Grünlicher Sonnenspringer
Art der Gattung Sonnenspringer (Heliophanus)
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Der Grünlicher Sonnenspringer (Heliophanus dubius) ist eine Spinne aus der Familie der Springspinnen (Salticidae). Er ist paläarktisch verbreitet und bewohnt vor allem niedrige Vegetation auf Wiesen und Waldrändern. Anderweitig ist die Art wenig erforscht.
| Grünlicher Sonnenspringer | ||||||||||||
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Grünlicher Sonnenspringer (Heliophanus dubius), Weibchen | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Heliophanus dubius | ||||||||||||
| C. L. Koch, 1835 |
Merkmale

Das Weibchen des Grünlichen Sonnenspringers erreicht laut Sven Almquist (2006) eine Körperlänge von 3,9 bis zu 6,1 und durchschnittlich 5 ± 0,7 Millimetern, für das Männchen gibt er eine Körperlänge von 3,6 ± 0,2 Millimetern an.[1] Er ist damit wie viele Springspinnen (Salticidae) ein kleinerer Vertreter der Echten Webspinnen. Der grundsätzliche Körperbau der Art gleicht dem anderer Sonnenspringer (Heliophanus).
| Geschlecht | Länge | Durchschnittliche Länge | Breite | Durchschnittliche Breite | Längen-Breiten-Verhältnis | Durchschnittliches Längen-Breiten-Verhältnis | Anzahl untersuchter Tiere |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Weibchen | 1,71 bis 2,3 | 2,08 ± 0,15 | 1,32 bis 1,6 | 1,44 ± 0,08 | 1,31 bis 1,54 | 1,45 ± 0,06 | 21 |
| Männchen | 1,53 bis 1,99 | 1,8 ± 0,12 | 1,08 bis 1,38 | 1,25 ± 0,08 | 1,37 bis 1,49 | 1,44 ± 0,04 | 19 |
Der Carapax weist eine dunkelbraune bis schwarze Grundfarbe sowie einen grünlichen Schimmer auf, der durch Irisieren (Lichtbruch) entsteht. Lateral (seitlich) und am thorakalen (an der Brust gelegenen) Bereich ist er mit vereinzelten weißen Schuppen versehen. Der Clypeus (Abschnitt zwischen dem anterioren Augen und dem Vorderrand des Carapax) besitzt eine schwarze Grundierung. Das schwarze Sternum weist lateral weiße Setae (chitinisierte Haare) auf.[1]
Die Beinformel (absteigende Längenformel der Beinpaare) des Weibchens lautet 4-1-3-2, die des Männchens 4-1-3-2.[2] Die Beine sind gelblich gefärbt, ihre proximalen (zur Körpermitte gelegenen) Abschnitte verfügen über dunklen Linierungen, die wiederum reichlich mit weißen Schuppen bedeckt sind. Die Pedipalpen (umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) haben eine dunkelbraune Grundfärbung, wobei die Tibien (Schienen) und Tarsen (Fußglieder) gelblich-weiß gefärbt sind.[1]
| Beinpaar | Femur (Schiene) | Patella (Glied zwischen Femur und Tibia) | Tibia | Metatarsus (Fersenglied) | Tarsus (Fußglied) | Gesamtlänge |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Weibchen mit einer Körperlänge von 4,3 bis zu 5,5 Millimetern | ||||||
| 1 | 0,8 | 0,54 | 0,51 | 0,4 | 0,37 | 2,62 |
| 2 | 0,8 | 0,46 | 0,51 | 0,43 | 0,34 | 2,54 |
| 3 | 0,8 | 0,43 | 0,54 | 0,56 | 0,43 | 2,76 |
| 4 | 1,1 | 0,43 | 0,8 | 0,77 | 0,51 | 3,61 |
| Männchen mit einer Körperlänge von 3,6 bis zu 3,8 Millimetern | ||||||
| 1 | 0,9 | 0,5 | 0,6 | 0,54 | 0,37 | 2,91 |
| 2 | 0,83 | 0,46 | 0,54 | 0,5 | 0,37 | 2,7 |
| 3 | 0,86 | 0,46 | 0,6 | 0,63 | 0,43 | 2,98 |
| 4 | 1,14 | 0,51 | 0,8 | 0,86 | 0,43 | 3,74 |
Das Opisthosoma (Hinterleib) ist dorsal (oben) grauschwarz gefärbt und mit vereinzelten Schuppen bestückt, während es anterior (vorne) und lateral zusätzlich weiße Schuppen besitzt. Median (mittig) befindet sich auf der Dorsalfläche des Opisthosomas eine transvers (quer) verlaufende Reihe weißer Flecken, an die sich eine Ansammlung großer Flecken unmittelbar danach anschließt. Ventral hat das Opisthosoma eine fast schwarze Färbung sowie ebenfalls kleinere weiße Schuppen.[1]
