Horst Averbeck

deutscher Bergwerksunternehmer, Geschäftsmann und Erfinder From Wikipedia, the free encyclopedia

Horst Bernhard Hartwig Raimund Julius Otto Averbeck (* 27. September 1900 in Jena; † 13. September 1986 in Kaltenbrunn, Oberpfalz) war ein deutscher Bergwerksunternehmer, Kaufmann und Erfinder. Er gilt als Pionier in der Fugenentwicklung im deutschen Betonstraßenbau.

Leben

Horst Averbeck wurde als Sohn von Ramona Averbeck, geborener von Plessen, und des Juristen Bernhard Averbeck (Fabrikant und Präsident des Deutschen Zement-Bundes, in Jena geboren. Er ist ein Enkel von Heinrich Averbeck, dem Begründer der physikalischen Heilmethoden. Als drei Tage alter Täufling wurde Horst Averbeck am 30. September 1900 auf Betreiben des Geheimen Medizinalrates Otto Binswanger zum Akademischen Ehrenbürger der Universität Jena (lateinisch Civis academicus Jenensis honoris causa) ernannt. Diese Würde konnte gemäß Stiftungsverfügung nur jeweils zur Jahrhundertwende einmalig vergeben werden. Seine Gymnasialausbildung erhielt er auf dem Kreuzgasse-Gymnasium in Köln und dem Gymnasium Carolo-Alexandrinum in Jena, das er nach der Primareife verließ, um im Juli 1918 als Seeoffiziersanwärter in die Kaiserlich Deutsche Marine einzutreten, wo er zuletzt als Seekadett auf dem Linienschiff SMS Schlesien war. Nach Ende des Ersten Weltkrieges schloss er sich dem Freicorps Paulssen, im Juni 1919 der (II.)/2. Marine-Brigade „Ehrhardt“ und wenig später der (III.)/3. Marine-Brigade „von Loewenfeld“ an, und wurde u. a. im Rahmen des Grenzschutzes in Oberschlesien unter dem Kommandeur des 1. Sturmbataillons dieser Marine-Brigade, Kapitänleutnant Lothar von Arnauld de la Perière eingesetzt. 1920 wurde er aus der Marine im Range eines Fähnrichs zur See entlassen. Nach dem Abitur 1921 am Realgymnasium in Saalfeld/Thüringen studierte er Volkswirtschaftslehre in München, Jena und Würzburg. In München war er aktiv (zuletzt als 2. Chargierter) im Corps Frankonia, aus dem er jedoch infolge der Nichtgenehmigung einer Forderungspartie austrat. Sein Studium schloss er als Diplom-Volkswirt ab. Im Jahre 1924 wurde er in Würzburg zum Dr. rer. pol. promoviert.

Nach einer Ausbildung von 1924 bis 1928 im Berliner Bankhaus J. Dreyfus & Co. und beim Norddeutschen Cement-Verband (NCV) in Halle, Hamburg und Berlin wurde er auf Betreiben des Leiters des Bankhauses J. Dreyfus & Co., Willy Dreyfus (1885–1977), des Enkels des Gründers der Bank Jacques Dreyfus (1826–1890), in die Leitung der Thurvia-Baugesellschaft mbH in Berlin bestellt, deren Geschäftsführung er von 1928 bis 1931 innehatte. Er baute mit dieser Baugesellschaft die ersten Betonstraßen in Berlin, unter anderem in der Siedlung Ruhleben und auf dem Flughafen Tempelhof. In dieser Zeit entwickelte er besondere national und international patentierte Techniken für die Herstellung wartungsfreier stabilisierender Fugeneinlagen für Betondecken. Nach dem Ausscheiden aus der Thurvia-Baugesellschaft trat er 1932 als Syndikus, Mitglied und Vorsitzender des Verwaltungsrates in die Berliner Asphaltgesellschaft Kopp & Cie AG in Berlin ein und blieb dies bis 1938. 1939 wurde er in die Deutsche Kriegsmarine einberufen und wurde 1940 zur Führung seines Betriebes im Sudetenland freigestellt. Anfang 1939 begann er mit dem Erwerb von Geschäftsanteilen der Emanuel-Gruben in Serbitz und Karbitz. Nach dem Kauf der Elbegrubenfelder und der restlichen Geschäftsanteile der Emanuel-Gruben erfolgte 1941 die Gründung der Teplitz-Mariascheiner Braunkohlengruben „Emanuel“ Averbeck & Co. in Serbitz, in der er die Funktion des geschäftsführenden, persönlich haftenden Gesellschafters innehatte.

