Tonizität

qualitatives Maß From Wikipedia, the free encyclopedia

Tonizität (von altgriechisch τόνος tónos, deutsch Spannung, ‚Anspannung‘; früher: Tonicität[1]), auch als „effektive Osmolarität“ bezeichnet,[2] ist ein qualitatives Maß für den Unterschied im osmotischen Druck zwischen zwei Lösungen bezogen auf einen Zelltyp (mit seiner jeweiligen Semipermeabilität).[3] Tonizität besitzt im Gegensatz zu Osmolarität und Osmolalität keine Einheit. Die „Tonizität [beschreibt] das osmotische Verhalten.“[4] Die Tonizität ist die effektive Osmolalität.[5] Tonizität ist ein physi­ologischer oder klinischer Begriff für den in einer Lösung aufrechterhaltenen osmotischen Druckzustand. Wenn semipermeable Membranen vorliegen (zum Beispiel am Auge), ist Tonizität synonym für den osmotischen Druck.[6] Synonyme sind der osmotische Gradient und die effektive Osmolarität.

Bedeutung

Schematische Darstellung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) in einem umgebenden Medium (schwarz dargestellt), das in Bezug auf das zellinnere Zytoplasma hyper-, iso- oder hypotonisch ist.

Der Begriff Tonizität findet häufig Verwendung in der biologischen Medizin und in der Biochemie bei der Beschreibung des Verhaltens von Zellen (das Zytoplasma ist „Lösung I“), die durch ihre Zellmembran („semipermeable Membran“) von einer sie umgebenden Flüssigkeit („Lösung II“) getrennt sind. Da die Tonizität als Unterschied des osmotischen Druckes beschrieben wird, wird sie nur durch gelöste Stoffe hervorgerufen, die – bei Einstellung eines Gleichgewichts – die Membran nicht durchqueren können. Gelöste Stoffe, die sich frei durch die Membran bewegen können, haben keinen Einfluss auf die Tonizität.

Die Osmolalität von Blutplasma in Säugern beträgt circa 290 mosm/kg H2O.[7] Typische Systeme, bei denen der Begriff Tonizität eine Rolle spielt und verwendet wird, sind zum Beispiel Blutzellen in Serum, Prokaryoten in Fermentationsmedium, eukaryotische Tier-, Pflanzen- oder Pilzzellen in einem rein chemisch zusammengesetzten Puffer oder in einem komplex zusammengesetzten Nährmedium sowie künstliche Membranvesikel (Liposomen) – z. B. bei Rekonstitutionsexperimenten – in physiologischen Puffern.

Etymologie

Tonizität ist eine moderne wissenschaftliche Wortbildung zum Adjektiv tonisch beziehungsweise zum Substantiv Tonus. Der Ursprung ist das altgriechische τόνος (tónos) mit den Bedeutungen „Spannung, Anspannung, Zug; gespannte Saite“. Das dazugehörige Verb war τείνειν (teínein) „spannen, ausstrecken“. Daraus entwickelten sich lateinisch tonus „Spannung; Ton“ und griechisch/lateinisch τονικός tonikos / tonicus „die Spannung betreffend, kräftigend“. Neuzeitliche substantivische Bildungen sind französisch la tonicité, englisch the tonicity und deutsch die Tonizität.

Begriffe

Die Tonizität wird in verschiedenen Begriffen benannt: hyperton, isoton und hypoton. Die Tonizität von menschlichen Körperflüssigkeiten wird vor allem von Natriumionen beeinflusst.

Hypertonizität

Der Begriff hyperton (syn. hypertonisch; altgriechisch ὑπέρ über und τόνος tónos, deutsch Spannung, ‚Anspannung‘) bedeutet in der Biochemie und Biologie:

  • Eine Lösung hat einen höheren osmotischen Druck als ein Vergleichsmedium.
  • Eine Zelle (genauer: das Zytoplasma, das Medium innerhalb einer Zelle) hat einen höheren osmotischen Druck als das sie umgebende Medium (die Flüssigkeit außerhalb der Zelle).

Isotonizität

Der Begriff isoton (syn. isotonisch; von griech. ἴσος ísos, deutsch gleich und τόνος tónos, deutsch Spannung, ‚Anspannung‘) bedeutet in der Biochemie und Biologie:

  • Eine Lösung hat denselben osmotischen Druck wie ein Vergleichsmedium.
  • Eine Zelle (genauer: das Zytoplasma, das Medium innerhalb einer Zelle) hat denselben osmotischen Druck wie das sie umgebende Medium (die Flüssigkeit außerhalb der Zelle).

In der Medizin bedeutet isotonisch:

Hypotonizität

Der Begriff hypoton (syn. hypotonisch; griech. ὑπό hypo, deutsch unter und τόνος tónos, deutsch Spannung, ‚Anspannung‘) bedeutet in der Biochemie und Biologie:

  • Eine Lösung hat einen geringeren osmotischen Druck als ein Vergleichsmedium.
  • Eine Zelle (genauer: das Zytoplasma, das Medium innerhalb einer Zelle) hat einen geringeren osmotischen Druck als das sie umgebende Medium (die Flüssigkeit außerhalb der Zelle).

Andere Bedeutungen in der Medizin

Hypertonie, hypertonisch, hyperton

Isotonisch

  • Fachbegriff: Der Muskel verkürzt sich ohne Kraftänderung („gleichgespannt“).

Hypotonie, hypotonisch

  • Fachbegriff für niedrigen Blutdruck
  • Fachbegriff für die Spannung der Muskulatur, das heißt, der Muskeltonus ist unphysiologisch niedrig.

Literatur

Wiktionary: isotonisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: tonisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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