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Karl H. Lampe

deutscher Lehrer, Historiker und Genealoge From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Heinrich Lampe (* 13. Dezember 1886 in Berlin; † 28. September 1970 in Hannover), kurz Karl H. Lampe beziehungsweise K. H. Lampe, war ein deutscher Studienrat, Historiker und Genealoge, der in Neuruppin wirkte und schwerpunktmäßig zum Deutschen Orden forschte, aber auch heimatkundliche Arbeiten und genealogische Untersuchungen, unter anderem zur Familie Lampe, veröffentlichte.

Leben

Frühes Leben und Ausbildung

Karl Heinrich Lampe wurde am 13. Dezember 1886[1] als Sohn des Gymnasiallehrers August Lampe[2] und Alma Dorothea Lampe (geb. Helmcke)[3] in Berlin geboren. Dort beschloss er seine Schulbildung am Sophien-Realgymnasium. In Jena begann er im Jahr 1907 ein Studium mit historischem Schwerpunkt, studierte ebenfalls teilweise in Berlin und promovierte 1911 an der Universität Jena zum Dr. phil. Seine Dissertation trug den Titel Die bäuerlichen Ministerialen des 14. bis 16. Jahrhunderts im Erzbistum Magdeburg. Im Folgejahr absolvierte er das Staatsexamen für das höhere Lehramt in den Fächern Deutsch, Geschichte und evangelische Religion.[2]

Werdegang

Noch 1911 war er maßgeblich an den Gründungen des Periodikums „Beiträge zur Geschichte der Familien Lampe und verwandter Familien“ und im Jahr 1913 des „Verband[s] der Familien Lampe und verwandter Familien“ beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab er Herausgeberschaft beim Einen und Vorsitz beim Anderen ab. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs meldete Lampe sich freiwillig zum Militär und diente, bis er 1916 während der Schlacht an der Somme „ausscheiden mußte“. Danach wurde er 1918 Lehrer in Neuruppin. In der brandenburgischen Garnisonsstadt widmete er seine Zeit – neben Arbeit und der schreibenden Tätigkeit – Vereinen und als Parteiloser dem Stadtrat. Der Zweite Weltkrieg, an dem er nicht teilnahm, führte zur Zerstörung von großen Teilen seines Besitzes, inklusive seiner Bibliothek und umfassender Sammlungen. Am 28. September des Jahres 1970 starb Lampe in Hannover, nachdem er vom Ulmer Archivtag zurückgekehrt war.[2]

Zeitlebens verfasste er eine Reihe von sowohl genealogischen und heimatkundlichen Schriften als auch historischen Arbeiten, insbesondere zum Deutschen Orden, mit dem er sich zum Ende seines Lebens fast ausschließlich befasste.[2] Für seine Forschungsvorhaben über den Orden konnte er mehrfach Reisebeihilfen (1927, 1931 und 1942; sowie einen Druckkostenzuschuss 1931) der Deutschen Forschungsgemeinschaft erwirken.[4] Neben der forschenden Beschäftigung mit der Ordensgemeinschaft verband Lampe eine beinahe fünfzigjährige Freundschaft mit deren Hochmeister Marian Tumler. Darüber hinaus wurde er mit der Verdienstmedaille des Ordens ausgezeichnet.[2]

Lampe war Mitglied der ATV Gothania Jena. Für die Turnverbindung gab er in den Jahren 1913 und 1927 zwei Bücher heraus. Das erste war eine Festschrift zur Hausweihe des „Gothanenhauses“ in der Wöllnitzer Straße 7[5] (heute ein Standort des Lehrstuhls für Hydrogeologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena[6]) und das zweite Werk war eine Betrachtung der im Weltkrieg gefallenen Mitglieder.[7]

Familie

Karl H. Lampe war mit Helene Lampe, geb. Reckling, aus Berlin-Konradshöhe verheiratet, gegen die er 1937/1938 eine Ehescheidungsklage anstrengte.[8] Die unter gleichnamigem Pseudonym schreibende Schriftstellerin Helene Reckling[9] ist seine Urenkelin.[3]

Werk

Lampe veröffentlichte eine Vielzahl selbständiger Werke, Zeitschriften- und Zeitungsbeiträge[2] sowie weiterhin mehrere Artikel für die Altpreußische Biographie (u. a. zu Berthold von Nordhausen, Poppo von Osterna und Heinrich Reuß von Plauen) und die Neue Deutsche Biographie (u. a. zum Deutschmeister Konrad von Gundelfingen und Adalbert von Pommern).[10] Seinen Aufsatz Die europäische Bedeutung des Deutschen Ordens (1951) betrachtet Udo Arnold als „fast schon programmatisch“ für die Auseinandersetzung Lampes mit dem Deutschen Orden, da er sich statt mit dem Deutschordensstaat selbst, intensiver mit den verschiedenen Balleien des Ordens befasste. Im Vorwort zu Lampes posthum veröffentlichten Bibliographie des Deutschen Ordens bis 1959 (erschienen 1975) beleuchtet er das Gesamtwerk Lampes: „[...] es gibt kaum eine Ballei, zu deren Geschichte er keinen Beitrag lieferte. Es war ihm durchaus nicht immer möglich, abschließende Darstellungen und Urteile zu liefern; doch er verstand es immer wieder, durch interessante Themenwahl andere zur Beschäftigung anzureizen, und sei es nur über den Weg des Widerspruchs.“[2]

