Jeleńcz (Parchowo)

Dorf in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Jeleńcz (deutsch Jellentsch, ab 15. August 1936 Hirschfelde (Pom.); kaschubisch Jeléńcz) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Gmina Parchowo im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

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Jeleńcz
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Jeleńcz (Polen)
Jeleńcz (Polen)
Jeleńcz
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytowski
Gmina: Parchowo
Geographische Lage: 54° 11′ N, 17° 39′ O
Einwohner:
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Geographische Lage

Das Dorf liegt im östlichen Hinterpommern, etwa zehn Kilometer östlich von Bytów, drei Kilometer nördlich des Kirchdorfs Półczno und vier Kilometer südsüdwestlich des Kirchdorfs Parchowo.

Östlich des Dorfkerns liegt der Stropne-See, von dem früher ein Viertel zum Gut Jellentsch und drei Viertel zum Gut Parchow oder Parchau in Westpreußen gehörten.[1] Westlich des Dorfs befindet sich der Piepchen-See.

Geschichte

Bäuerliches Anwesen (2018)
Wohngebäude (2018)

In einem Grenzbrief vom 9. Oktober 1313, den Markgraf Waldemar von Brandenburg dem Deutschen Orden aushändigte, nachdem er ihm durch Vertrag zu Słupsk vom 10. Juni 1310 einen Teil Pommerns verkauft hatte, werden zwei unweit des Sees Glyno (Glinow-See) gelegene Grenzdörfer namens Goluzsino und Goliczeuo genannt.[2] Dabei könnte es sich um die Dörfer Golzau (ehemals Kreis Karthaus) und Jellentsch (Hirschfelde) handeln. Nach dem Visitationsrezess von 1437 musste das Dorf Jellentsch dem Deutschen Orden für dreißig Zinshufen (2000 Magdeburger Morgen) dreißig Scheffel Hafer liefern und mit einem Kriegsreiter dienen.[3]

Auf der Lubinschen Karte von 1618 ist das Dorf unter dem Namen Gellentzow verzeichnet. In den pommerschen Hufenmatrikeln von Pommern-Stettin des Jahres 1628 kommt es als Dorf befreiter Bauern (gefreyte Panen) mit einer Flächengröße von 15 Hufen unter dem Namen Gelentze vor.[4] Zur Zeit der kurbrandenburgischen Besitzergreifung des Landes Bütaw am 18. Juni 1658 gehörte das adlige Gut Gelentze zum Kirchspiel Pomeißke.[5]

Laut Vasallentabelle besaß um 1756 Michel Ernst von Rüdgisch-Modrzewski († vor 1771)[6] einen Anteil von Jellentsch.[7] Der Namenszusatz R.-Modrzewski bezieht sich darauf, dass früher das Gut Moddrow ein Stammsitz der alten kaschubischen Familie Rüdgisch war.[8] Einen weiteren Anteil besaß Johan Georg von Wittken, Gefr. Corpor. a. D., der sechs Jahre lang Militärdienst geleistet hatte.[9] Um das Jahr 1782 gehörte das adlige Gut Jellentsch dem Lieutenant Ernst Ludwig von Rüdgisch (* um 1736, † 2. Februar 1793),[1][6] der neun eheliche Kinder hatte (sieben Söhne, von denen vier vor ihm verstarben, und zwei Töchter).[10]

Um 1804 befand sich laut Vasallentabelle Friedrich Philip von Blankensee im Besitz von Jellentsch.[11] Im Verzeichnis der Pommerschen Ritterschaft vom 1. Januar 1862 wird Otto Ferdinand Meißner als Besitzer von Jellentsch genannt, der das Gut am 2. Oktober 1852 für 12.800 Taler von den Häckerschen Erben gekauft hatte.[12][3]

Im Jahr 1865 wurden Nachfahren der kaschubischen Familie Rüdgisch gesucht, da Friedrich Anton von Rüdgisch († 26. September 1842 in Brieg), Königlicher Hauptmann a. D., testamentarisch verfügt hatte, dass nach dem Tod seiner Ehefreau, Charlotte geb. Mann, die Hälfte des Nachlasses entferntere Verwandte seiner Familie erben sollten.[10]

Am 14. September 1900 wurden die Landgemeinde Jellentsch und der Gutsbezirks Jellentsch zur Landgemeinde Jellentsch zusammengeschlossen.[13]

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 418,5 Hektar großen Gemarkung der Landgemeinde Jellentsch 33 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 39 Pferde, 112 Stück Rindvieh, 17 Schafe und 147 Stück Borstenvieh hielten.[14]

