Jūzō Itami
japanischer Schauspieler und Filmregisseur
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Jūzō Itami (japanisch 伊丹十三, Itami Jūzō; eigentlich Yoshihiro Ikeuchi; * 15. Mai 1933 in Kyoto; † 20. Dezember 1997 in Tokio) war ein japanischer Schauspieler und Filmregisseur.

Leben
Itami war der Sohn des Regisseurs Mansaku Itami. Er versuchte sich unter anderem als Essayist, Maler, Konzertveranstalter, Übersetzer und Fernsehtalkmaster.
In den 1960er Jahren wurde er als Schauspieler in 55 Tage in Peking neben Ava Gardner und Charlton Heston und in mehreren japanischen Filmen bekannt. 1984 gewann er den Hochi Film Award und den Kinema Junpo Award für verschiedene Nebenrollen. Ab diesem Jahr betätigte er sich auch als Regisseur.
Seine erste Regiearbeit war die Komödie Beerdigungszeremonie mit Tsutomu Yamazaki und Nobuko Miyamoto in den Hauptrollen. Der Film, eine komödiantische Konfrontation des modernen Japan mit traditionellen Bräuchen und Riten, die dem nicht eingeweihten Zuschauer schwer verständlich sind, gewann zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem erhielt Itami für Beerdigungszeremonie Japanese Academy Awards in den Kategorien Beste Regie und Bestes Drehbuch.
Nachdem er in den folgenden Filmen die Verbindung zwischen Politik und Geschäftswelt thematisiert hatte, wagte er es 1992, sich in dem Actionfilm Die Kunst der Erpressung mit der japanischen Mafia Yakuza anzulegen. Kurz nach der Premiere dieses Films stachen fünf Männer auf den Regisseur ein und verletzten ihn schwer. Mit der folgenden Farce Tanz am Abgrund lieferte er ein Plädoyer für menschenwürdiges Sterben. In seinem letzten Film setzte er sich erneut mit dem organisierten Verbrechen auseinander.
Von 1969 bis zu seinem Tod war er mit der japanischen Schauspielerin Nobuko Miyamoto verheiratet, die auch in fast all seinen Filmen die Hauptrolle spielte.
Juzo Itami stürzte am 20. Dezember 1997 aus dem achten Stock des Gebäudes, in dem er arbeitete. Im Vorfeld wurde ihm von der Presse eine Affäre mit einer 26 Jahre alten Schauspielerin nachgesagt. Er hinterließ angeblich eine Notiz, worin er diese Affäre verneinte, und erklärte, nur der Freitod könne seine Unschuld beweisen. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitete Itami an einem Film, in dem es um die angeblichen Verwicklungen zwischen der Soka Gakkai und der Yakuza gehen sollte[1]. Einige Stimmen behaupten deshalb, die Yakuza habe ihn ermordet und den Mord als Selbstmord getarnt.
Itamis Schwester war mit Kenzaburo Oe verheiratet.[2]
Am 10. Juni 1998 wurde der Asteroid (7905) Juzoitami nach ihm benannt.
Filmografie (Auswahl)
Schauspieler
- 1960: Nise daigakusei
- 1963: 55 Tage in Peking (55 Days at Peking)
- 1965: Lord Jim
- 1969: King Ping Meh – Chinesischer Liebesreigen (Kinpeibei)
- 1974: Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance (Shura-yuki-hime: Urami Renga)
- 1980: Yūgure made
- 1981: Akuryo-To
- 1983: Die Töchter des Hauses Marioka (Sasame-yuki)
- 1983: Familienspiele (Kazoku gēmu)
- 1984: MacArthurs Kinder (Setouchi shonen yakyu dan)
Regisseur und Drehbuchautor
- 1984: Beerdigungszeremonie (Ososhiki)
- 1985: Tampopo
- 1987: Die Steuerfahnderin (Marusa no onna)
- 1988: Die Steuerfahnderin schlägt wieder zu (Marusa no onna II)
- 1990: Geisha des Glücks (Ageman)
- 1992: Die Kunst der Erpressung (DVD-Titel: Minbo) (Minbo no onna)
- 1993: Tanz am Abgrund (Daibyonin)
- 1995: Shizukana seikatsu
- 1996: Sūpah no onna
- 1997: Marutai no onna
Literatur
- S. Noma (Hrsg.): Itami Jūzō. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 636.
- Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 4: H – L. Botho Höfer – Richard Lester. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 166 f.