In seiner Rezension zum Urkundenbuch der Deutschordensballei Thüringen (1936) lobte Erich Maschke das Werk zwar dafür, dass mit der Edition der Urkunden eine Lücke in der Quellenlage der Deutschordens- und der thüringischen Geschichte geschlossen werden konnte, kritisierte aber eine gewisse Fehleranfälligkeit in von ihm untersuchten Stichproben.[11] Weitere Rezensionen erschienen von Hermann Nottarp,[12] Friedrich Lütge,[13] Wilhelm Engel[14] und Hans Hirsch.[15]

Die Bibliographie des Deutschen Ordens bis 1959 als „wichtiges Hilfsmittel der Forschung“[16] entstand ursprünglich aus den persönlichen Aufzeichnungen Lampes. Nach dem Setzen, während des Druckes, stellte sich bei der Untersuchung eines Spezialthemas heraus, dass die Zuverlässigkeit der Lampeschen Notizen – beispielsweise was die genaue Schreibung von Titeln betraf – nicht vollständig den Anforderungen an eine Bibliographie entsprach, weshalb ein Teil dieser Schriften von Klemens Wieser OT durch Autopsie überprüft wurde. Das betraf jene Publikationen, die nicht aus der Bibliographie von Ernst Wermke übernommen waren oder durch das Deutsche Bücherverzeichnis nachvollzogen werden konnten. Dieses Vorgehen hatte zur Folge, dass sich die Veröffentlichung, die schon Anfang der 1960er wegen fehlender Geldmittel ins Stocken geraten war, weiter verzögerte und erst fünf Jahre nach Lampes Tod erreicht wurde.[17]

Sein wissenschaftlicher Nachlass lagert im Dahlemer Geheimen Staatsarchiv und wird zurzeit im Zuge des EU-Interreg-Projekts „Kulturelles Erbe des Vogt- und Egerlandes“ bearbeitet.[18]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Familie Lampe: Beiträge zu einer Familiengeschichte, zugl. Streiflichter über den altmärkischen Bauern- u. Lehrerstand in früheren Zeiten. A. Lampe, Berlin 1910.
  • Die bäuerlichen Ministerialen des 14. bis 16. Jahrhunderts im Erzbistum Magdeburg. Dissertation Universität Jena. Teilw. Baensch, Magdeburg 1910;[19] vollst. in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, Baensch, Magdeburg 1911.
  • Ernst Lampe: Aus Danzigs schweren Tagen. Tagebuch geführt während und nach der Rußischen Belagerung von Danzig, Anno 1813, gesamlet von einem Belagerten. Herausgeberschaft und Anmerkungen von Karl H. Lampe. Kurt Schroeder Verlag, Bonn und Leipzig 1920.
    • polnisch: Wspomnienia trudnych dni Gdańska. Gdański Kantor Wydawniczy, Gdańsk 2025, ISBN 978-83-68470-00-0.
  • Das Bäckergewerk der Stadt Neuruppin. Selbstverlag des Historischen Vereins der Grafschaft Ruppin, Neuruppin 1927.[20]
  • als Hrsg.: Urkundenbuch der Deutschordensballei Thüringen. Gustav Fischer, Jena 1936.
  • Mitarbeit an und später Neubearbeitung sowie Ergänzung von Wilhelm Weidler und Paul Arnold Grun: Latein für den Sippenforscher. C. A. Starke, Görlitz 1939; 2. Auflage in 2 Bänden, C. A. Starke Verlag, Limburg 1965/1969.
  • Die europäische Bedeutung des Deutschen Ordens. In: Blätter fūr deutsche Landesgeschichte. 88, 1951, S. 110–149.
  • mit Kurt von Laffert: Geschichte des Geschlechts von Laffert. Kommission Heinz Reise-Verlag, Göttingen 1957.
  • Das Zins- und Gült-Register der Deutschordenskommende Prozelten von 1379. Bearbeitet von Karl H. Lampe. Schöningh, Würzburg 1965.
  • Bibliographie des Deutschen Ordens bis 1959. Bearbeitet von Klemens Wieser OT. Verlag Wissenschaftliches Archiv, Bonn 1975.

Einzelnachweise

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