- Ansichten von Weibchen
- Dorsalansicht
- Frontalansicht
- Lateralansicht
- Rückansicht
- Ansichten von Männchen
- Dorsalansicht
- Frontalansicht
- Lateralansicht
- Rückansicht
Genitalmorphologische Merkmale
Beim Männchen des Grünlichen Sonnenspringers haben die Femora für sich einen kurzen, distalen (von der Körpermitte entfernt gelegenen) und leicht gekrümmten und abgerundeten Abschnitt und die Tibien je zwei Apophysen (Fortsätze), eine ventral angelegte und gerade verlaufende sowie eine dorsale und gebogene. Ein einzelner Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) der Art weist proximal zwei Vorsprünge auf, einen retrolateralen (hinten seitlichen), der spitz zuläuft, und einen prolateralen (vorne seitlichen), der abgerundet erscheint. Apikal (zur Spitze gelegen) ist der Endpunkt des Bulbus mit einem retrolateralen Einschnitt ausgestattet, der eine weitere Apophyse bildet. Der Embolus (drittes und letztes Sklerit, bzw. Hartteil des Bulbus) ist breit und dorsal gekrümmt, ventral betrachtet erscheint er gerade.[1]
Die Epigyne (weibliches Geschlechtstsorgan) des Grünlichen Sonnenspringers besitzt ein durch ein breites Septum (Trennwand) geteiltes Atrium (innere Kammer am Eingang) mit deutlich erkennbaren Kopulationsöffnungen und Teilen der Kopulationsgänge. Letztere haben eine mit scharfer Krümmung in anteriore Richtung. Receptacula gekrümmt, mit Drüsen am äußeren Ende. Die gekrümmten Spermatheken (Samentaschen) verfügen über Drüsen am äußeren Ende.[1]
Differenzierungen von ähnlichen Sonnenspringern
Der Grünliche Sonnenspringer ähnelt sehr den ebenfalls zu den Sonnenspringern (Heliophanus) zählenden Kupfrigen Sonnenspringspinne (H. cupreus) und dem Gelbbeinigen Sonnenspringer (H. flavipes) und kann von den beiden anderen Arten nur anhand der genitalmorphologischen Merkmale unterschieden werden.[3] Bei der Kupfrigen Sonnenspringspinne wird ein einzelner Embolus durch die verengte Basis und die Epigyne und durch das längere als breitere Atrium charakterisiert, während bei dem Gelbbeinigen Sonnenspringer der Embolus stark nach unten gekrümmt und seine Spitze dünn ist und beim Weibchen letzterer Art die Begattungsgänge medial eng beieinander liegen.[4]
- Ähnliche Sonnenspringer (Heliophanus)
- Weibchen …
- … und Männchen der Kupfrigen Sonnenspringspinne (H. cupreus)
- Weibchen …
- … und Männchen des Gelbbeinigen Sonnenspringers (H. flavipes)
Verbreitung und Biologie

Das Verbreitungsgebiet des Grünlichen Sonnenspringer umfasst Europa, die Türkei, Kaukasien, Russland (von Europa bis zum Föderationskreis Ferner Osten), Kasachstan, Usbekistan und China. In Europa selber ist er flächendeckend vertreten und innerhalb Kontinentaleuropas nur in Portugal, Bosnien und Herzegowina, Albanien, dem Kosovo sowie der Republik Moldau und darüber hinaus aus der russischen Doppelinsel Nowaja Semlja, Franz-Josef-Land, der Inselgruppe Spitzbergen, Island, den Britischen und den Balearischen Inseln, Sizilien, Kreta und Zypern nicht nachgewiesen.[5]
Der Grünliche Sonnenspringer ist zeigt wie alle Sonnenspringer (Heliophanus) xerophile (wärmeliebende) Tendenzen und bevorzugt allgemein sonnige Waldränder mit Nadelbäumen als Habitat (Lebensraum).[6] Daneben kann man ihn auf Wiesen vorfinden.[5] Seltener bewohnt die Art den Randbereich von Mooren.[6] In seinem Lebensraum hält sich der Grünliche Sonnenspringer bevorzugt in niedriger Vegetation auf, manchmal auch auf Baumstümpfen.[5] Daneben ist die Spinne auf Nadelbäumen, Zwergsträuchern, unter lockerer Rinde, in Streuschichten unter Wacholder sowie in und an Steinhaufen anzutreffen.[1]
