Jochem Schindler
österreichischer Indogermanist
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Jochem Schindler (* 8. November 1944 in Amstetten; † 24. Dezember 1994 in Prag) war ein österreichischer Indogermanist. Trotz einer relativ geringen Anzahl an Publikationen trug er wesentlich zur Entwicklung neuer Theorien in seinem Arbeitsfeld bei. Dies betraf insbesondere die indogermanische Ursprache und die Bedeutung des Ablautes im Indogermanischen.
Jochem Schindler wurde am 8. November 1944 in Amstetten/Niederösterreich geboren. Er kam 1952 nach Linz, wo er die höhere Schule (Humanistisches Bundesgymnasium) besuchte und 1962 maturierte. Anschließend studierte er in Wien vor allem bei Heinz Kronasser und nach dessen Fortgang weiter bei ihm in Würzburg, wo er 1972 nach Kronassers plötzlichem Tod in den Fächern Indoeuropäische Sprachwissenschaft, Italoromanische Philologie und Philosophie summa cum laude promovierte. Er war dann drei Jahre Assistent an der Universität Wien und ging anschließend 1974 nach Amerika an die Harvard University, wo er rasch alle Stufen der Universitäts-Karriere durchlief, vom Visiting Lecturer zum Assistant Professor und weiter zum Associate Professor. Schließlich wurde er dort – nur sechs Jahre nach der Promotion – im Jahr 1978 zum Full Professor of Linguistics ernannt. Im Jahr 1987 nahm er dann, nach längerem Zögern, den Ruf zurück in die Heimat an die Universität Wien an, um hier fortan als ordentlicher Professor für Indoeuropäische Sprachwissenschaft zu wirken. Schindler wurde in den U.S.A. 1986 die Ehre der einmal jährlich verliehenen Collitz-Professur der Linguistic Society of America und in Österreich die Wahl zum korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zuteil. Von 1993 an leitete er deren Kommission für Iranistik als Vorsitzender. Sowohl in Harvard als auch in Wien hatte er wichtige akademische Ämter (1981– 1985 Chairman of the Department of Linguistics, 1990–1992 Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien) inne und widmete sich ihnen mit großem Engagement.
Am Nikolaustag (6.12.) 1994 brach Jochem Schindler während einer Gastlehrveranstaltung in Prag mit einer Gehirnblutung zusammen, an deren Folgen er am Heiligen Abend im Homolka-Krankenhaus verstarb.
Schriften (Auswahl)
- Tocharische Miszellen. In: Indogermanische Forschungen 72 (1967), S. 239–249. ISSN 0019-7262.
- Das Wurzelnomen im Arischen und Griechischen. Diss., Würzburg 1972.
Literatur
- Heiner Eichner (Hrsg.): Compositiones Indogermanicae in memoriam Jochem Schindler. Enigma, Prag 1999.
- Wolfgang U. Dressler: Jochem Schindler (1944-1994). In: Die Sprache. Band 37/1, 1995, S. 1–4.
- Rüdiger Schmitt: Jochem Schindler. Ein Nachruf. In: Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Band 145, 1995, S. 581–594. – Mit Schriftenverzeichnis.
Weblinks
- Literatur von und über Jochem Schindler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- https://titus.uni-frankfurt.de/personal/galeria/schindle.htm
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schindler, Jochem |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Indogermanist |
| GEBURTSDATUM | 8. November 1944 |
| GEBURTSORT | Amstetten |
| STERBEDATUM | 24. Dezember 1994 |
| STERBEORT | Prag |