Jürgen Fohrmann

deutscher Literaturwissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Jürgen Fohrmann (* 1953 in Bielefeld) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer. Vom 23. April 2009 bis zum 29. April 2015[1] war er Rektor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Jürgen Fohrmann, 2011

Leben

Fohrmann studierte von 1972 bis 1977 Literaturwissenschaft, Germanistik und Geschichtswissenschaft an der Universität Münster und an der Universität Bielefeld. Von 1979 bis 1983 war er in Bielefeld als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Wilhelm Voßkamp beschäftigt, wo er 1980 promoviert wurde und sich 1988 habilitierte. Von 1991 bis zu seiner Emeritierung 2021 war er Professor für Neuere Deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Bonn. Von 1994 bis 1997 war er Präsident des Deutschen Germanistenverbandes.[2]

Von 2006 bis 2008 war Fohrmann Dekan der Philosophischen Fakultät. Am 1. Dezember 2008 wurde er vom Hochschulrat der Universität Bonn zum Rektor gewählt.[3] Diese Wahl wurde vom Senat der Universität am 11. Dezember bestätigt.[4] Am 23. April 2009 erfolgte die offizielle Ernennung Fohrmanns zum 142. Rektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität für die kommenden sechs Jahre.[5] Für eine zweite Amtszeit kandidierte Fohrmann nicht.

Forschung

Fohrmann ist auf Literatur- und Medientheorie, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte sowie die Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts spezialisiert und hat zu Problemen der Literaturgeschichtsschreibung und Rhetorik u. a. aus diskursanalytischer Perspektive publiziert. Daneben ist Fohrmann verschiedentlich als Herausgeber von Sammelbänden in Erscheinung getreten, u. a. zur Kulturwissenschaft und zu Möglichkeiten einer systemtheoretischen Literaturwissenschaft. Als seine Arbeitsfelder bezeichnet der selbst die Utopieforschung, die Grundlagen der Interdisziplinarität, die Wissenschaftsgeschichte der Germanistik, Medienwissenschaft, politische Theologie, Theorie der kulturellen Form und Fachpolitik in den Geisteswissenschaften.[6]

Publikationen (Auswahl)

Monographien

  • Abenteuer und Bürgertum. Zur Geschichte der deutschen Robinsonaden im 18. Jahrhundert. Metzler, Stuttgart 1981.
  • Projekt der deutschen Literaturgeschichte. Entstehung und Scheitern einer nationalen Poesiegeschichtsschreibung zwischen Humanismus und Deutschem Kaiserreich. Metzler, Stuttgart 1989.
  • Schiffbruch mit Strandrecht. Der ästhetische Imperativ in der „Kunstperiode“. Fink, München 1998.
  • Feindschaft/Kultur. Aisthesis, Bielefeld 2017.

Herausgeberschaft

  • mit Wilhelm Voßkamp: Von der gelehrten zur disziplinären Gemeinschaft. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte der deutschen Literaturwissenschaft im 19. Jahrhundert. Metzler, Stuttgart 1987.
  • mit Harro Müller: Diskurstheorien und Literaturwissenschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988.
  • mit Harro Müller: Systemtheorie der Literatur. Fink, München 1996, ISBN 3-7705-3132-9
  • Rhetorik. Figuration und Performanz. Metzler, Stuttgart 2004.
  • mit Till Dembeck: Die Rhetorik des Populismus und das Populäre. Körperschaftsbildungen in der Gesellschaft. Wallstein, Göttingen 2022.

Quellen

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