Sietas Typ 178

Open-Top-Container-Feederschiffstyp der Sietas-Werft From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Typ 178 ist ein Open-Top-Container-Feederschiffstyp der Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde, von dem sechs Einheiten gebaut wurden. Die zur Baureihe gehörende und am 5. November 2009 abgelieferte Elysee ist das letzte Containerschiff, das auf der Sietas-Werft entstanden ist.

Schnelle Fakten Schiffsdaten, Schiffsmaße und Besatzung ...
Sietas Typ 178
Elysee, das letzte Schiff des Typs 178
Elysee, das letzte Schiff des Typs 178
Schiffsdaten
Schiffsart Open-Top-Container-Feederschiff
Bauwerft Schiffswerft J.J. Sietas, Hamburg-Neuenfelde
Bauzeitraum 2008 bis 2009
Gebaute Einheiten 6
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 168,11 m (Lüa)
155,40 m (Lpp)
Breite 26,80 m
Seitenhöhe 14,00 m
Tiefgang (max.) 9,61 m
Vermessung 17.488 BRZ / 8.125 NRZ
 
Besatzung 15
Maschinenanlage
Maschine 1 × MAN B&W-8L58/64-Dieselmotor
Maschinen­leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat 11.200 kW (15.228 PS)
Höchst­geschwindigkeit 19,7 kn (36 km/h)
Propeller 1 × Verstellpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 17.861 tdw
Container 1421 TEU
Anschlüsse Kühlcontainer 300
Sonstiges
Klassifizierungen DNV,
Bureau Veritas,
Eisklasse E4
Anmerkungen
Daten

Heinrich Ehler[1][2]

Schließen

Geschichte

Das Typschiff Heinrich Ehler

Der Typ 178 war als größerer Nachfolger für den Typ 168 im Feederverkehr konzipiert worden und stellt eine Weiterentwicklung des Typs 171 dar, von dem Sietas im Jahr 2005 nur ein Schiff für die kanadische Reederei Oceanex gebaut hatte.[3] Von seinen Abmessungen zählt er zu den Baltic-Max-Feedern (werftintern auch Ostseeemax genannt). Bei der Entwicklung der Schiffe zielte die Werft auf den größten wirtschaftlich im Nord-Ostsee-Kanal einsetzbaren Feederschiffstyp ab, wobei insbesondere der im Kanal zulässige Tiefgang von maximal 9,50 m ein entscheidender Faktor war.

Der Schiffstyp wurde ab 2006 von verschiedenen Reedereien geordert. Zunächst gingen mindestens zwölf Bestellungen ein. Die Fertigung der Sektionen für die ersten Neubauten begann am 20. Dezember 2006. Durch die Verteuerung der ursprünglich veranschlagten Baukosten, bedingt durch einen erheblichen Anstieg der Stahlpreise im Jahr 2008, und den darauffolgenden Auswirkungen der Weltfinanzkrise wurde die Hälfte der Bauaufträge storniert, so dass Sietas nur sechs Einheiten fertigstellte.[4] Storniert wurden unter anderem zwei Aufträge der Peter Döhle Schiffahrts-KG sowie der Bau eines Schiffs, das für die Stader Reederei Foroohari bestimmt war.

Das Typschiff der Serie ist die Heinrich Ehler mit der Baunummer 1261, die von der Reederei Heinrich Ehler aus Otterndorf ursprünglich mit den Namen Monika Ehler in Auftrag gegeben worden war. Weil Reederei Ehler die Bestellung des Schwesterschiffs annullierte, erhielt der erste Neubau den Namen Heinrich Ehler. Das Schiff wurde am 15. August 2008 von Alexander Ehler getauft und am selben Tag abgeliefert. Die Ablieferung der Vera Rambow, die von der Reederei Rambow aus Drochtersen in Auftrag gegeben worden war, folgte am 26. September 2008. Die von Reederei Gerd Bartels aus Gödenstorf georderte Charlotta und die von der Cuxhavener Reederei Drevin bestellte Thetis wurden im Frühjahr 2009 fertiggestellt. Die estnische Reederei Amisco erhielt am 10. Juli 2009 die Navi Baltic, stornierte aber den Bau eines weiteren Schiffs. Die niederländische Reederei JR Shipping hatte mit der Elysee (Baunummer 1294) und der Elegance (Baunummer 1295) zwei Neubauten bei Sietas geordert. Da jedoch auch JR Shipping ihren zweiten Bauauftrag annullierte, ist die am 5. November 2009 abgelieferte Elysee das letzte Schiff der Serie und zudem das letzte Containerschiff, das auf der Sietas-Werft entstanden ist.[5] Die Elysee fuhr von 2012 bis 2025 als OOCL Rauma im Langzeitcharter für die Orient Overseas Container Line im baltischen Feederverkehr.

