Jerusalemkreuz

Kreuzform mit besonderem Bezug zum Heiligen Land From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Jerusalemkreuz ist ein griechisches Kreuz, bei dem in den vier Quadranten nochmals jeweils ein kleineres griechisches Kreuz angeordnet ist. In einigen Darstellungen tritt an die Stelle des großen Mittenkreuzes ein Kruckenkreuz. Die fünf Kreuze des Jerusalemkreuzes werden als die fünf Wunden Christi gedeutet. In älteren heraldischen Werken wird es auch als „Hierosolymitanisches Kreuz“ (der Grabesritter, OESSH) bezeichnet.

Deutscher Soldatenfriedhof Langemark

Geschichte

Gottfried von Bouillon, erster Regent des Königreichs Jerusalem

Das Jerusalemkreuz wurde erstmals 1099 vom Kreuzritter Gottfried von Bouillon als Wappen verwendet, der seit 1089 Herzog von Niederlothringen war. Das damalige Herzogtum umfasste neben dem nördlichen Rheinland und großen Teilen der heutigen Niederlande auch, unter Ausnahme der Grafschaft Flandern, das heutige Belgien sowie einen Teil Nordostfrankreichs. Gottfried von Bouillon war einer der Anführer des Ersten Kreuzzugs und gründete das Königreich Jerusalem, trug als sein Regent den Titel Beschützer des Heiligen Grabes (den Königstitel trug er noch nicht). Er machte das Wappen des Herzogtums Bouillon, das belgische Krückenkreuz mit vier zusätzlichen Griechischen Kreuzen, zum Symbol und Staatswappen des Königreichs Jerusalem. Dort wurde es in gold auf silber bis 1291 verwendet.

Im 14. Jahrhundert wurde das Kreuz in roter Farbe unter König Giorgi V. dem Strahlenden bis zum 15. Jahrhundert zur Flagge Georgiens. Die meist adligen Jerusalempilger, die am Heiligen Grab zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem geschlagen wurden, erkoren es im 14. Jahrhundert ebenfalls zu ihrem Emblem, ähnlich den Kanonikern vom Heiligen Grab. Auch das mittelalterliche Brandenburg-Preußische Frauenkloster Stift zum Heiligengrabe wählte das Jerusalemkreuz zu seinem Emblem.[1]

Im 19. Jahrhundert wurde das Jerusalemkreuz (in der ursprünglichen goldenen Form) zum Zeichen des Wingolfsbundes. 1898 stiftete Kaiser Wilhelm II. nach seiner Palästinareise einen Jerusalem-Kreuz genannten Orden. In der Weimarer Republik übernahm (in Anlehnung an den Wingolf) die evangelische Kirche in Deutschland das Jerusalemkreuz als Kirchenfahne; denn viele Gemeinden weigerten sich das republikanische Schwarz-Rot-Gold zu flaggen. Heute wird das Jerusalemkreuz als Logo des Deutschen Evangelischen Kirchentags und des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande verwendet. Seit Januar 2004 ist ein rotes Jerusalemkreuz wieder die Flagge Georgiens.

In der Stadt Jerusalem selbst ist das Jerusalemkreuz mindestens so präsent wie das Wappen Jerusalems. Gerade auch die Kirchen der Stadt verwenden gern dieses Sujet, da sie meist auch von den Kreuzfahrern gebaut wurden. Ebenso findet man das Jerusalemkreuz in der Kreuzfahrerfestung in Akko. Heutzutage ist es zudem ein beliebtes Symbol auf Souvenirs der Stadt Jerusalem (Schlüsselanhänger etc.). Auch außerhalb Jerusalems findet sich das Kreuz an vielen Kirchen im ganzen Bereich des damaligen Königreichs Jerusalem, ganz besonders an maronitischen Kirchen und Klöstern im Libanon.

Symbolik im 21. Jahrhundert

Das Jerusalemkreuz ist bis in die Gegenwart vor allem ein christliches Symbol: Es ist das Emblem der Franziskaner-Kustodie im Heiligen Land, Bestandteil des Wappens des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem sowie des Ritterordens vom Heiligen Grab, und ein verbreitetes Tätowierungsmotiv unter Heiliglandpilgern.

Seit 2024 wurde das Symbol verstärkt politisch diskutiert, ausgelöst durch eine großflächige Tätowierung des Kreuzes auf der Brust des US-amerikanischen Politikers Pete Hegseth. In diesem Zusammenhang verwiesen mehrere Medien darauf, dass das Jerusalemkreuz in Teilen der politischen Rechten vereinnahmt werde. So bezeichnete es Spiegel als „Erkennungscode der antiislamischen, rechten Szene“,[2] und Domradio führte aus, vieles deute darauf hin, „dass sich aus dieser Kreuzritter-Symbolik eine pro-israelische, islamophobische Einstellung ableiten lässt“.[3] Die Presse wies im Januar 2025 darauf hin, dass das Jerusalemkreuz als „Symbol anti-islamischer Kreuzzugsromantik“ sich „zunehmender Beliebtheit bei Anhängern einer Ideologie der weißen Vorherrschaft unter der neuen Rechten“ erfreue.[4]

Im Fall Hegseths stützten Kritiker diese Deutung nicht allein auf das Kreuz, sondern auf weitere Hinweise, etwa den von ihm verwendeten Schlachtruf „Deus vult“, den Hashtag „#AmericanCrusade“ sowie sein 2020 erschienenes Buch, in dem er einen Kampf „gegen Linke und den Islam“ beschwört.

Zugleich wird vor einer pauschalen Gleichsetzung gewarnt. Der Kulturanthropologe Michael Hochgeschwender betonte, das Jerusalemkreuz als solches mache niemanden zum christlichen Nationalisten, da es auch von anderen Institutionen wie den Grabesrittern verwendet werde; eine antiislamische Konnotation knüpfe sich eher an Zusätze wie „Deus vult“, und die Tätowierungen sollten nicht überinterpretiert, aber mit Vorsicht betrachtet werden.[5] Der in Jerusalem lebende deutsche Franziskaner Gregor Geiger nannte die politische Indienstnahme religiöser Symbole einen Skandal, der den Christen im Heiligen Land potenziell schade. Für die Süddeutsche Zeitung ist die Kreuzritter-Tätowierung eines von „vielen christlichen Symbolen, die Rechtsextreme fleißig zweckentfremden“.[6]

Varianten des Jerusalemkreuzes

Verwendungen des Jerusalemkreuzes

Historische Beispiele

Zeitgenössische Beispiele

Literatur

  • Michael F. Feldkamp: Vom Jerusalempilger zum Grabesritter. Geschichte des Ritterordens vom Heiligen Grab (= Propyläen des christlichen Abendlandes, Band 1), Heimbach/Eifel 2016, ISBN 978-3-86417-055-3, S. 61–66.
Wiktionary: Jerusalemkreuz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Jerusalemer Kreuz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Jerusalemkreuz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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