Karlheinz Messelken

deutscher Soziologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Karlheinz Robert Messelken (* 4. September 1933 in Witzhelden) ist ein deutscher Soziologe und ehemaliger Hochschullehrer an der Universität der Bundeswehr in Hamburg.

Studium

Messelken studierte 1954 zwei Semester Rechtswissenschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main und wechselte dann zum neugeschaffenen Studiengang Soziologie an der philosophischen Fakultät. In den Jahren 1955 und 1956 studierte er an der Pariser Sorbonne und besuchte dort Vorlesungen von Maurice Duverger über das Parteienwesen in der Wählerdemokratie und von Raymond Aron über das Wesen des Krieges. Unter dem Eindruck der Geheimrede Nikita Chruschtschows auf dem 20. Parteitag der KPdSU über die Verbrechen Stalins hoffte Messelken auf eine baldige Verwandlung der DDR von einer bolschewistischen Diktatur in einen sozialistischen Rechtsstaat. In dieser Erwartung immatrikulierte sich Messelken zum Wintertrimester 1956 an der ostberliner Humboldt-Universität. Im Zuge der Restalinisierung nach dem ungarischen Volksaufstand wurde Messelken am 8. März 1958 er vom Staatssicherheitsdienst der DDR verhaftet und am 4. September 1958 zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe wegen „fortgesetzter Propaganda und Hetze im schweren Fall“ verurteilt. Noch vor dem Mauerbau in Berlin entlassen, konnte er sich in die Bundesrepublik absetzen, in Frankfurt sein Soziologiestudium fortführen und es 1964 beenden.

Wissenschaftliche Qualifikation und Tätigkeiten

Im Anschluss war er einige Monate in der von Hans Matthöfer geleiteten Abteilung Bildungsarbeit der IG Metall in Frankfurt tätig. Von dort wechselte er nach Dortmund, wo er als wissenschaftlicher Assistent an der Sozialforschungsstelle der Universität Münster beschäftigt war. Im Jahr 1967 promovierte ihn die Westfälische Wilhelms-Universität mit dem Prädikat magna cum laude zum Dr. phil. und erteilte ihm erste Lehraufträge. 1968 trat er eine Dozentenstelle an der Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik an. Im Jahre 1973 erfolgte seine Habilitation für das Fach Soziologie an der Universität Bielefeld. 1974 wurde er auf eine Professur für Soziologie an der Universität der Bundeswehr in Hamburg berufen und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1998.

Forschungsschwerpunkte

Messelken publizierte über die ganze Breite der soziologischen Theorie und beschäftigte sich mit der soziologischen Entwicklung in Ost- und Südosteuropa.

Schriften (Auswahl)

