Inneralpines Trockental
naturräumliche Region im Inneren des Alpenbogens
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Ein inneralpines Trockental (auch inneralpine Trockeninsel) bezeichnet eine naturräumliche Region im Inneren des Alpenbogens, die sich durch eine signifikant geringere Niederschlagsmenge und eine höhere Sonneneinstrahlung von den feuchteren Alpenrandgebieten unterscheidet. Diese Gebiete bilden ökologische „Trockeninseln“, in denen sich oft eine wärmeliebende (xerotherme) und trockenheitsresistente Vegetation und Fauna entwickelt hat.

Geomorphologie und Entstehung
Die Trockenheit beruht auf der topographischen Abschirmung durch hohe Gebirgsketten, die als Barrieren für heranziehende Luftmassen fungieren.
- Regenschatten-Effekt: Feuchte Luftmassen vom Atlantik (Nordwest) oder Mittelmeer (Süd) werden an den Randketten zum Aufsteigen gezwungen (Luv), kühlen ab und regnen ab (Steigungsregen).
- Föhneffekt: Wenn die nun trockene Luft in die tiefen inneralpinen Täler absinkt (Lee), erwärmt sie sich adiabatisch. Dies führt zu einer geringen relativen Luftfeuchtigkeit und Wolkenauflösung.
Klima
Die Jahresniederschlagsmengen liegen in extremen Gebieten wie dem mittleren Wallis oder dem Vinschgau oft unter 600 mm, stellenweise sogar unter 500 mm. Im Vergleich dazu werden in den Staulagen der Nordalpen oft über 2000 mm erreicht. Die Evapotranspiration ist aufgrund der hohen Sonnenscheindauer oft höher als der Niederschlag, was zu einer negativen Wasserbilanz im Sommer führt.
Vegetation und Fauna
Die Vegetation in inneralpinen Trockentälern weist Ähnlichkeiten mit Steppenlandschaften Osteuropas oder der Mittelmeerregion auf. Charakteristisch sind Federgräser (Stipa), verschiedene Beifuß-Arten, Trockenrasengesellschaften sowie Wälder, die große Trockenheit ertragen, wie die Walliser Flaumeichenwälder.
Es finden sich häufig wärmeliebende Tierarten wie die Smaragdeidechse (Lacerta sp.) oder die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa).
Kulturlandschaft und Landwirtschaft
Die Bewohner dieser Täler entwickelten historisch komplexe Bewässerungssysteme, um Landwirtschaft betreiben zu können. Diese leiten das Schmelzwasser der Gletscher oft über kilometerlange Kanäle ins Tal hinab. Dies sind etwa Suonen im Wallis und Waale im Vinschgau, aber auch im Kauner- und Ötztal. Heute sind diese Gebiete oft bedeutende Weinbau- und Obstbauregionen, wie etwa der Apfelanbau im Vinschgau.
Insbesondere in den extremen Trockeninseln wie dem Queyras finden sich sehr hochgelegene Dauersiedlungen. Mit seiner Lage auf 2040 Metern ist Saint-Véran die höchstgelegene Gemeinde Europas.
Wichtige Beispiele
| Region | Tal / Gebiet | Land |
|---|---|---|
| Westalpen | Queyras | Frankreich |
| Zentralalpen | Wallis (Rhonetal) | Schweiz |
| Zentralalpen | Vinschgau (Etschtal) | Italien |
| Ostalpen | Oberinntal (Region Landeck) | Österreich |
| Südalpen | Veltlin | Italien |
Literatur
- Josias Braun-Blanquet: Die inneralpine Trockenvegetation: Von der Provence bis zur Steiermark. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1961.