Johann-Sebastian-Bach-Porträts

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Es sind eine Reihe von Porträts des Komponisten Johann Sebastian Bach überliefert, deren Authentizität in vielen Fällen in Zweifel steht.[1] Nachfolgend sind die Hauptporträts des Komponisten Johann Sebastian Bach aufgeführt.

Haußmann, 1746

Gemalt von Haußmann, 1746.

Öl auf Leinwand (79,5 cm × 63,5 cm), mit der Inschrift „EG Haußmann pinxit 1746“ auf der Rückseite.

1747 wurde Bach als vierzehntes Mitglied in Lorenz Christoph Mizlers Correspondierende Societät der musicalischen Wissenschaften aufgenommen, einem 1738 gegründeten Verband für Musikwissenschaften. Nach den Vereinsstatuten musste jedes Mitglied dem Hauptsitz ein eigenes Porträt überlassen, das als Vorlage für Gravuren diente, die zusammen mit den verschiedenen Biografien der Mitglieder in der Musicalischen Bibliothek, der offiziellen Zeitschrift des Vereins, gedruckt wurden.[2]

Bach übergab ein Porträt, das 1746 von Elias Gottlob Haußmann gemalt wurde. Darauf hält Bach den Dreifachkanon für sechs Stimmen (BWV 1076) in der Hand. Die Gesellschaft verlangte von den Kandidaten, ein wissenschaftlich-mathematisches Werk als Beweis für ihre Gelehrsamkeit vorzulegen.[3]

Mündlich ist überliefert, dass das Gemälde nach der Auflösung der Vereinigung 1755 von Lorenz Christoph Mizler an Wilhelm Friedemann Bach gestiftet wurde, der es um 1800 August Eberhard Müller, Assistent des Kantors der Thomaskirche Johann Adam Hiller und später dessen Nachfolger, schenkte oder verkaufte. Müller schenkte es 1809 der Thomasschule.[4]

Das Porträt wurde im Laufe der Jahre mehrfach restauriert, mehr oder weniger drastisch:[4] 1852 wurde es aufgefrischt, und 1879 übermalte es der Maler Friedrich Preller der Jüngere. 1913 verlieh die Thomasschule es dauerhaft dem Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig, wo es weiteren Restaurierungen unterzogen wurde und wo es sich noch heute befindet. 1960 wurde es vom Institut für Denkmalpflege in Dresden durchleuchtet, wodurch die zahlreichen Ausbesserungen bestätigt wurden, denen das Bild unterzogen wurde.[5]

Haußmann, 1748

Gemalt von Haußmann, 1748.

Öl auf Leinwand (76,3 cm × 62,8 cm), auf der Rückseite mit der Inschrift „Hl. Johann Sebastian Bach C. M./ Dir. mus. Lippen./ Hausmann-Pinx : Lips : 1748.“ versehen.

Dieses Gemälde, eine Kopie des Porträts von 1746, ist in deutlich besserem Zustand. Das Gesicht wirkt ausdrucksstärker und die Notizen im Manuskript des Kanons in der Hand des Porträtierten sind klarer. Es gibt einige Unterschiede zum Porträt von 1746, die an der Position der Finger und der Weste zu sehen sind.

Das Gemälde gehörte Carl Philipp Emanuel Bach, ging dann an Johann Christian Kittel über. Später, nach dessen Tod, wurde es von einem Antiquitätenhändler in Berlin von der Familie Jenke gekauft.[6] Es wurde erstmals 1950 auf dem Bachfestival in Göttingen öffentlich ausgestellt und wurde 1953 Eigentum von William H. Scheide. Das Porträt kehrte 2015 nach Leipzig zurück.[7]

Einige Quellen vertreten die Meinung, dies sei das Originalporträt, das Bach der Gesellschaft von Mizler überlassen hat, und dass das frühere die Nachbildung sei. In diesem Fall wären die Jahresdaten der beiden Porträts entsprechend zu korrigieren.[8]

Rentsch, 1715

Gemalt von Rentsch, 1715.

Öl auf Leinwand (60 cm × 44 cm), unsigniert, trägt auf der Rückseite die Inschrift „Joh. Sebast. Bach / geb. d. 21. März 1685 / zu Eisenach“. Die Urheberschaft des Porträts wird dem Maler Johann Ernst Rentsch (der Ältere) zugeschrieben.

Das Gemälde wurde 1877 auf einem Dachboden in Erfurt gefunden und zeigt den jungen Bach um 1715, also der Zeit, in der er Kapellmeister am Hof von Sachsen-Weimar in Weimar war. Restauriert wurde es von Alfred Overmann, dem Direktor des Stadtarchivs von Erfurt.[4]

Später wurden jedoch Zweifel an der Echtheit geäußert. Einige Merkmale, wie Augenbrauen, die Mundwinkel und die Form der Nase, könnten tatsächlich auf Bach zurückgehen, aber es gibt keine Hinweise darauf, dass die auf dem Gemälde dargestellte Person wirklich er selbst ist. Es befindet sich derzeit im Angermuseum in Erfurt.[9]

Ihle, 1717–1723?

