Jim Beam & Voddi

Lied des deutschen Rappers AK Ausserkontrolle, aufgenommen gemeinsam mit Bonez MC From Wikipedia, the free encyclopedia

Jim Beam & Voddi ist ein Lied des türkischen Rappers AK Ausserkontrolle aus dem Jahr 2017, in Zusammenarbeit mit dem deutschen Rapper Bonez MC. Der deutschsprachige Gangsta-Rap ist durch eine kluborientierte Produktion mit treibendem Beat und hohem Tempo geprägt. In den deutschsprachigen Medien wurde der Titel wiederholt als exemplarisches Beispiel für Frauenverachtung im Deutschrap diskutiert.

Schnelle Fakten AK Ausserkontrolle feat. Bonez MC, Veröffentlichung ...
Jim Beam & Voddi
AK Ausserkontrolle feat. Bonez MC
Veröffentlichung 5. Mai 2017
Länge 3:34
Genre(s) Deutscher Hip-Hop
Autor(en) Davut Altundal, Sonu Lal, John Moser
Produktion Davut Altundal, Sonu Lal
Label Auf!Keinen!Fall!
Album A.S.S.N.
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Entstehung und Veröffentlichung

Das Lied wurde von den beiden Interpreten Davut Altundal (AK Ausserkontrolle) und John Moser (Bonez MC), zusammen mit Sonu Lal (Sonus030), geschrieben. AK Ausserkontrolle und Sonus030 zeichneten zudem für die Produktion verantwortlich.[1]

Die Erstveröffentlichung von Jim Beam & Voddi erfolgte am 5. Mai 2017 bei Auf!Keinen!Fall!, als Teil von AK Ausserkontrolles zweitem Studioalbum A.S.S.N.[1]

Inhalt

Musikalisch ist Jim Beam & Voddi dem Deutschrap zuzuordnen, mit einem betont tanzbaren Beat und repetitiven Hooks, die party‑ und cluborientierte Bildlichkeit aufgreifen. Der Track ist explizit textlich und formal an Gangsta‑Rap‑Konventionen orientiert und nutzt eine starke inszenatorische Darstellung von Exzess und Hedonismus.

Die narrative Struktur des Lieds ist episodisch und zyklisch. Die Strophen zeigen Szenen einer Nacht voller Drogen, Alkohol, Clubs und Hotelzimmer, der Refrain verdichtet diese zu einer Formel hedonistischen Exzesses. Der Frauenkörper wird primär als sexualisiertes Objekt männlicher Konsum- und Statuspraktiken inszeniert, sprachlich unterstützt durch fragmentierende Körperbeschreibungen, derbe und aggressive Metaphern und eine repetitive Verbstruktur, die Sexualität als routinierten Akt von männlichem Status Selbstbestätigung darstellt.

Das Lied folgt der klassischen Rap-Erzählstruktur mit zwei Strophen und Refrain. Inhaltlich entsteht eine episodische Abfolge hedonischer Szenen, in denen Alkohol, Drogen, Luxusgüter, Statussymbole und Sexualität eng verknüpft werden. Der Frauenkörper wird dabei objektivierend dargestellt, was für Strömungen des deutschsprachigen Gangsta-Rap typisch ist.

Die erste Strophe etabliert den sozialen Rahmen: Der Sprecher beschreibt seine Ankunft in einem Luxusfahrzzeug („Daimler“) und verweist auf Kreditkarte und Champagner – inszeniert als Symbole ökonomischer Potenz und sozialer Dominanz, die sich anschließend in sexuelle Dominanz über weibliche Körper fortpflanzen. In der Club- oder Partyumgebung dienen Alkohol, Drogen, Musik und Tanz als Einstieg in sexuelle Handlungen.

Eine weibliche Figur wird ausschließlich über körperliche Merkmale eingeführt. Fragmentierte Beschreibungen einzelner Körperteile („Bauchnabelpiercing“, „kleine Titten“, „Arsch wie ein Pfirsich“) erzeugen einen katalogartigen Effekt: Der Körper erscheint nicht als Ganzes, sondern als Ansammlung erotisch bewerteter Attribute. Narrativ folgt darauf eine rasche Eskalation der Handlung: Die Frau steigt nach kurzem Zögern in das Auto der männlichen Protagonisten und wird anschließend in eine sexuelle Gruppensituation überführt („wir nehmen sie mit und geben ihr zu dritt“). Der Geschlechtsakt wird als „schamlos“ bezeichnet und in einer aggressiven Bildsprache beschrieben. Sexualität erscheint dabei als einseitige Vollzug männlicher Aktivität („geb’ ihr richtig tief“, „geb’ ihr von hinten – Rammbock-Effekt“). Das passive Erleben der Frau und ihr Nachgeben gegenüber männlicher Dominanz werden zugleich als Zeichen mangelnder sexueller Integrität gedeutet („richtig miese Schlampe“).

Hinzu tritt eine fortlaufende Verbindung von Alkohol und Sexualität. Die wiederholte Aufzählung alkoholischer Getränke („Wodka“, „Tequila“, „Bacardí-Rum“, „Chivas“, „Belvedere sechs Liter“) strukturiert die Szene als exzessive Partysituation („guck, sie schluckt mehr als Benziner“). Innerhalb dieser Konsumsemantik erscheinen Frauenkörper in ähnlicher Weise wie Getränke oder Luxusgüter als Bestandteil einer hedonistischen Erlebnisökonomie, in der Statussymbole, Rauschmittel und Sexualität eng miteinander verknüpft sind.