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Jellentsch eine Flächengröße von 4,4 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen, wo Jellentsch der einzige Wohnplatz war, standen insgesamt 29 bewohnte Wohnhäuser.[15]

Am 15. August 1936 wurde die Gemeinde Jellentsch in Hirschfelde (Pom.) umbenannt.[13]

Bis 1945 bildete Jellentsch eine Landgemeinde im Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Hirschfelde war dem Amtsbezirk Kniprode zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Kniprode.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im März 1945 durch die Roten Armee besetzt. Nach Ende der Kampfhandlungen wurde Hirschfelde zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der darauf folgenden Zeit wanderten Polen zu, und ein Großteil der einheimischen Dorfbewohner wurden von der polnischen Administration aus Hirschfelde vertrieben. Der Ortsname Hirschfelde wurde zu „Jeleńcz“ polonisiert.

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782Dorf,[1]
181858Dorf, adlige Besitzung (55 Einwohner), und Wassermühle (drei Einwohner), zum Kirchspiel Groß Pomeiske gehörig[16][17]
1846120Dorf[18]
1852122Dorf[19]
1855141am Jahresende, davon 97 Evangelische und 44 Katholiken[20]
1864155am 3. Dezember, im Gemeindebezirk und im Gutsbezirk zusammen[21]
1867156am 3. Dezember, davon 33 in der Landgemeinde und 123 im Gutbezirk[22]
1871122am 1. Dezember, davon 28 in Landgemeinde (13 Evangelische, 15 Katholiken) und 94 im Gutsbezirk (76 Evangelische, 18 Katholiken)[22]
1885132am 1. Dezember, davon 34 in der Landgemeinde (19 Evangelische, 15 Katholiken) und 98 im Gutsbezirk (acht Evangelische, 90 Katholiken)[23]
1895188am 2. Dezember, davon 39 in der Landgemeinde (14 Evangelische, 25 Katholiken) und 149 im Gutsbezirk (78 Evangelische, 71 Katholiken)[24].
1905215am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 104 Evangelische (sämtlich mit deutscher Muttersprache) und 111 Katholiken (drei mit deutscher und 108 mit polnischer Muttersprache)[25]T
1910184am 1. Dezember, Dorf[26]
1925203Landgemeinde, in 36 Haushaltungen, davon 127 Evangelische und 76 Katholiken[15]
1933177[27]
1939170[27]
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Kirche

Kirchspiel bis 1945

In Hirschfelde war die Bevölkerung mehrheitlich evangelischer Konfession. Die evangelischen Einwohner gehörten zum Kirchspiel Kniprode.

Das katholische Kirchspiel war in Bütow.

Polnisches Kirchspiel seit 1945

Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört mit seltenen Ausnahmen der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.

Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.

Söhne und Töchter des Orts

  • Ernst Ludwig von Rüdgisch (* um 1736, † 2. Februar 1793), Lieutenant a. D., wird 1778 als Erbherr auf Jellentsch genannt,[6] hinterließ neun eheliche Kinder:[10]
  1. Georg Ernst Friedrich, † 21. April 1778
  2. Gottlobine Dorothea
  3. Ernst Carl Friedrich
  4. Johann Ludwig, * 29. Juni 1783, † 29. Dezember 1853 in Lissa, Kreis Neumarkt, Mittelschlesien, preußischer Oberstlieutenant a. D., Erbherr auf Jellentsch[28]
  5. Marie Sophie Henriette
  6. Heinrich August, † 14. Mai 1789
  7. August Wilhelm, † 26. August 1790
  8. Jacob Christoph Wilhelm, † 25. März 1792
  9. Benjamin Philipp

Literatur

  • Jellentsch, Dorf mit Gut, Kreis Bütow, Rgierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Jellentsch (meyersgaz.org).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1087, Nr. (7) (Google Books).
  • Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Druck von B. Lilienthal, Bütow 1858, S. 99–100 (Google Books).
    • Anhang: Die Besitz- u. Eigenthumsverhältnisse der der Gemeinheitstheilung unterworfenen Ortschaften im Bütower Kreise zur Zeit der Gemeinheitstheilung (Google Books). Dazu Beilage 1: Verzeichniß sämmtlicher Ortschaften im Bütower Kreise, nebst Angabe Anzahl der Gebäude, der Seelenzahl, des Viehstandes, der Abgaben und des Flächeninhaltes Ende 1855, incl. 18 Ortschaften des südlichen Theiles Bütower Kreises (Google Books).
  • P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 18–19 (Google Books).
  • Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 94–95 (Google Books).

Fußnoten

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