Dem Maler Johann Jakob Ihle zugeschrieben, 1717–1723?

Öl auf Leinwand (ursprünglich 82 cm × 66 cm, nach der Restaurierung auf 78 cm × 63 cm reduziert), die Signatur „J.J. Ihle“ wurde bei der Restaurierung entfernt.

Laut einigen Quellen zeigt das Gemälde Johann Sebastian Bach zwischen 1717 und 1723, während seiner Amtszeit als Kapellmeister am Hof von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen in Köthen. Es wurde 1897 von Max Hartmann in Bayreuth im Haus eines Bäckers entdeckt. Nach der Restaurierung wurde es von Oskar von Hase, Direktor von Breitkopf & Härtel in Leipzig, erworben und 1907 dem Bach-Museum in Eisenach gestiftet, wo es sich heute befindet.[10]

Seine Authentizität beruht ausschließlich auf Vermutungen und ist stark umstritten, auch wegen der geografischen Entfernung zwischen dem Porträtmaler aus Esslingen und dem Fürstentum Anhalt-Köthen sowie der Schwierigkeit, die möglichen Realisierungsdaten (1717–1723) mit den Lebensdaten des Künstlers (1702–1774) in Einklang zu bringen.[11]

Gottlieb Friedrich Bach, 1732–1736?

Möglicherweise ein Werk des Cousins, Gottlieb Friedrich Bach, 1732–1736?

Pastell (16 cm × 13 cm), möglicherweise gemalt von Gottlieb Friedrich Bach (1714–1785), Cousin von Johann Sebastian, bei einem Besuch in Leipzig.

Carl Philipp Emanuel Bach, Sohn von Johann Sebastian, schreibt in einem Brief an Johann Nikolaus Forkel von einem kleinen Pastellporträt, das seinen Vater zeigt, und nannte es „ein wunderschönes Pastell, sehr ähnlich“.[12] Obwohl es unsigniert ist und seine Verbindung zu Bach nur durch eine mündliche Quelle belegt ist, könnte es sich um das von Carl Philipp Emanuel Bach erwähnte Pastell handeln.[13]

Im neunzehnten Jahrhundert haben es Angehörige des Meininger Zweigs der Familie Bach geerbt. Karl Bernhard Paul Bach (1878–1968) erklärte, dass das Pastell das Werk seines Vorfahren Gottlieb Friedrich Bach sei, Sohn von Johann Ludwig Bach, Kapellmeister am Hof in Meiningen, und vermutlich entstanden, als Gottlieb Friedrich Bach 1732 Leipzig besuchte.[14]

Der Musikwissenschaftler Heinrich Besseler meint, dass die blaue Jacke die Uniform des Hofkomponisten des Dresdner Hofes sei und daher das Porträt auf etwa 1736 zu datieren ist, als Bach diesen Titel von August III. erhielt.[15] Obwohl Bach braune Augen hatte, hat die im Pastellbild dargestellte Person blaue Augen. Dies könnte darauf hindeuten, dass das Pastell nicht aus dem Leben gefertigt wurde, sondern auf zuvor gezeichneten Skizzen basierte.[11]

Conrad Freyse äußert einige Zweifel an der Datierung des Werks und schreibt die Urheberschaft eher dem Maler Johann Philipp Bach (1752–1846), Sohn von Gottlieb Friedrich Bach, zu. Laut Freyse hätte Johann Philipp Bach das Pastell um 1780 angefertigt, vielleicht unter Zuhilfenahme einer Skizze, die sein Vater Jahrzehnte zuvor in Leipzig angefertigt hatte.[15] Erstmals 1950 von Karl Geiringer öffentlich ausgestellt, befindet sich das Pastell heute in einer Privatsammlung in München.[11]

Unbekannter Künstler, 1749–1750?

Von einem unbekannten Künstler, 1749–1750?

Öl auf Leinwand (73 cm × 59 cm) von einem unbekannten Künstler.

Das unsignierte und namenlose Bild wurde 1903 von Fritz Volbach (1861–1940) entdeckt.[12] Der deutsche Anatom August von Froriep stellte 1909 die Authentizität durch den Vergleich der Schädeldetails fest. Trotzdem ist die Authentizität dieses Gemäldes stark umstritten, da Bach nie das hohe Alter der dargestellten Person erreichte.[12][16]

Weitere Zweifel ergeben sich aus der Form der Perücke, die in den Jahren 1749–1750 aus der Mode war. Nur wenige Merkmale, wie Blepharochalasis (Bindegewebsveränderungen), führen zu Bach. Es handelt sich wahrscheinlich um eine unbekannte Persönlichkeit aus Leipzig und nicht um Bach.[17]

Unbekannter Künstler, 1740?