Alle Schiffe der Baureihe wurden bis 2023 auf Liniendiensten in der Nord- und Ostsee eingesetzt, wobei sie bis heute zu den größten Einheiten ihrer Art im Nord-Ostsee-Kanal zählen. Die Navi Baltic und die Heinrich Ehler wechselten 2023 bzw. 2024 charterbedingt ins Mittelmeer.

Die Charlotta B (ehemals Charlotta) wurde 2021 an Reederei Rambow verkauft und erhielt daraufhin am 10. November 2021 den Namen Gerda. Die zur Reedereigemeinschaft USC Barnkrug in Drochtersen gehörende Elbdeich Reederei erwarb im Juni 2025 die Navi Baltic und im September 2025 die OOCL Rauma (ehemals Elysee). Sie erhielten die neuen Namen Elbsummer und Elbspring, die bis dahin von der Elbdeich Reederei für zwei Schiffe des Typs Mawei 1000 verwendet worden waren.

Technik

Heckansicht der Thetis D (ehemals Thetis)

Der Typ 178 hat eine Gesamtlänge von 168,11 m (155,40 m Lpp) und eine registrierte Breite von 26,80 m. Die Seitenhöhe bis zum Hauptdeck beträgt 14,00 m, der maximale Tiefgang 9,61 m. Die Schiffe sind mit 17.488 BRZ und 8.125 NRZ vermessen. Die Tragfähigkeit der einzelnen Einheiten variiert leicht und liegt zwischen 17.861 dwt (Heinrich Ehler) und 17.894 dwt (Navi Baltic). Bei Ablieferung waren alle sechs Schiffe vom Unternehmen DNV GL klassifiziert, die Heinrich Ehler ist seit 2012 bei Bureau Veritas eingetragen. Die Herstellung des Typs 178 erfolgte in Sektionsbauweise, wobei die Vorschiffe einschließlich des Bugs in Polen entstanden und per Ponton nach Hamburg geschleppt wurden. Die Rümpfe sind verstärkt und erfüllen die Anforderungen der deutschen Eisklasse E4. Bei allen Einheiten der Baureihe ist die Nock in die Brücke integriert.

Weitere Informationen TEU, FEU + TEU ...
Containerkapazitäten (Werftsangaben)[6]
TEUFEU + TEU45' + FEU + TEU30'
geschlossener Raum4018 + 4- + 18 + 4-
offene Räume1093536 + 21221 + 279 + 21217
an Deck28898 + 9272 + 18 + 92130
Gesamtkapazität1421652 + 117293 + 315 + 117347
Schließen

Die Schiffe besitzen eine nominelle Containerkapazität von 1421 TEU.[6] Abweichend davon gab Reederei JR Shipping die Transportkapazität der Elysee mit 1425 TEU an.[7] Bei voller Bebunkerung und einem Durchschnittsgewicht von 14 t je Container können aus Stabilitätsgründen maximal 1038 TEU gestaut werden.[6] Der Typ 178 verfügt über vier Laderäume, wobei der vordere mit hydraulischen Klapplukendeckeln verschlossen wird und die drei hinteren Räume oben offen sind. Der vordere, geschlossene Laderaum hat eine Kapazität von 40 TEU und besitzt eine 12,60 m × 16,20 m große Luke. Die Lukendeckel sind für eine Belastung von 50 t (TEU) bzw. von 90 t (FEU) je Containerstapel ausgelegt. Die drei offenen Laderäume haben eine Größe von 27,30 m × 23,08 m (LR 2) bzw. 28,70 m × 23,08 m (LR 3 und 4) und verfügen über je zwei Containerbuchten. Der Doppelboden ist in diesen Bereichen für eine Belastung von 150 t je TEU-Stapel bzw. von 240 t je FEU-Stapel ausgelegt. Die offenen Räume können maximal 1093 TEU in bis zu neun Reihen nebeneinander und bis zu zwölf Lagen übereinander aufnehmen. An Deck befinden sich Stellflächen für weitere 288 TEU, die in bis zu zehn Reihen nebeneinander und sieben Lagen übereinander vor der Brücke bzw. in bis zu zehn Reihen nebeneinander und drei Lagen übereinander auf den Lukendeckeln des vorderen Laderaums sowie auf den davor liegenden Stellflächen gestaut werden können.[6] Die Laderäumen 1 und 2 sind zum Transport von Standardcontainern (TEU/FEU) vorgesehen. Die Laderäume 3 und 4 besitzen je eine Bucht, in denen der Transport von Containern mit Sondermaßen (45-Fuß und 30-Fuß) möglich ist. Alle vier Räume verfügen über jeweils entsprechend verstellbare Zellgerüste. Die Stauung von High-Cube-Containern (2,90 m statt 2,59 m hoch) und von überbreiten Binnencontainern kann in allen Räumen sowie auf allen Stellplätzen an Deck erfolgen, ebenso ein Transport von Gefahrgutcontainern. An Bord befinden sich Anschlüsse für 300 Kühlcontainer, die computergestützt überwacht werden.[6][7]

