Inneralpines Trockental

naturräumliche Region im Inneren des Alpenbogens From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein inneralpines Trockental (auch inneralpine Trockeninsel) bezeichnet eine naturräumliche Region im Inneren des Alpenbogens, die sich durch eine signifikant geringere Niederschlagsmenge und eine höhere Sonneneinstrahlung von den feuchteren Alpenrandgebieten unterscheidet. Diese Gebiete bilden ökologische „Trockeninseln“, in denen sich oft eine wärmeliebende (xerotherme) und trockenheitsresistente Vegetation und Fauna entwickelt hat.

Inneralpiner Weinbau im Wallis. Mit Suonen wurde früher die Wasserversorgung in diesem trockenen Gebiet sichergestellt.

Geomorphologie und Entstehung

Die Trockenheit beruht auf der topographischen Abschirmung durch hohe Gebirgsketten, die als Barrieren für heranziehende Luftmassen fungieren.

Klima

Die Jahresniederschlagsmengen liegen in extremen Gebieten wie dem mittleren Wallis oder dem Vinschgau oft unter 600 mm, stellenweise sogar unter 500 mm. Im Vergleich dazu werden in den Staulagen der Nordalpen oft über 2000 mm erreicht. Die Evapotranspiration ist aufgrund der hohen Sonnenscheindauer oft höher als der Niederschlag, was zu einer negativen Wasserbilanz im Sommer führt.

Vegetation und Fauna

Die Vegetation in inneralpinen Trockentälern weist Ähnlichkeiten mit Steppen­landschaften Osteuropas oder der Mittelmeer­region auf. Charakteristisch sind Federgräser (Stipa), verschiedene Beifuß-Arten, Trockenrasen­gesellschaften sowie Wälder, die große Trockenheit ertragen, wie die Walliser Flaumeichenwälder.

Es finden sich häufig wärmeliebende Tierarten wie die Smaragdeidechse (Lacerta sp.) oder die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa).

Kulturlandschaft und Landwirtschaft

Die Bewohner dieser Täler entwickelten historisch komplexe Bewässerungssysteme, um Landwirtschaft betreiben zu können. Diese leiten das Schmelzwasser der Gletscher oft über kilometerlange Kanäle ins Tal hinab. Dies sind etwa Suonen im Wallis und Waale im Vinschgau, aber auch im Kauner- und Ötztal. Heute sind diese Gebiete oft bedeutende Weinbau- und Obstbauregionen, wie etwa der Apfelanbau im Vinschgau.

Insbesondere in den extremen Trockeninseln wie dem Queyras finden sich sehr hochgelegene Dauersiedlungen. Mit seiner Lage auf 2040 Metern ist Saint-Véran die höchstgelegene Gemeinde Europas.

Wichtige Beispiele

Weitere Informationen Region, Tal / Gebiet ...
RegionTal / GebietLand
WestalpenQueyrasFrankreich
ZentralalpenWallis (Rhonetal)Schweiz
ZentralalpenVinschgau (Etschtal)Italien
OstalpenOberinntal (Region Landeck)Österreich
SüdalpenVeltlinItalien
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Literatur

  • Josias Braun-Blanquet: Die inneralpine Trockenvegetation: Von der Provence bis zur Steiermark. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1961.

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