Nach der Vertreibung und Verlust seines Unternehmens infolge entschädigungsloser Enteignung im Mai 1945 gründete er eine Kohlengroßhandelsgesellschaft m.b.H. in Regensburg im Jahre 1948 und später in Kaltenbrunn/Oberpfalz als OHG. Letztere Firma, deren Alleininhaber er ab 1957 war, löste er aus Altersgründen im Jahre 1981 auf. Bereits Anfang der 1960er Jahre entwickelte er eines der ersten transportablen, zusammenlegbaren Warndreiecke in Deutschland. Diese Entwicklung konnte er jedoch aufgrund sich häufig ändernder Ausführungsbestimmungen, bislang nicht einheitlicher gesetzlicher Regelungen und infolge persönlicher wirtschaftlicher Zwänge nicht fortführen. 1964 gründete er als persönlich haftender Gesellschafter die Dr. H. Averbeck KG, AFU-Einlagen für Dehnungsfugen in Weiden i. d. OPf. In dieser Zeit entwickelte er neue Verfahren im Bereich der Fugenherstellung in Betondecken, sowohl bei geschnittenen Raum- und Scheinfugen als auch bei gerüttelten Fugen in Frischbetondecken.

Diese patentierten Entwicklungen wurden 1969 vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr für volkswirtschaftlich wertvoll erklärt. Das Bundesministerium für Wirtschaft bestätigte im November 1969 diese Erklärung. Auf der 19. Internationalen Erfindermesse 1970 in Brüssel wurde Averbeck die Bronzemedaille für die stabilisierte Neoprene-Fugeneinlage zugesprochen. Averbeck war der erstgeborene Sohn des späteren Präsidenten des Deutschen Zement-Bundes (DZB), Bernhard Averbeck. Horst Averbeck war evangelisch, verheiratet mit Ingeborg Averbeck, geborener Dominik (1920–2015), einer Enkelin des kgl. preuß. Corps-Roßarztes und technischen Direktors der Militär-Lehrschmiede zu Berlin, Friedrich Dominik, und hatte zwei Kinder (Ingrid und Hubertus).

Fachzeitschriftenbeiträge (Auswahl)

  • Wartungsfreie Fugeneinlagen für Betondecken gem. Patentanmeldung Dr.H.Averbeck. In: Straßen- und Tiefbau. Band 17, 1966, Heft 11.
  • Stabilisierte Gummi-(Neoprene)Einlage zur unmittelbaren Herstellung wartungsfreier Fugen in Frischbetondecken. In: Straße und Autobahn. Band 30, 1969, Heft 6.
  • Stabilisierte Neoprene-Einlage. In: Bauwirtschaft. Band 28, 1974, Heft 25/26.
  • Fugeneinlagen mit rückstellfähigem Kopfstück für Frischbetondecken. In: Straße, Brücke, Tunnel. Band 26, 1974, Heft 12, S. 310 ff.
  • Fertigprofile aus Neoprene für Fugen in Betondecken. In: Straßen- und Tiefbau. Band 30, 1976, Heft 8, S. 12 ff.