Die Phänologie (Aktivitätszeit) des Grünlichen Sonnenspringers beläuft sich bei ausgewachsenen Individuen beider Geschlechter im Zeitraum zwischen Mai und Juni und ist somit recht kurz.[5][6] Sehr vereinzelt können adulte Exemplare noch bis August auftreten.[6]
Häufigkeit und Gefährdung
Die Häufigkeit des Grünlichen Sonnenspringers ist je nach geographischer Lage unterschiedlich. In Deutschland gilt er als weit verbreitet, jedoch nicht so häufig anzutreffen wie beispielsweise die die gattungsverwandte Kupfrigen Sonnenspringspinne (H. cupreus) sowie der Gelbbeinige Sonnenspringer (H. flavipes).[3] Im östlichen Teil ihres Verbreitungsgebiets ist die Art dabei häufiger als im westlichen.[6] In der Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands von 2016 wird die Art als „ungefährdet“ gewertet, da sie dort allgemein häufig vorkommt und ihre Bestände sowohl kurz- als auch langfristig gleichbleibend sind. Diese Bewertung fiel in der vorherigen Version dieser Roten Liste aus 1996 gleich aus.[7] Allerdings wird die Spinne in der Roten Liste der Spinnen Kärntens (1999) nach IUCN-Maßstab in der Kategorie VU („Vulnerable“, bzw. gefährdet) erfasst.[3] In der Rote Liste der Spinnentiere (Arachnida) Norwegens (2015) wird die Art in der Kategorie LC („Least Concern“, bzw. nicht gefährdet) erfasst, in der Roten Liste der Spinnen Tschechiens (2015) in der Kategorie ES („Ecologically Substainable“, bzw. ökologisch anpassbar).[3]
Systematik
Der Grünliche Sonnenspringer wurde 1835 von Carl Ludwig Koch erstbeschrieben und seine Systematik erfuhr keine nennenswerten Änderungen seither. Der Artname dubius, ein lateinisches Adjektiv für „zweifelhaft“ rührt daher, dass Koch anfangs noch unsicher war, ob der Grünliche Sonnenspringer tatsächlich die Kriterien erfüllt, als eigenständige Art anerkannt zu werden.[8] Die 1868 von Eugène Simon erstbeschriebene Art H karpinskii wurde von ihm 1871 wieder mit dem Grünlichen Sonnenspringer synonymisiert und verlor somit ihren Artstatus. Gleiches geschah mit der 1846 ebenfalls von Koch beschriebenen Art H. nitens, die 1926 von Friedrich und seiner Ehefrau Maria Dahl mit dem Grünlichen Sonnenspringer synonymisiert wurde.[9]
- Ausscnitt aus „Die Arachniden“ (1848) von Carl Ludwig Koch, die den Grünlichen Sonnenspringer illustrieren
- Männchen
- Weibchen
- Weibchen von H. nitens
Literatur
- Sven Almquist: Swedish Araneae, part 2 – families Dictynidae to Salticidae. In: Scandinavian Entomology (Hrsg.): Insect Systematics & Evolution, Supplement. Band 63, Nr. 1. Interpress, 2006, S. 340–342 (601 S.).
- Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Kosmos, 2016, ISBN 978-3-440-15521-9, S. 254 (432 S.).
- Carl Ludwig Koch: Arachniden. Deutschlands Insecten. Friedrich Pustet KG, Regensburg 1835, S. 127–134, doi:10.5962/bhl.title.15007.
- Ion E. Fuhn, Viorel F. Gherasim: Familia Salticidae. In: Rumänische Akademie (Hrsg.): Fauna Romaniei (Arachnida). Band 5, Nr. 5, 1995, S. 169–171 (301 S.).
Weblinks
- Heliophanus dubius im World Spider Catalog
- Heliophanus dubius bei Global Biodiversity Information Facility
- Heliophanus dubius beim Rote-Liste-Zentrum
- Heliophanus dubius bei araneae – Spiders of Europe
- Heliophanus dubius beim Wiki der Arachnologischen Gesellschaft e. V.