Angetrieben wird der Typ 178 von einem Achtzylinder-Viertakt-Dieselmotor des Typs MAN B&W-8L58/64 mit einer Leistung von 11.200 kW, der auf einen Vierblatt-Verstellpropeller mit einem Durchmesser von 5,80 m wirkt. Die Drehzahl des Motors wird durch ein Untersetzungsgetriebe von 428/min auf 121/min reduziert. Die Schiffe erreichen eine Maximalgeschwindigkeit von 19,7 kn.[1] Bei einer Dienstgeschwindigkeit von 19 kn liegt der tägliche Kraftstoffverbrauch bei 60,5 t IFO-380.[7] Für An- und Ablegemanöver besitzen die Schiffe ein Bugstrahlruder mit 900 kW und ein Heckstrahlruder mit 750 kW Leistung. Zur Stromerzeugung an Bord stehen ein Wellengenerator mit 2000 kW sowie drei Dieselgeneratoren mit je 920 kW Leistung zur Verfügung, zudem ist ein 180 kW leistender Notgenerator vorhanden.[1][7]

Die Schiffe

Weitere Informationen Bauname, Baunummer ...
Sietas Typ 178
BaunameBaunummerIMO-NummerBrennstart
Stapellauf
Ablieferung
AuftraggeberUmbenennungen und Verbleib
Monika Ehler1261937220020.12.2006
05.06.2008
15.08.2008
Reederei Heinrich Ehler, Otterndorfabgeliefert als Heinrich Ehler, so 2026 in Fahrt
Vera Rambow1265943222020.12.2006
18.07.2008
26.09.2008
Rambow Bereederungs Gesellschaft, Drochtersenso 2026 in Fahrt
Charlotta1266943223220.12.2006
02.10.2008
09.01.2009
Reederei Gerd Bartels, Gödenstorf2013 Charlotta B → 2021 Gerda → 2026 DP World Limassol, so 2026 in Fahrt
Thetis1262937227421.12.2006
15.12.2008
20.03.2009
Reederei Drevin, Cuxhaven2012 Thetis D, so 2026 in Fahrt
Navi Baltic1263938671821.12.2006
09.04.2009
10.07.2009
Amisco, Tallinn2025 Elbsummer, so 2026 in Fahrt
Elysee1294946279427.06.2007
11.07.2009
05.11.2009
JR Shipping, Harlingen2012 OOCL Rauma → 2025 Elbspring, so 2026 in Fahrt
Daten: Equasis,[8] BV-Register,[9] DNV-Register: Vera Rambow,[10] Gerda,[11] Thetis D,[12] Elbsummer,[13] Elbspring[14]
Schließen

Literatur

  • Gert Uwe Detlefsen: Die Typschiffe der Sietas-Werft. Verlag H.M. Hauschild, Bremen 2010, ISBN 978-3-89757-494-6.
  • Peer Schmidt-Walther: „Baltic-Max“: neuer Typ für die Ostsee. In: Deutsche Seeschifffahrt. Dezember 2008, S. 58–61.
Commons: Sietas Typ 178 – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI