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Internationale Musikgesellschaft

erste internationale Musikgesellschaft, gegründet 1898 in Berlin von Oskar Fleischer, aufgelöst 1914 From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Internationale Musikgesellschaft (IMG) war eine internationale Vereinigung führender Musikwissenschaftler und Musikinteressierter, deren Gründung 1898 in Berlin von Oskar Fleischer initiiert und von ihm bis 1903 als selbsternanntem Vorsitzenden geleitet wurde. Sie bestand bis 1914. In Frankreich war die Gesellschaft unter dem Namen Société internationale de musique (SIM) und im englischsprachigen Raum als International Music Society (IMS) bekannt.

Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschaft, Titelseite von Heft Nr. 5, 1901

Geschichte

Ziel der Gesellschaft war es, den internationalen wissenschaftlichen Austausch im Bereich der Musik zu fördern. Sie wuchs rasch und zählte 1902 über 750 Mitglieder weltweit, vor allem aus dem Deutschen Reich, später auch aus England, Frankreich und den USA. Nach einer Neustrukturierung unter Hermann Kretzschmar ab 1904 organisierte sich die IMG als Zusammenschluss von Ortsgruppen und Landessektionen mit einem gewählten Präsidium, das fünf internationale Kongresse in Leipzig (1904), Basel (1906), Wien (1909), London (1911) und Paris (1914) veranstaltete.

Bedeutend war insbesondere die österreichisch-ungarische Sektion mit der Wiener Ortsgruppe unter Leitung ihres Gründers Guido Adler sowie seiner Nachfolger Erwin Luntz und Hugo Botstiber. Diese entwickelten ein vielfältiges Programm aus Vorträgen und historischen Konzerten.

Aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs und einer von der deutschen Sektion betriebenen Austrittsbewegung kam es 1914 zur faktischen Auflösung der IMG. Als Nachfolgeorganisation wurde 1927 die International Musicological Society (Internationale Gesellschaft für Musikwissenschaft) in Basel gegründet.

Publikationen

Publikationsorgan der IMG war die monatliche Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschaft (ZIMG), die zunächst von Oskar Fleischer, dann ab 1904 von Alfred Heuß herausgegeben wurde und von Beginn an bei Breitkopf & Härtel in Leipzig erschien.

Die französische Landessektion gab ab Januar 1907 eine eigene monatlich erscheinende Zeitschrift heraus, das Bulletin français de la SIM, ab August 1911 hieß sie dann Revue musicale mensuelle S.I.M. Ab Dezember 1907 (Heft 3 des Jahrgangs 1907/08) erschienen davon regelmäßig Zusammenfassungen in französischer Sprache (Sommaires) in Form von Resümees oder Extrakten in der Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschaft (ZIMG), beginnend mit einer Zusammenfassung der Hefte 1–9 und den ersten Extrakten des Oktober-Hefts 1907 des Bulletins.

Zusätzlich erschienen quartalsweise die Sammelbände der IMG sowie 23 Beihefte und drei Kongressberichte (2. Kongress in Basel 1906, Leipzig 1907; 3. Kongress in Wien 1909, Leipzig 1909; 4. Kongress in London 1911, London 1912).

Vorsitzende der IMG

Literatur

  • Peter Sühring. Nach der Reichsgründung bis zum Zusammenbruch 1918: Korpsgeist und autoritäre Mandarinenwirtschaft, Austrittsbewegung aus der Internationalen Musikgesellschaft 1914. In: P. Sühring, Gustav Jacobsthal. Ein Musikologe im deutschen Kaiserreich, Olms, Hildesheim 2012, S. 276–280.
  • Stefan Keym, Austausch und 'Truppenschau:' Die Internationale Musikgesellschaft (1899–1914) als Forum der frühen Musikwissenschaft. In: Melanie Wald-Fuhrmann, Stefan Keym (Hg.): Wege zur Musikwissenschaft: Gründungsphasen im internationalen Vergleich. Spektrum Fachgeschichte Musikwissenschaft, Nr. 1. Bärenreiter, Kassel 2018, S. 189–222.
  • Stefan Keym, Allianz mit der "Weltfirma" Breitkopf & Härtel: die Internationale Musikgesellschaft 1899-1914, in: Die Musikforschung 76 (2023). S. 224–243.

Quellen

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