Ituräa
historische Region in der Levante nördlich von Galiläa
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Ituräa (altgriechisch Ἰτουραία, lateinisch Ituraea) bezeichnete in der Antike eine Landschaft in der Levante, die nach dem arabischen Stamm der Ituräer (Ἰτουραῖοι) benannt wurde.

Geographie
Ituräa umfasste in erster Linie den Libanon, den Anti-Libanon und die zwischen diesen liegende Bekaa-Ebene mit der Stadt Chalkis.[1] Daneben erstreckte sich der ituräische Einfluss zeitweise auch auf südlich anschließende Gebiete wie den Hermon, die Golanhöhen, die Trachonitis, den Hauran und vermutlich auch das nördliche Galiläa.[2]
Geschichte
Bei verschiedenen frühen Textquellen ist umstritten, ob sie sich auf Ituräa und die Ituräer beziehen; so werden sie etwa teilweise mit Volk der Jetur identifiziert, das in Gen 25,15 EU und 1 Chr 1,31 EU im Alten Testament erwähnt wird. Die erste sichere Erwähnung der Ituräer findet sich in einem Fragment aus dem verlorenen Geschichtswerk des Eupolemos, das im 2. Jahrhundert v. Chr. entstand.[3]
Diverse griechisch-römische Quellen beschreiben die Ituräer als räuberischen Nomadenstamm.[4] Hinter dieser Einschätzung dürften jedoch zu erheblichen Teilen Klischees und Fehleinschätzungen stecken; stattdessen wäre gut denkbar, dass sich die ituräische Herrschaft aus lokalen Amtsträgern der hellenistischen Königreiche (Seleukiden, Ptolemäer) heraus entwickelte, die mit dem langsamen Zerfall dieser Staaten zunehmend eigenständige Macht entwickelten.[5]
104/103 v. Chr. errang der judäische König Aristobulos I. einen Sieg über die Ituräer und eroberte einen Teil ihres Siedlungsgebietes; einer bei Flavius Josephus zitierten Passage aus einem Werk des Strabon zufolge zwang er die Bewohner des eroberten Gebietes zur Beschneidung.[6] Zwischen 87 und 85 v. Chr. ist dann mit Ptolemaios, Sohn des Mennaios, der erste ituräische Dynast in Chalkis nachweisbar. In den folgenden Jahren spielten er und seine Nachfolger Lysanias und Zenodoros eine Rolle in der Politik der Region. Daneben scheint es in Arka ein weiteres ituräisches Machtzentrum gegeben zu haben, das teilweise unabhängig von dem in Chalkis agierte.[7] Diese drei Herrscher prägten auch eigene Bronzemünzen, auf denen vielfach Porträts der Herrscher sowie griechische Gottheiten oder deren Symbole dargestellt sind und die sich damit gut in die überregionalen Üblichkeiten einfügten.[8]

Schließlich konnte Herodes seinen Einfluss auf Ituräa ausdehnen. In der Regierungszeit des römischen Kaisers Tiberius (14–37 n. Chr.) gehörte Ituräa zum Herrschaftsgebiet von dessen Sohn Herodes Philippos, wie beispielsweise aus Lk 3,1 EU hervorgeht. Im Jahr 38 n. Chr. wurde Soaimos als römischer Klientelherrscher in Ituräa eingesetzt und regierte dort bis zu seinem Tod 49. Anschließend wurde das Gebiet unter direkte römische Herrschaft gestellt und zur Provinz Syria geschlagen.
Die ituräischen Krieger waren als Bogenschützen geschätzt.[9] Nicht zuletzt deshalb wurden in der Römischen Kaiserzeit mehrere Auxiliareinheiten des römischen Heeres auf dem Gebiet von Ituräa rekrutiert (Ala I Augusta Ituraeorum, Cohors I Augusta Ituraeorum, Cohors I Ituraeorum (Mauretania Tingitana), Cohors I Ituraeorum (Syria), Cohors I Ituraeorum (Thracia), Cohors II Ituraeorum, Cohors III Ituraeorum).
Weblinks
Literatur
- Georg Beer: Ituraea 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IX,2, Stuttgart 1916, Sp. 2377–2380.
- Berndt Schaller: Ituraea. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 2, Stuttgart 1967, Sp. 1492.
- Ulrich Hübner: Jetur. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2007 ff.
- Julia Hoffmann-Salz: Im Land der räuberischen Nomaden? Die Eigenherrschaften der Ituraier und Emesener zwischen Seleukiden und Römern (= Studien zur Alten Geschichte. Band 31). V&R Verlag Antike, Göttingen 2022, ISBN 978-3-949189-15-9, doi:10.13109/9783949189173.