Johann Jakob Weitbrecht (Typograf)
deutscher Typograph und Verleger in St. Petersburg
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Johann Jakob Weitbrecht (russisch Иван Иванович Вейтбрехт (Iwan Iwanowitsch Weitbrecht); * 1744 in Sankt Petersburg; † 3. Mai 1803 in Sankt Petersburg) war ein deutscher Typograph, Musikalienhändler und Verleger sowie Hoflieferant in Sankt Petersburg.
Biografie
Johann Jakob Weitbrecht stammte aus der Schorndorfer Linie der Familie Weitbrecht ab und war der Sohn des in St. Petersburg wirkenden Anatoms Josias Weitbrecht. Nach dem frühen Tod seines Vaters zog er zu seinem gleichnamigen Onkel (* 1713) nach Greifswald, der sich dort als Buchhändler niedergelassen hatte. Dabei hatte dieser es zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gebracht und gute Verbindungen zu zahlreichen europäischen Kollegen aufgebaut. Das prägte auch Johann Jakob junior, der daraufhin entschied, im Jahre 1765 wieder nach St. Petersburg zu ziehen, um dort ebenfalls als Buchhändler und Typograph tätig zu werden. In St. Petersburg gehörten er wie seine zwei Schwestern und drei Brüdern zu den in jener Zeit annähernd 50.000 Deutschen Einwohnern. Sein Bruder Karl Ernst Weitbrecht (1747–1797) war dort mittlerweile ebenfalls als Typograph tätig und es kann durchaus denkbar sein, dass dessen Kontakte vor Ort es ermöglicht haben, dass auch Johann Jakob Weitbrecht in diesem Beruf Fuß fasste.
Er übernahm zunächst die Leitung des ausländischen Buchladens an der Russischen Akademie der Wissenschaften und eröffnete drei Jahre später sein eigenes Geschäft für Typographie und Buchhandel am Newski-Prospekt, einer schon damals bedeutenden Prachtstraße in St. Petersburg. Schnell erwarb sich Weitbrecht den Ruf eines erfahrenen Buchhändlers und Fachmannes für Antiquitäten und wurde daraufhin 1775 in den Rang eines Hofbuchhändlers gestellt.
Den größten Teil seines Sortiments umfassten Bücher sind von der freien Wirtschaftsgesellschaft in Auftrag gegeben worden. Zusätzlich betätigte er sich wie die anderen in St. Petersburg niedergelassenen ausländischen Typographen und Buchhändler zunehmend mit den Druck und der Herausgabe musikalischer Werke und musikwissenschaftlicher Fachliteratur für eine kulturhungrige Mittel- und Oberschicht. Dazu betrieb er noch Handel mit Musikinstrumenten, technischem Zubehör, Schreib- und Notenpapier und sonstigen Artikeln des täglichen Bedarfs sowie mit topographischen und militärischen Karten. In seinen Musikalienhandlungen wurden ferner Theater- und Konzertkarten verkauft sowie Privatlehrer und Erziehungsanstalten vermittelt. Hierdurch gehörte Weitbrecht zu denjenigen, die das Musikverlagswesen in Russland maßgeblich mit aufgebaut hatten.
Im Jahr 1776 gründete er zusammen mit dem aus Holstein stammenden und seit 1770 ebenfalls in St. Petersburg tätigen Verleger und Typographen Johann Karl Schnoor (1738–1812) die Privattypographie „Weitbrecht & Schnoor“, die beide im Jahr 1778 um eine Filiale in Moskau erweiterten. Im Jahre 1781 stellte Weitbrecht seinen Partner Schnoor frei, damit dieser den Leiter der Senatstypographie Bernhard Theodor Breitkopf (1749–1820), Sohn des Leipziger Musikverlegers Johann Gottlob Immanuel Breitkopf, maßgeblich bei seiner Arbeit unterstützen konnte. Johann Jakob Weitbrecht führte seine Geschäfte nun alleine weiter und baute seine Kontakte zu Regierungsbehörden und zu bedeutenden Privatpersonen aus.
Infolge eines Erlasses der Zarin Katharina II. vom 27. August 1784, die eine Konzession zur Errichtung einer Privatdruckerei für den Druck russischsprachiger Schriften beinhaltete, gründete Weitbrecht schließlich die Kaiserliche Typographie für die Bedürfnisse des Kaiserlichen Kabinetts und des Außenkollegiums. Damit war es Weitbrecht möglich geworden, seine Angebotspalette deutlich zu erweitern. Weiterhin druckte und verlegte Weitbrecht zwischen 1785 und 1794 das „Journal de la musique“ für Klavier mit jeweils 13 Musikstücken pro Heft. Nach seinem Tod im Jahre 1803 wurde seine Privatdruckerei noch bis 1814 aufrechterhalten.
Literatur
- Gennadij Fafurin: Der Verleger und Buchhändler Johann Jakob Weitbrecht (russ.), in: Norbert Franz und Ljuba Kirjuchina (Hrsg.): St. Petersburg – der akkurate Deutsche; Peter Lang-Verlag, Frankfurt a. M., 2006; ISBN 978-3-631-55041-0
Weblinks
- Felix Pourtov: Das Publikum der deutschen Musikalienhandlungen in St. Petersburg vom Ende ds 18. Jahrhunderts bis zum ersten Viertel des 19. Jahrhunderts - Biografie Weitbrecht auf S. 58/59
- Johann Jakob Weitbrecht Personal-Daten in der Erik-Amburger-Datenbank der Ausländer im Russländischen Reich des Leibniz-Instituts für Ost und Südost-Europaforschung
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weitbrecht, Johann Jakob |
| ALTERNATIVNAMEN | Weitbrecht, Iwan Iwanowitsch; Вейтбрехт, Иван Иванович |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Typograph und Verleger in St. Petersburg |
| GEBURTSDATUM | 1744 |
| GEBURTSORT | Sankt Petersburg |
| STERBEDATUM | 3. Mai 1803 |
| STERBEORT | Sankt Petersburg |