Völkerrechtskommission
Nebenorgan der Vereinten Nationen
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Die Völkerrechtskommission (engl. International Law Commission, ILC; franz. commission du droit international, CDI) ist ein Nebenorgan der Vereinten Nationen, welches sich mit der Weiterentwicklung und Kodifizierung des Völkerrechts beschäftigt. Sie besteht aus 34 Rechtsgelehrten, die für herausragende Kenntnis und Ansehen im Völkerrecht von der Generalversammlung berufen wurden.

Aufgaben
Die Kommission wurde 1947 von der UN-Generalversammlung zur Weiterentwicklung und Kodifizierung des Völkerrechts eingesetzt. Vorwiegend ist sie mit der Ausarbeitung von Konventionsentwürfen befasst. Viele dieser Entwürfe gehören heute zu den Fundamenten des Völkerrechts und bilden die Arbeitsgrundlage der meisten Menschenrechtsorganisationen und weiterer Neben- und Sonderorgane der UNO.
Gemäß Art. 38 seines Statuts zieht der Internationale Gerichtshof „die Lehren der anerkanntesten Autoren der verschiedenen Völker“ als Hilfsmittel zur Auslegung der im Einzelfall entscheidungserheblichen Rechtsnormen heran. Dazu zählen auch die Ausarbeitungen der ILC.[1][2]
Der Kommission gehören 34 unabhängige Rechtsexperten an. Sie werden jeweils für die Dauer von 5 Jahren gewählt und repräsentieren die wichtigsten Rechtssysteme der Welt. Die von der Kommission verfassten Berichte und Entwürfe werden zum Teil von ihr selbst ausgewählt. Die meisten Themen werden aber von der Generalversammlung oder vom UN-Wirtschafts- und Sozialrat an sie herangetragen.
Die Arbeit der Kommission erstreckt sich auf nahezu alle internationalen Rechtsfragen, wie etwa zur staatlichen Souveränität, den Menschenrechten, diplomatischen und konsularischen Beziehungen, wirtschaftlichen Beziehungen, dem Vertragsrecht, dem Seerecht und dem internationalen Strafrecht.
Zurzeit befasst sich die Kommission, unter anderem, mit den Allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechts[3] (siehe auch Art. 38 Abs. 1 lit. c IGH-Statut), unverbindlichen völkerrechtlichen Absprachen[4] und sekundären Auslegungsmethoden des Völkerrechts.[5]
Mitglieder
Die Mitglieder der Periode 2023 bis 2027 sind:[6]
| Dapo Akande | ||
| Carlos J. Argüello Gómez | ||
| Masahiko Asada | ||
| Yacouba Cissé | ||
| Ahmed Amin Fathalla | ||
| Rolf Einar Fife | ||
| Mathias Forteau | ||
| George Rodrigo Bandeira Galindo | ||
| Patrícia Galvão Teles | ||
| Claudio Grossman Guiloff | ||
| Charles C. Jalloh | ||
| Ahmed Laraba | ||
| Keun-Gwan Lee | ||
| Xinmin Ma | Gewählt im Jahr 2024, als Nachfolger des zurückgetretenen Huikang Huang. | |
| Vilawan Mangklatanakul | ||
| Andreas D. Mavroyiannis | ||
| Ivon Mingashang | ||
| Giuseppe Nesi | ||
| Hong Thao Nguyen | ||
| Phoebe Okowa | ||
| Nilüfer Oral | ||
| Alina Orosan | Gewählt im Jahr 2024, als Nachfolgerin des zurückgetretenen Bogdan Aurescu. | |
| Hassan Ouazzani Chahdi | ||
| Mario Oyarzábal | ||
| Mārtiņš Paparinskis | ||
| Bimal N. Patel | ||
| August Reinisch | ||
| Penelope Ridings | ||
| Juan José Ruda Santolaria | ||
| Alioune Sall | ||
| Louis Savadogo | ||
| Tsendiin Mönch-Orgil | ||
| Marcelo Vázquez-Bermúdez | ||
| Evgeny Zagaynov |
Bisherige deutschsprachige Mitglieder der ILC waren bzw. sind:[7]
| Alfred Verdross | 1957–1966 | |
| Stephan Verosta | 1977–1981 | |
| Christian Tomuschat | 1985–1996 | |
| Bernhard Graefrath | 1987–1991 | |
| Gerhard Hafner | 1997–2001 | |
| Bruno Simma | 1997–2002 | |
| Lucius Caflisch | 2007–2016 | |
| Georg Nolte | 2007–2021 | |
| August Reinisch | seit 2017 |
Bedeutende Ausarbeitungen
Die Arbeit der Völkerrechtskommission hat zur Schaffung einer Reihe von Verträgen, Deklarationen und anderen Werken geführt, die für die gegenwärtige internationale Rechtsordnung von zentraler Bedeutung sind, wie zum Beispiel:[8]
Verträge und Konventionen:
- Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen, 1961
- Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen, 1963
- Genfer Seerechtskonventionen, 1962–1964
- Wiener Übereinkommen über das Recht der Verträge, 1969
- Wiener Übereinkommen über das Recht der Verträge zwischen Staaten und internationalen Organisationen oder zwischen internationalen Organisationen, 1986
- Römisches Statut des Internationalen Strafgerichtshofs, 1998
Artikelentwürfe:
Deklarationen und Resolutionen:
- Erklärung über freundschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit der Staaten, 1977
Siehe auch
- Internationale Juristenkommission (International Commission of Jurists)