Jacob Kaplan

französischer Großrabbiner From Wikipedia, the free encyclopedia

Jacob Kaplan (* 5. November 1895 in Paris; † 5. Dezember 1994 ebenda) war ein französischer Rabbiner und der Großrabbiner Frankreichs von 1955 bis zu seinem Rücktritt 1980.

Jacob Kaplan (1978)

Kaplan entstammte einer religiösen Familie von Kohanim aus Litauen und wuchs im Marais auf. Er wurde 1913 ins Rabbinerseminar aufgenommen, doch seine Studien wurden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Für seinen Einsatz in der Schlacht um Verdun erhielt er das „Croix de guerre“. Er legte 1921 das Rabbinerexamen ab, war 1922–1928 Rabbiner in Mülhausen, 1928–1933 Rabbiner der Nazareth-Synagoge in Paris, von 1933 an der Grande Synagogue de la Victoire Paris. 1940 nahm er am Zweiten Weltkrieg als Soldat teil und erhielt eine Auszeichnung. Im Jahr 1940 wurde sein Buch Rassismus und Judentum auf die Liste Otto unerwünschter Bücher im besetzten Frankreich gesetzt. Er zog zunächst nach Vichy, wo er 1942 ein Aufenthaltsverbot durch Minister René Bousquet erhielt, und daraufhin nach Lyon. Sein Protest gegen die damalige Diskriminierung der Juden erregte großes Aufsehen. Er formulierte in einem veröffentlichten Brief an Xavier Vallat, dem Leiter des „Generalkommissariats für Judenfragen“: «le jour où la raison reprendra ses droits (et elle les reprendra sans aucun doute dans le pays de Descartes et de Bergson), l’antisémitisme, lui perdra les siens.» [Am Tag, wann die Vernunft ihre Rechte wiedererlangen wird (und sie wird sie ohne jeden Zweifel im Land von Descartes und Bergson wiedererlangen), wird der Antisemitismus seine an sie verlieren.] Er bat den Kardinal von Lyon Pierre Gerlier um Intervention für die Juden. Seit 1944 war er amtierender Großrabbiner Frankreichs als Nachfolger von Isaie Schwartz, seit 1950 Großrabbiner von Paris (Nachfolger von Julien Weill), von 1955 bis 1980 offizieller Großrabbiner von Frankreich.

1947 nahm er an der Konferenz von Seelisberg teil. Im Geist der christlich-jüdischen Versöhnung suchte er eine Lösung für die «Affäre Finaly», die wegen der Taufe zweier jüdischer Kinder während der Besatzungszeit aufgekommen war und Frankreich spaltete. Als Oberrabbiner besuchte er die jüdischen Gemeinden in Algerien und kümmerte sich um ihre Umsiedlung nach Frankreich. Seitdem überwiegt die sephardische Tradition im französischen Judentum. Sein Nachfolger René-Samuel Sirat war der erste Oberrabbiner Frankreichs, der aus Nordafrika stammt. Kaplans ausgleichende Haltung verband ihn mit Kardinal Jean Daniélou.

Er erhielt das Großkreuz der Ehrenlegion und wurde in die Académie des sciences morales et politiques aufgenommen.

Schriften

  • Les Temps d'épreuve, Les Éditions de Minuit, 1952
  • Albin Michel (Hrsg.): Judaïsme français et sionisme, « Présence du Judaïsme », 1975
  • Un enseignement de l'estime, Stock, 1982
  • Le Vrai Visage du judaïsme, « Judaïsme-Israël », Stock 1987
  • Albin-Michel (Hrsg.): Le Judaïsme dans la vie quotidienne, « Présence du Judaïsme », 1992
  • Albin-Michel (Hrsg.): Le Talmud et ses maîtres, « Présence du Judaïsme », 1993

Literatur

  • Haïm Korsia: Etre juif et Français. Jacob Kaplan, le rabbin de la république. Prive, Paris 2006, ISBN 978-2-35076-023-0 (französisch).
  • David Shapira: Jacob Kaplan: 1895–1994: un rabbin témoin du XXème siècle. Paris 2007, ISBN 978-2-226-17302-7 (französisch).
Commons: Jacob Kaplan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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