  • Zur Rolle von Semiotik und Kybernetik in der marxistischen Philosophie. Eine wissenssoziologische Fallstudie. In: Soziale Welt, Bd. 16 (1965), S. 289–308.
  • Politikbegriffe der modernen Soziologie. Eine Kritik der Systemtheorie und Konflikttheorie – begründet aus ihren Implikationen für die gesellschaftliche Praxis (= Beiträge zur soziologischen Praxis, Bd. 2). Westdeutscher Verlag, Köln/Opladen 1968 (Dissertation Universität Münster, 2. Aufl. 1970).
  • Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbewegung. Zu ihrer Standortverkehrung im Gefolge der Volkspartei-Entwicklung der SPD. In: Hamburger Jahrbuch für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, Bd. 15 (1970), S. 226–252.
  • Inzesttabu und Heiratschancen. Ein Versuch über archaische Institutionenbildung (= Soziologische Gegenwartsfragen, N.F., Bd. 40). Enke, Stuttgart 1974, ISBN 3-432-02041-4.
  • Die politische Ökonomie des Parlamentarismus. In: Hamburger Jahrbuch für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, Bd. 19 (1974), S. 245–269.
  • Die struktural-funktionale Konzeption des politischen Systems: Talcott Parsons. In: Wilfried Röhrich u. a.: Neuere politische Theorie. Systemtheoretische Modellvorstellungen (= Erträge der Forschung, Bd. 40). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1975, S. 26–62, ISBN 3-534-06438-0.
  • Vergemeinschaftung durchs Essen. Religionssoziologische Überlegungen zum Abendmahl. In: Manfred Josuttis/Gerhard Marcel Martin (Hrsg.): Das heilige Essen. Kulturwissenschaftliche Beiträge zum Verständnis des Abendmahls. Kreuz-Verlag, Stuttgart 1980, S. 41–57, ISBN 3-7831-0614-1.
  • Die Verhaltenstheorie. In: Günter Endruweit (Hrsg.): Moderne Theorien der Soziologie. Enke, Stuttgart 1983, S. 135–213, ISBN 3-432-25271-4.
  • Der Reiz des Schönen. Zu Gehlens ästhetischer Theorie. In: Helmut Klages (Hrsg.): Zur geisteswissenschaftlichen Bedeutung Arnold Gehlens. Duncker & Humblot, Berlin 1994, S. 639–663, ISBN 3-428-07454-8.
  • Verspätungen im Prozeß der Nationenbildung. Zur Situation in Osteuropa. In: Bálint Balla u. a. (Hrsg.): Zu einer Soziologie des Postkommunismus. Lit. Münster 1994, S. 96–111, ISBN 3-8258-2349-0.
  • Strukturähnlichkeiten zwischen Archaik und Moderne. Evolutionstheorie gegen den Strich gebürstet. In: Bálint Balla u. a. (Hrsg.): Soziologie und Geschichte, Geschichte der Soziologie. Beiträge zur Osteuropaforschung. Krämer, Hamburg 1995, S. 41–79, ISBN 3-926952-94-6.
  • Tüchtigkeit und Tugenden. In: Uwe Hartmann u. a. (Hrsg.): Der Soldat in einer Welt im Wandel. Ein Handbuch für Theorie und Praxis. Olzog, München 1995, S. 276–286, ISBN 3-7892-8250-2.
  • Archaik und Moderne im Kommunismus und im Postkommunismus. Zur Realdialektik von revolutionären Transformationen. In: Bálint Balla (Hrsg.): Zusammenbruch des Sowjetsystems. Herausforderung für die Soziologie. Krämer, Hamburg 1996, S. 19–50, ISBN 3-89622-006-3.
  • Modernisierung und Wohlfahrt. Die Perspektiven Südosteuropas. In: Anneli Ute Gabanyi (Hrsg.): Sozialstruktureller Wandel, soziale Probleme und soziale Sicherung in Südosteuropa (= Südosteuropa-Studien, Bd. 65). Südosteuropa-Gesellschaft, München 2000, S. 31–63, ISBN 3-925450-86-6.
  • "Gewaltstrukturen und strukturelle Gewalt. Funktionale Analyse eines historischen Gegenstands". In: Horst Pöttker und Thomas Meyer (Hrsg.) Kritische Empirie. Lebenschancen in den Sozialwissenschaften. Festschrift für Rainer Geißler Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14106-6.
  • Worin die UNO Utopie ist und bleiben wird. Konfliktsoziologische Überlegungen. In: Jürgen Delitz (Hrsg.): Institutionen und sozialer Wandel. Festschrift für Klaus Plake zum 60. Geburtstag. Krämer, Hamburg 2004, S. 101–132, ISBN 3-89622-069-1.
  • Vier Jahrzehnte im Streit mit dem Zeitgeist. Wissenschaftliche Aufsätze und Essays (= Buchreihe Land-Berichte, Bd. 19). Shaker, Düren 2021, ISBN 978-3-8440-8189-3.

Festschrift

  • Anton Sterbling (Hrsg.): Zeitgeist und Widerspruch. Soziologische Reflexionen über Gesinnung und Verantwortung ; Herrn Professor Karlheinz Messelken zum sechzigsten Geburtstag. Krämer, Hamburg 1993, ISBN 3-926952-80-6.

Literatur

  • Wolfgang Teckenberg u. a.: Internationales Soziologenlexikon. Bd. 2: Beiträge über lebende oder nach 1969 verstorbene Soziologen. 2. Aufl. Enke, Stuttgart 1984, S. 572f., ISBN 3-432-90702-8.
  • Karlheinz Messelken: Die Mythen des 20. Jahrhunderts. Rasse, Klasse, Umwelt. (Abschiedsvorlesung, gehalten am 22. Juni 1998). Universität der Bundeswehr, Hamburg 1998 (darin u. a. Laudatio Karlheinz Messelken von Klaus Plake, S. 14–24).
  • Peter Ruben und Camilla Warnke: Aktenzeichen I/176/58, Strafsache gegen Langer u. a. Ein dunkles Kapitel aus der Geschichte der DDR-Philosophie. Akademische Verlagsanstalt Leipzig 2021, ISBN 978-3-946281-12-2

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