Patente, Gebrauchsmuster (Auswahl)

  • Verfahren zum Herstellen von Fugen in Betonstraßen;

Deutsches Reichspatentamt, Nr. 559 051 vom 1. Juni 1929

  • Anordnung zum Aussparen von Fugen in Betonstraßen oder in Betonfeldern;

Deutsches Reichspatentamt, Nr. 884 209 vom 30. Oktober 1942, bekanntgegeben am 11. Juni 1953

  • Anordnung von Fugen in Betondecken,

Deutsches Reichspatentamt, Nr. 803 209 vom 30. Oktober 1942, bekanntgegeben am 3. August 1953

  • Transportables, flach zusammenlegbares Verkehrszeichen(Warndreieck „ARIFO“),

Deutsches Patentamt, Gebrauchsmuster, Nr. 1 811 342 vom 12. Mai 1960

  • Transportables, flach zusammenlegbares Verkehrszeichen(Warndreieck „ARIFO“ Tpye B2),

Deutsches Patentamt, Gebrauchsmuster, Nr. 1 859 990 vom 11. Oktober 1962

  • Fugeneinlage und Verfahren zur Herstellung von Fugen,

Deutsches Patentamt, Nr. 1 409 785.9 vom 23. Oktober 1962

  • Einlage für Fugen in Betonstraßen oder dgl.,

Deutsches Patentamt, Nr. 1 863 234 vom 6. Dezember 1962

  • Fugeneinlage für Fugen in Beton für Straßen und Plätze, Betonfugen und Rüttelbohle zum Einrütteln von Kernstücken zur Herstellung von Fugen in den Beton,

Deutsches Patentamt, Nr. 1 459 667.9 vom 12. Mai 1964

  • Transportables, flach zusammenlegbares Verkehrszeichen,

Patent Kaiserreich Japan, Nr. 719 676 vom 29. Mai 1964

  • Procedimento per la produzione di giuntature di calce struzzo e di inserti chiusura a teunta di elasticita permanente per le medesime,

Patent Republik Italien, Nr. 799 967 vom 14. Februar 1966

  • Einlage zur Füllung von in Frischbetondecken gerüttelter Fugen,

Deutsches Patentamt, Gebrauchsmuster, Nr. 6 813 696 vom 17. Juli 1969

  • Stabilisierte Gummi-(Neoprene)Einlage zur unmittelbaren Herstellung wartungsfreier Fugen in Betondecken,

Deutsches Patentamt, Nr. 1 817656.2 vom 23. Juli 1970

Literatur (Auswahl)

  • Adreßbuch der Direktoren und Aufsichtsräte 1937, Finanz-Verlag Berlin 1937, S. 189
  • Ernst Schad: Neuzeitliche Fugen in Betonstraßen von hoher Lebensdauer, in: Straßen- und Tiefbau, Sonderdruck Heft 3, 1966
  • Deutsches Geschlechterbuch, Band 167, C.A. Starke Verlag, Limburg 1974
  • Wer ist wer? Das deutsche Who’s who, XXV. Ausgabe, Lübeck 1986
  • Who is who in Germany, 5. Ausgabe, Berlin 1986
  • Averbeck, Horst. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 32.
  • Who is who in Germany, 6th ed., Ottobrunn 1976
  • Who is who in Europe, 5. Ausgabe, Waterloo/Belgien 1983
  • Who is who in the World, 6th edition 1982–1983, Chicago/USA 1982
  • Siegfried Bock: Pionier im Betonstraßenbau, in: Der neue Tag, Oberpfälzischer Kurier, Nr. 212 v. 16. Sept. 1986
  • Dr. Horst Averbeck 75 Jahre, in: Beton 25(1975), Heft 10, Düsseldorf 1975
  • Dr. Averbeck 75, in: Strasse und Autobahn 26(1975), S. 398
  • Pionier im Betonstraßenbau, Kaltenbrunn Dr. Horst Averbeck ist tot, in: Der neue Tag, Oberpfälzischer Kurier, Nr. 212, 16.Sept. 1986
  • Nachruf – Dr. Horst Averbeck †, Oberpfälzer Nachrichten, Unabhängige Tageszeitung für die nördliche Oberpfalz, Nr. 212, 16.September 1986
  • Dr. Horst Averbeck †, in: Bauwirtschaft 40(1986), Nr. 41 v. 09.Okt. 1986, S. 1482

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