Joseph Haupt
Seit 1878 Leiter der Handschriftenabteilung der Kaiserlich-Königlichen Hofbibliothek; seit 1880 wirkliches Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
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Joseph Haupt (auch Josef Haupt; * 29. Juli 1820 in Czernowitz; † 22. Juli 1881 in Wien) war ein österreichischer Bibliothekar und Handschriftenforscher.[1]
Leben und Wirken
Nach seiner Reifeprüfung 1839 am Akademischen Gymnasium in Wien studierte Joseph Haupt von 1841 bis 1842 Logik und Physik an der Universität Wien, verließ die Universität jedoch wieder und arbeitete von 1839 bis 1851 in Wien als Privatlehrer. Als Autodidakt bildete er sich weiter. Außerdem unternahm er eine längere Archivreise in Deutschland. 1851 begann er als „Hilfsarbeiter“ an der Hofbibliothek Wien und war dort bis zu seinem Tod 1881 tätig, zunächst längere Zeit als Sekretär bzw. „Scriptor“. Im Jahre 1873 wurde er Vorstand der dortigen Handschriftenabteilung und amtierte von 1875 bis 1881 als „4. Custos“ dieser Bibliothek. 1870 wurde er korrespondierendes, 1880 Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien.
In seinen Veröffentlichungen, die vor allem in den Schriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien erschienen, beschäftigte sich vor allem mit der mittelhochdeutschen Literatur und ihren Handschriften.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die Legende von der Heiligen Maria Magdalena. In: Sitzungsberichte der philos.-histor. Classe der Kais. Akademie der Wissenschaften, Bd. 34 (1860), S. 280–306.
- Albungen-Lied. Ein episches Gedicht aus der deutschen Sage in zwölf Gesängen. Lechner, Wien 1861.
- (Red.): Tabulae codicum manu scriptorum praeter Graecos et orientales in Bibliotheca Palatina Vindobonensi asservatorum. 7 Teilbände [Cod. 1-15.500]. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, Wien 1864–1875; Neudruck Graz 1965
- (Hrsg.): Das Hohe Lied. Übers. von Willeram, erkl. von Rilindis und Herrat, Äbtissinen zu Hohenburg im Elsasz (1147–1196). Aus der einzigen Hs. der K.K. Hofbibliothek zu Wien hrsg. von Josef Haupt. Braumüller, Wien 1864.
- Das goldene Psalterium der k. k. Hofbibliothek. In: Mittheilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, Bd. 11 (1866), S. 27–38.
- Untersuchungen zur deutschen Sage. Bd. 1: Untersuchungen zur Gudrun. Gerold, Wien 1866.
- Das Spott-Crucifix im kaiserlichen Palaste zu Rom. In: Ebd., Bd. 13 (1868), S. 150–168.
- Über das mitteldeutsche Buch der Väter. Gerold, Wien 1871.
- Bruder Philipps Marienleben. In: Sitzungsberichte der phil.-hist. Classe d. Kais. Akademie d. Wiss., Bd. 68 (1871), S. 157–218.
- Philippi liber de terra sancta oder Hertels von Liechtenstein Pilgerbüchlein deutsch von Leupolt Augustiner Lesemeister. In: : Österreichische Vierteljahrschrift für katholische Theologie, Bd. 4 (1871), S. 511–540.
- Über das mitteldeutsche Buch der Märtyrer. Gerold, Wien 1872.
- Ueber das mitteldeutsche Arzneibuch des Meisters Bartholomaeus (= Sitzungsberichte der phil.-hist. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften Bd. 71), Wien 1872, S. 451–566 (Digitalisat).
- Hartung von Erfurt. In: Sitzungsberichte der phil.-hist. Classe d. Kais. Akademie d. Wiss., Bd. 94 (1879), S. 235–334.
- Von dem Verhältnisse der Dichtung und Geschichte nach Aristoteles. In: Almanach der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Jg. 1881, S. 213–225.
Literatur
- Franz Unterkircher: Haupt, Joseph. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 100–101 (deutsche-biographie.de).