichtigung beantragt, da Brokerhoff seine Werke in den allermeisten Fällen als Karl Heinrich Brokerhoff veröffentlichte.

Einzelnachweise

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