Von einem unbekannten Künstler, 1740?

Öl auf Leinwand (83 cm × 65 cm) von einem unbekannten Künstler.

Obwohl sich auf der Rückseite die Inschrift „Joh. Seb. Bach“ auf der Rückseite befand, weicht das Bild deutlich von den authentischen Porträts ab. Die Form des Kopfes und die Details des Gesichts sind völlig unterschiedlich.[11] Das Gemälde, das zu einer Privatsammlung in Berlin gehörte, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.[18]

Unbekannter Künstler, 1730–1735?

Von einem unbekannten Künstler, 1730–1735?

Öl auf Leinwand (28,2 cm × 23,1 cm) unsigniert.

Über dieses Gemälde ist wenig bekannt. Nach dem Namen der Familie, die es derzeit besitzt, wird es als Weydenhammer-Fragment bezeichnet.[19] Von einem unbekannten Künstler zwischen 1730 und 1735 gemalt, wird es aufgrund einiger Gesichtsdetails als Porträt von Johann Sebastian Bach eingeordnet.[20]

Bei dem Gemälde, das vielleicht Johann Christian Kittel, einem Schüler Bachs, gehörte, ist der Lack von der Zeit etwas abgetragen. Es war sicherlich größer, aber nur der Kopf ist erhalten. Dieser ist nicht sicher als Johann Sebastian Bach identifiziert, aber der Kunsthistoriker und Bach-Experte Teri Noel Towe sieht das Bild als authentisches Porträt an.[21]

Boetius, 1736

Kupferstich von Boetius, 1736.

Kupferstich von Christian Friedrich Boetius von 1736.

Das Bildausschnitt ist Teil eines größeren Kupferstichs, auf dem die Stadt Leipzig im Jahr 1736 dargestellt wird. Er stammt von der ersten Seite der gedruckten Liedersammlung „Singende Muse an der Pleiße“, die 1736 von Johann Sigismund Scholze veröffentlicht wurde.[22] Teri Noel Towe sieht es als reale Möglichkeit an, dass die beiden dargestellten Personen Johann Sebastian Bach und seine Frau Anna Magdalena sind.[23]

Denner, 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Balthasar Denner zugeschrieben, 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Öl auf Leinwand, dem Maler Balthasar Denner zugeschrieben, undatiert.

Auch wenn das Gemälde als Porträt von Johann Sebastian Bach mit dreien seiner Söhne galt, weist der Mann links keine Ähnlichkeit mit der Darstellung auf den als authentisch geltenden Porträts auf.[24] Der Wissenschaftler Teri Noel Towe geht davon aus, dass das Gemälde nicht die Familie Bach zeigt[25], sondern den Gambisten Christian Ferdinand Abel mit seinen Kindern.[26]

David, 1791

Gemälde von Johann Marcus David, 1791.

Öl auf Leinwand (87 cm × 65,5 cm) von Johann Marcus David, mit der Inschrift „copirt nach Haußmann 1746 / J. M. David 1791 / Ex collectione G. Pölchau 1816.“

Das 1791 entstandene Gemälde war eine Kopie der authentischen Porträts von Elias Gottlob Haussmann. Es ähnelte dem Porträt von 1746 in Bezug auf die Merkmale der Kleidung und dem Porträt von 1748 im Gesicht. Was seinen Ursprung betrifft, so könnte es von Johann Friedrich Reichardt (1752–1814) in Auftrag gegeben worden sein. Von ihm ist bekannt, dass er ein Porträt von Bach besaß. Nach ihm könnte das Gemälde an Georg Poelchau übergegangen sein. Das in Berlin erhaltene Gemälde wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.[27]

Unbekannter Künstler, 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Von einem unbekannten Künstler, 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Bleistiftzeichnung auf Papier (9,4 cm × 7,2 cm), unsigniert, mit der Inschrift „Job.Seb.Bach“ auf der Rückseite.

Diese Zeichnung wurde 1937 von Erich Fiala von einem Antiquitätenhändler in Paris gekauft und 1958 erstmals veröffentlicht.[28] Sie wurde aufgrund der Gesichtsmerkmale als authentisch angesehen. Andere hingegen stellen in Frage, ob darauf wirklich Johann Sebastian Bach abgebildet ist. Die Zeichnung wird derzeit in Fialas Privatsammlung in Wien aufbewahrt.[29]

Commons: Porträts von Johann Sebastian Bach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • The Face of Bach. Archiviert vom Original am 29. Oktober 2001; abgerufen am 8. Dezember 2013 (englisch).

Einzelnachweise

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