Hermann Wilhelm Bödeker
deutscher evangelischer Pastor in Hannover (1799-1875)
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Hermann Wilhelm Bödeker oder Hermann Wilhelm Bödecker (* 15. Mai 1799 in Osnabrück; † 5. Januar 1875 in Hannover) war ein evangelischer Pastor, Philanthrop, Wohltäter, Tierschützer und Ehrenbürger der Stadt Hannover.[1] Er blieb vor allem durch seine gemeinnützigen Arbeiten in Erinnerung.

Leben
Als Sohn eines Hauptlehrers in Osnabrück geboren, besuchte Hermann Wilhelm Bödeker das Osnabrücker Ratsgymnasium und studierte anschließend von 1817 bis 1823 Theologie an der Universität Göttingen. Ab 1825 amtierter er zunächst als zweiter, seit 1839 als erster Pastor an der hannoverschen Marktkirche.[2]

Avers in Bronze, im Stil des Spätklassizismus geschaffen von dem Medailleur Heinrich Brehmer
Bödeker hatte großes Talent, Spenden für wohltätige Zwecke zu sammeln. Dazu gründete er etwa den Norddeutschen Morgenpromenadenbeförderungsverein, eine Runde von Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, die sich regelmäßig in der Gartenwirtschaft Lister Turm oder im Neuen Haus traf.[3]
Am 27. Januar 1848 wurde Bödeker die Ehrenbürger würde verliehen - womit ihm unentgeltlich das Bürgerrecht für besondere Verdienste um die Stadt Hannover gewährt wurde.[2]
1851 wurde er Senior des geistlichen Stadtministeriums,[2] was Aufgaben des späteren Stadtsuperintendenten entspricht.
Bödeker erhielt den Spitznamen „Reichsfechtmeister“ für seine Fähigkeit, große Spendensummen einzusammeln („fechten“ genannt).

1854 ließ er 15 gusseiserne Bödekerengel anfertigen (Entwurf: Georg Hurtzig, Guss in der Lauterberger Königshütte), die über die Stadt verteilt die Menschen zum Spenden animieren sollten.[4] Drei dieser Engel sind auf den hannoverschen Stadtfriedhöfen in Stöcken, Engesohde und Kirchrode erhalten. Ein vierter Engel steht in der St.-Andreas-Kirche in Bad Lauterberg. Weitere Bödekerengel befanden sich an den Göttinger Stadttoren, zwei davon sind erhalten und finden sich heute im Vorgarten des Städtischen Museums Göttingen.[5][6][7][8]
Bödeker gilt in Hannover als „einer der populärsten Seelsorger, Prediger und Wohltäter der Stadt“[2]. Er begründete zahlreiche soziale Stiftungen und karitative Vereine, so auch die Kinderheilanstalt Hannover in der Ellernstraße, den Vorgängerbau des Kinderkrankenhauses auf der Bult, das „Asyl für unbemittelte alternde Jungfrauen des Mittelstandes“, das spätere Schwesternhaus oder die so genannte Bödekerkrippe, einen Kinderkrippen-Verein.
Bödeker agitierte auch gegen Tierquälerei (Broschüre Über Tierquälerei, 1844) und initiierte dadurch die Gründung des Thierschutzvereins der Königlichen Residenzstadt Hannover.
Hermann Wilhelm war Mitglied des Corps Saxonia Hannover.[9]
Ehrungen
- Carl Dopmeyer schuf das Denkmal Bödekers auf der Nordseite des Turms der Marktkirche in Hannover.
- Auch der Gemeindesaal der Marktkirche ist nach Bödeker benannt.
- Das Ehrengrab von Hermann Bödeker findet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover, Abteilung 4, Grabnummer 5 a-d.[10]
- Die 1873 im (heutigen) hannoverschen Stadtteil Oststadt angelegte Bödekerstraße ehrt seitdem den Senior und Marktkirchenpastor mit ihrer Namensgebung.[11]
- Hermann Wilhelm Bödeker als Porträtmedaillon am Neuen Rathaus Hannover
- Statue an der Marktkirche Hannover
- Senior Bödeker als "Reichsfechtmeister" / Nach einer Zeichnung von Carl Grote, in: Die Gartenlaube, 1873
- Grabmal auf dem Friedhof Engesohde
Schriften (Auswahl)
- 50 Dienstjahre bei der Marktgemeine zu Hannover. Eine Denk- und Dankschrift, zugleich Vermächtniß von Hermann Wilhelm Bödeker, past. prim. und Senior minst., Hannover: Hahnsche Hofbuchhandlung, Druck der Hofbuchdruckerei Gebr. Jänecke, 1873
- Die Reformation der Altstadt Hannover im Jahr 1533. Eine Vorbereitungsschrift auf die dritte Gedächtnisfeier des Übertritts unserer Stadt zu der protestantischen Kirche. Nebst Verzeichnis der hier angestellt gewesenen evangelischen Kirchendiener ..., Hannover: Hahnsche Hofbuchhandlung, 1833; Digitalisat über Google-Bücher
Literatur
- Friedrich Voigts: Hermann Wilhelm Bödeker, Pastor prim. An der Kirche SS. Jacobi et Georgii zu Hannover. Ein Fest-Album zum 27. November 1848. Mit Bödeker's Portrait Und Facsimile, Druck und Verlag der Gebrüder Jänecke, Hannover 1849
- Wilhelm Rothert: Allgemeine Hannoversche Biografie Band 1: Hannoversche Männer und Frauen seit 1866, Sponholtz, Hannover 1912, S. 51–63
- Helmut Zimmermann in: Lebensbilder aus sieben Jahrhunderten. [Band 1.] Hannover: Harenberg, 1983, S. 90–92.
- Waldemar R. Röhrbein: Hermann Wilhelm Bödeker. In: Geschichten um Hannovers Kirchen. Studien, Bilder, Dokumente. Hannover: Lutherhaus-Verlag 1983, S. 123–132.
- Dirk Böttcher in: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 60.
- Claudia Kauertz: Pastor Hermann Wilhelm Bödeker und die Gründung des hannoverschen Tierschutzvereins im Jahr 1844. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Bd. 76 (2004) S. 115–132.
- Dirk Böttcher in: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 71.
- Friedrich Voigts: H. W. Bödeker – Ein Festalbum zum 27. Nov. 1848, 1949; 50 Dienstjahre bei der Marktgemeinde zu Hannover. - Eine Denk- und Dankschrift, zugl. Vermächtnis von H. W. Bödeker, 1873
- Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Geschichten um Hann. Kirchen, 1983, S. 123–132
- Hans Joachim Schliep: Senior Bödeker und der Tierschutz in Hannover, in: Jahrb. der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte 110. Bd. (2012), S. 199–204
- Matthias Wolfes: Hermann Wilhelm Bödeker. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 25, Bautz, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7, Sp. 85–89.
- Nicole Puscz: Wer war eigentlich ... / ... Hermann Wilhelm Bödeker? In: Asphalt-Magazin, Jubiläumsausgabe zum 20-jährigen Bestehen, September 2014, S. 36