Der Refrain fungiert als kondensierte Wiederholung dieses Szenarios. Alkoholmarken („Jim Beam“, Wodka) werden mit der Bewertung des weiblichen Körpers („mieser Body“) kombiniert. Die Handlung reduziert sich auf kurze, rhythmisch wiederholte Einrufe über sexuelle Penetration („ich gib’s ihr“). Durch die repetitiven Strukturen wird der Geschlechtsakt zum routinierten Bestandteil eines souveränen, hedonistischen Lebensstils. Die Handlungsschauplätze – Swimmingpool, Hotellobby, ergänzt um Hinweise auf Panoramafenster und argentinisches Rumpsteak – unterstreichen die luxuriöse Konsumumgebung, in der die Szene verortet ist. Innerhalb dieser Erzähllogik wird die Frau durch die Konfrontation mit Konsumgütern, Alkohol und Drogen, die ausschließlich über männliche Dominanz zugänglich sind und für geschlechtliche Handlungen vorgesehen erscheinen, sexuell gefügig gemacht; ihre Teilnahme wird narrativ als unmittelbare Reaktion auf die Inszenierung männlicher Macht, sozialer Stellung und materieller Reize dargestellt.

Die zweite Strophe, vorgetragen von Bonez MC, erweitert das Szenario um eine stärker selbstinszenierende Perspektive. Der Rapper stellt seine körperliche Präsenz („Zwei-Meter-Mann“) und seinen Status im Clubmilieu heraus. Die Wirkung auf Frauen wird erneut unmittelbar an materiellen Zeichen geknüpft, etwa am Schmuck („wie mein Schmuck scheint“). Die geschlechtliche Interaktion mit Frauen wird auch hier als unmittelbare Reaktion auf männliche Statussymbole beschrieben (hol’ ich ihn raus und sie lutscht gleich). Besonders deutlich wird dies in der Zeile, in der eine Frau beim Erklingen des Lieds des Sängers „Ohne mein Team“ sexualisiert reagiert und „sofort“ auf den „Schwanz“ des Protagonisten „springt“.

Sprachlich fällt in dieser Strophe eine verstärkte Verwendung degradierender, derber Bezeichnungen für Frauen auf („Schlampe“, „Schlampenstrich“). Der weibliche Körper wird erneut fragmentiert und zugleich aggressiv sexualisiert („mit ihrem Arsch, ich will reinbeißen“). Eine Jungfrau wird „angewichst“ und im Anschluss an ihr Nachgeben gegenüber männlichen sexuellen Erwartungen moralisch abgewertet. Zugleich wird eine explizite Tauschlogik inszeniert: Die Frau „tauscht“ ihr „Silikon“ gegen „Millionen von Klicks“. Sexualität erscheint damit als Teil einer medial vermittelten Ökonomie, in der Körper, Aufmerksamkeit und Popularität auf das Engstemiteinander verknüpft sind. Ein weiteres Element ist die wiederholt hervorgehobene Darstellung männlicher Kontrolle über die Situation und die Frau. Der Sänger entscheidet über Sichtbarkeit („unsere Bilder stellst du nicht ins Netz“) und reagiert auf unerwünschtes Verhalten mit Gewaltandrohungen.

Musikvideo

Das dazugehörige Musikvideo entstand unter der Regie von Shaho Casado und inszeniert die Protagonisten als Täter des spektakulären Raubs der 100 kg schweren Big-Maple-Leaf-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum 2017. Bis März 2026 zählte das Video über 29,9 Millionen Aufrufe auf der Videoplattform YouTube.[2][3]

Rezeption

In den Medien sorgte das Lied bald nach seiner Veröffentlichung für breite Aufmerksamkeit, da es einerseits durch hohen musikalischen Qualitäts- und Produktionswert sowie kommerziellen Erfolg, andererseits aber durch die brutale Sexualisierung weiblicher Körper, die unverblümte Aggression in der Sprache und die Darstellung von Frauen als von Männern dominierte sexuelle Konsumobjekt auffiel. Die wiederholte, unverhohlene Objektifizierung und die dominierende, erniedrigende Inszenierung von Frauen machten das Lied darum rasch zum Typusexemplar für Frauenverachtung im Deutschrap.[4]

Kommerzieller Erfolg

Chartplatzierungen

Obwohl Jim Beam & Voddi nicht als Single erschien, stieg es am 19. Mai 2017 auf Rang 83 der deutschen Singlecharts ein. In der Folgewoche belegte das Lied noch Rang 98, bevor es wieder aus den Charts ausstieg.[5]

Weitere Informationen ChartsChart­plat­zie­rungen, Höchst­platzie­rung ...
Chartplatzierungen
ChartsChart­plat­zie­rungenHöchst­platzie­rungWo­chen
 Deutschland (GfK)[5]83 (2 Wo.)2
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Auszeichnungen für Musikverkäufe

Weitere Informationen Land/Region, Aus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe(Land/Region, Aus­zeich­nung, Ver­käu­fe) ...
Land/Region Aus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe
(Land/Region, Aus­zeich­nung, Ver­käu­fe)
Ver­käu­fe
 Deutschland (BVMI)[6] Platin400.000
Insgesamt 1× Platin
400.000
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Fußnoten

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