Josef Bryks
tschechischer Jagdflieger und Pilot
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Josef Bryks MBE (* 18. März 1916; † 11. August 1957) war ein tschechoslowakischer Kampfpilot, Widerstandskämpfer, Kriegsgefangener und politischer Gefangener.

Leben
Familie und Ausbildung
Josef Bryks wurde 1916 in Lašťany geboren, einem Dorf etwa 12 Kilometer nordöstlich von Olmütz in Mähren. Seine Eltern František und Anna (geb. Nesvetrová) waren Bauern. Bryks war das siebte von acht Kindern, von denen jedoch nur vier das Erwachsenenalter erreichten. Bryks studierte an der Handelsakademie in Olmütz und legte im Juni 1935 seine Matura (Abitur) ab. Im Oktober 1935 trat Bryks in die tschechoslowakische Armee ein.
Jagdflieger bei der Royal Air Force, zwei Kriegsgefangenschaften und Fluchten
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges floh er 1940 vor der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei und schloss sich der Freiwilligen-Reserve der Royal Air Force an. 1941 wurde er über dem von Deutschland besetzten Frankreich abgeschossen. Er kam in das Offizierslager VI B bei Warburg, aus dem er am 20. April 1942 durch einen selbst gegrabenen Tunnel fliehen konnte. Auf dem Weg in die Schweiz wurde er nach neun Tagen bei Eberbach gefasst und zurück in das Lager gebracht. Trotz Verlegung in eine Gefängniszelle gelang ihm eine zweite Flucht, die jedoch mit einer Verhaftung durch Flaksoldaten am 8. September 1942 während der Luftangriffe auf Karlsruhe endete. Als bekannter Flüchtling wurde er in das Gefangenenlager Oflag XXI-B bei Szubin (im heutigen Polen) verlegt. Er entkam im März 1943 aus der Gefangenschaft, indem er sich in einem Güllefass versteckte, das ein polnischer Bauer aus dem Lager transportierte.

Flucht nach Warschau, erneute Kriegsgefangenschaften
Nach seiner Flucht machte er sich mit Otakar Černý, einem weiteren tschechischen Jagdflieger, der aus dem Gefangenenlager XXI-B durch einen Tunnel geflohen war, auf den Weg nach Warschau. Dort kamen sie mit der Führung der größten von den Briten unterstützten Untergrundorganisation, der Polnische Heimatarmee, in Kontakt. Bryks arbeitete einen Monat lang als Schornsteinfeger, und beide beteiligten sich am Widerstand. Unter anderem half er dabei, jüdische Widerstandskämpfer im Warschauer Ghettoaufstand mit Vorräten zu versorgen. Einer der Offiziere teilte ihnen mit, dass ein britisches Flugzeug landen solle, um sie abzuholen und nach England zu bringen. Aufgrund des Verrats eines polnischen Widerstandskämpfers wurden die beiden Flieger jedoch am 2. Juni 1943 verhaftet und ins Pawiak-Gefängnis gebracht. Bryks wurde während der Verhöre brutal geschlagen und grausam gefoltert. Einer der Vernehmer im Dienst der SS stach ihm sogar mit einem Dolch in die rechte Leiste, und er erlitt außerdem eine Verletzung des linken Trommelfells, die zu einem schweren und bleibenden Hörverlust führte Schließlich wurden die beiden tschechischen Flieger nach zwei Monaten in das Stalag Luft III-Lager in der Nähe der oberschlesischen Stadt Sagan verlegt. Bryks beteiligte sich auch hier am Bau geheimer Fluchttunnel. Doch bei der größten Flucht alliierter Flieger im Zweiten Weltkrieg am 24./25. März 1944 gelang ihm das Entkommen aus dem Gefangenenlager nicht. Geplant war die Flucht von bis zu 220 Mann, doch als 76 von ihnen entkommen waren, wurde die Aktion von den Wachen entdeckt. Bryks befand sich noch im Tunnel und konnte umgehend ins Gebäude zurückkehren. Später wurde er in das Oflag IV-C im Schloss Colditz eingewiesen, wo er bis zur Befreiung durch die US-Armee 1945 blieb.
Zwangsarbeiter unter der neuen kommunistischen Regierung
1945 kehrte Bryks in die Tschechoslowakei zurück und nahm seine Karriere bei der tschechoslowakischen Luftwaffe wieder auf. Nach dem Februarumsturz 1948 wurden Bryks und viele andere Offiziere, die in freien tschechoslowakischen Einheiten unter französischem oder britischem Kommando gedient hatten, von der neuen kommunistischen Regierung nach Schauprozessen aus dem Dienst entlassen. 1949 wurde Bryks zu 10 Jahren Haft verurteilt. Sein Rang und seine Orden wurden entzogen. 1950 wurden zu seiner ursprünglichen Strafe 20 Jahre Zwangsarbeit und eine hohe Geldstrafe hinzugefügt. 1952 kam er in ein Arbeitslager, wo er gezwungen wurde, in einer Uranmine zu arbeiten. 1957 starb er in einem Gefängniskrankenhaus an einem Herzinfarkt.
Nach dem Ende der kommunistischen Diktatur durch die Samtene Revolution 1989 wurde Bryks posthum rehabilitiert.

Ehrungen und Auszeichnungen
Bryks wurde mit mehreren britischen und tschechoslowakischen Auszeichnungen geehrt.
UK Ehrungen:
- Member of Order of the British Empire (MBE)
- 1939–1945 Star
- Air Crew Europe Star
- War Medal 1939–1945.
Tschechische Ehrungen:
- Czechoslovak War Cross 1939-1945 – three times
- Československá medaile Za chrabrost před nepřítelem ("Czechoslovak Medal For Gallantry in the Face of the Enemy") – twice
- Československá medaile Za zásluhy I. stupně ("Czechoslovak Military Medal for Merit, 1st class")
- Pamětní medaile čs. zahraniční armády ("Commemorative Medal of the Czechoslovak Army Abroad") with bars for Great Britain and France
Literatur
- Trudie Bryksová: Naděje a beznaděje, Praha, 2003, ISBN 80-7220-154-9
- Luděk Navara, Miroslav Kasacek, Na útěku – neuvěřitelný příběh Josefa Brykse, načetl David Novotný, vydala Audiotéka, 2017
- Jiří Padevět: Komunistické lágry, Praha: Academia 2019. ISBN 978-80-200-2977-5
- Alan Brown: Airmen in Exile, The Allied Air Forces in WWII Sutton Publishing ISBN 0-7509-2012-2
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bryks, Josef |
| KURZBESCHREIBUNG | tschechoslowakischer Kavallerist, Kampfpilot, Kriegsgefangener und politischer Gefangener |
| GEBURTSDATUM | 18. März 1916 |
| STERBEDATUM | 11. August 1957 |