Julian Nyča
sorbischer Slawist und Kulturwissenschaftler
From Wikipedia, the free encyclopedia
Julian Nyča (deutsch Julian Nitzsche; * 17. November 1988 in Bautzen) ist ein sorbischer Slawist, Kulturwissenschaftler, Sprachaktivist und Wikipedia-Autor.

Leben
Nyča wuchs in seiner Geburtsstadt Bautzen auf, dort besuchte er das Schiller-Gymnasium Bautzen. 2003, 2004 und 2005 gewann er den Geografie-Schülerwettbewerb National Geographic Deutschland,[1][2] 2003 belegte er als Teil des deutschen Teams bei der National Geographic World Championship den zweiten Platz.[3] In seiner Jugend erlernte er die obersorbische Sprache als Autodidakt. Nach dem Abschluss seines Abiturs absolvierte Nyča ab 2008 ein Studium der Slawistik und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin.[4]
Seit 2010 ist Nyča Mitglied des Vorstandes im Soziokulturzentrum Steinhaus in Bautzen, kommunalpolitisch engagiert er sich für Bündnis 90/Die Grünen.[5] Von 2015 bis 2023 war Nyča Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung für das sorbische Volk und gehört seit Januar 2020 dem Rat für sorbische Angelegenheiten des Freistaates Sachsen an.[6][7]
Nyča forscht zu europäischer Sprachenpolitik, der Digitalisierung kleiner Sprachen und rechtsextremen Tendenzen in der Lausitz.[5][8] Er setzt sich sprachpolitisch vor allem für die Entwicklung der Zweisprachigkeit im öffentlichen Raum sowie die Präsenz des Sorbischen in der digitalen Welt ein. Seit 2004 engagiert er sich ehrenamtlich in der Wikipedia und ist dabei unter anderem als Autor, Fotograf und Administrator in der deutschsprachigen und obersorbischen Wikipedia aktiv. Darüber hinaus hat er auf OpenStreetMap maßgeblich zum Aufbau einer obersorbischen Variante und so zur Sichtbarkeit sorbischer Ortsnamen beigetragen.[9] Von 2019 bis 2023 war er am Aufbau des ersten sorbisch-deutschen Online-Übersetzers sotra beteiligt.[10] Seit 2023 ist er im sorbischen Revitalisierungsprojekt ZARI der Domowina als Projektleiter für den Bereich Sprachbildung verantwortlich.[11] Zudem setzte er sich maßgeblich für zweisprachige Ansagen auf den Buslinien im gesamten sorbischen Siedlungsgebiet ein.[12][13][14] Für „seine besonderen Verdienste bei der Etablierung der sorbischen Sprache und der Vermittlung von Wissen über die Sorben in den digitalen Medien“[15] erhielt er im Oktober 2025 den Ćišinski-Förderpreis der Stiftung für das sorbische Volk.[16]
Weblinks
- Literatur von Julian Nyča im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek