Keswick-Bewegung
Organisation
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Die Keswick-Bewegung (englisch Keswick Convention) ist ein jährliches überkonfessionelles Treffen evangelikal gesinnter Christen der Heiligungsbewegung im englischen Ort Keswick in der nordenglischen Grafschaft Cumbria.
Geschichte
Vorläufer der Keswick-Bewegung waren die Erweckungsbewegung des Réveil in der Schweiz ab 1814, die Gründung der Evangelischen Allianz 1846 und der English Mildmay Conference, die 1856 von William Pennefather ins Leben gerufen wurde.[1] Die geistliche Ausrichtung der Keswick-Bewegung war vorwiegend von der englischen Heiligungsbewegung des 19. Jahrhunderts geprägt und wurzelte theologisch in der wesleyanischen Heiligkeitslehre des Methodismus und des amerikanischen Juristen, Evangelisten und Predigers Charles Grandison Finney.
Sie besteht vornehmlich aus Bibelkursen und Vorträgen zur Förderung der „Heiligung durch Glauben“.[2] Das erste Treffen fand 1874 auf Anregung von Robert Pearsall Smith und seiner Frau Hannah Whitall Smith, Autorin von The Christian’s Secret of a Happy Life, in Broadlands statt. Darauffolgende Treffen fanden dann 1874 in Oxford und 1875 in Brighton statt.[3] Seit 1875 (ausgenommen die Jahre 1939 bis 1945) findet die Zusammenkunft jährlich in Keswick statt. Das erste Treffen dort wurde vom Vikar der St John’s Church, Thomas Harford-Battersby, und seinem Freund Robert Wilson organisiert, es nahmen 300 bis 400 Zuhörer teil.[4]
Nach dem Ehepaar Smith waren die Prediger, Missionare und Schriftsteller Evan H. Hopkins, Frederick Brotherton Meyer, Andrew Murray, Frances Havergal, Jessie Penn-Lewis, W. H. Griffith Thomas und Robert C. McQuilkin prägende Figuren der Keswick-Bewegung.[5] Charles Francis Digby Moule (1908–2007), ein evangelikaler anglikanischer Theologieprofessor für Neues Testament in Cambridge, wurde trotz anfänglichen Widerständen durch Hopkins 1884 gewonnen und setzte sich danach besonders mit der Schrift Thoughts on Christian Sancity (deutsch: Gedanken zur christlichen Heiligkeit) für die junge Bewegung ein und grenzte sie zugleich weitsichtig von einem sündlosen Perfektionismus ab. Hudson Taylor und Amy Carmichael fingen 1888 mit Versammlungen speziell für Missionare und Interessierte der Mission an.[6] Mit der Zeit gab es Ableger von Keswick in Nordamerika, namentlich in New Jersey, Florida und Kanada. Das Columbia Bible College, das Prairie Bible Institute und Charles G. Trumbull von der Sonntagsschulbewegung teilten gleiche Glaubensauffassungen.[7]
Albert Benjamin Simpson, Gründer und Leiter der Christian and Missionary Alliance, Dwight Lyman Moody mit seinen Northfield-Konferenzen[8] und Reuben A. Torrey vom Moody Bible Institute und Lewis Chafer und Charles C. Ryrie vom Dallas Theological Seminary wurden maßgeblich durch diese Bewegung beeinflusst.[9]
Eine Wirkung der Keswick-Bewegung war, dass ihre erwecklichen Impulse erstmals auch im deutschsprachigen landeskirchlichen Raum aufgenommen wurden. Für Personen und Gruppen, die den Wunsch und das Anliegen einer persönlichen Heiligung und einer tieferen Gottesbeziehung hatten, wurde sie zum Ort der Inspiration, Orientierung und Stärkung. Daraus entstanden viele landeskirchliche Gemeinschaften in Deutschland und in der Schweiz.[10]
Nach anfänglichen Ablegern in Nordamerika kamen später weitere Orte für Versammlungen in Japan, Australien, Jamaika, Indien und Neuseeland dazu. 1901 wurde an der Skiddaw Street in Keswick ein grosses Zelt errichtet.[11] Ab etwa 1920 trat eine theologische Richtungsänderung im Keswick-Konvent ein, der für die Treffen zuständig war; sie wurde von William Graham Scroggie (1877–1958) angeführt und umgesetzt. Man entfernte sich zunehmend von der methodistischen Sichtweise der Heiligung und näherte sich mehr der reformierten Lehre an.[12] In den 1930er Jahren war Barnhouse der führende Redner, in den 1950er Jahren Wilbur Moorehead Smith (1894–1976).[13] Später folgten der evangelikale Anglikaner John Stott, der englische Methodist Donald English, der schottische Presbyterianer George Simpson Duncan, der britische Baptist David Coffey und die US-amerikanische Evangelistin Anne Graham Lotz, die Tochter von Billy Graham als Sprecher der Konferenzen. 1997 konnte die Rawnsley Hall, die in Zentrumsnähe von Keswick ist, erworben werden, 2015 the Pencil Mill. Sie dienen einerseits für die jährlichen Treffen und andererseits für die Schulungen und Trainings, die fortlaufend durchgeführt werden. Im Jahr 2001 besuchten etwa 12.000 Personen die nun dreiwöchigen Jahresversammlungen.[14]
Lehre
Ähnlich wie in der Heiligungsbewegung wurde anfänglich eine ganze Hingabe an Gott, eine persönliche, praktische Heiligung und ein Sieg über die Sünde vertreten. Ernsthafte Christen sollten zwei Segnungen erfahren: Das erste Werk der Gnade, die geschenkte Rettung durch Jesus Christus; der zweite Segen sei das Mitwirken des Christen am Wachstum in der Heiligung und in der Beziehung zum heiligen Gott. Heiligung zeige sich im Wechsel von einem Leben der Sünde, der Schwäche und des Scheiterns und zu einem Leben der Überwindung, des Sieges und des Triumphs. Es wird eine Veränderung von einem geringeren zu einem höheren Leben (englisch: The Higher Christian Life), von Oberflächlichkeit zu Tiefgang und von Fleisch zu Geist angestrebt.[15]
Die Keswick-Bewegung hebt auch grundlegende Glaubenssätze gegenüber umstrittenen Themen, etwa der Eschatologie, hervor. Es bestehen enge Verbindungen zu Glaubensmissionen, beispielsweise der China-Inland-Mission. Der Pfingstbewegung und der charismatischen Bewegung sowie Frauen als Referentinnen stand die Keswick-Bewegung kritisch gegenüber.[2]
Literatur
- David Bebbington: Holiness in Nineteenth-Century England: The 1998 Didsbury Lectures. Paternoster, Cumbria 2000.
- David D. Bundy: Keswick: a Bibliographic Introduction to the Higher Life Movements, B. L. Fisher Library, Asbury Theological Seminary, 1975; First Fruits Press, 2012.[16]
- David D. Bundy: Keswick and the Experience of Evangelical Piety, in: Edith Blumenhofer und Randall Balmer, Hg.: Modern Christian Revivals, Urbana 1993, S. 118–144.
- Dwight Allan Ekholm: Theological roots of the Keswick Movement. William Boardman, Robert Pearsall Smith, and the doctrine of the “Higher Christian life”, Basel 1992.
- Geoffrey Fewkes and Oswald Penry: Keswick in Wales 100 Years Llandrindod Wells Convention.[17]
- David Goodhew: Keswick-Bewegung. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. 2015, doi:10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_11501.
- Charles Forbes Harford: The Keswick Convention; its Message, its Method and its Men. Marshall Brothers, London, 1907.
- Stephan Holthaus: Heil – Heilung – Heiligung. TVG Brunnen, Gießen, 2005.
- E. H. Johnson: The Highest Life. A Story of Shortcomings and a Goal including a friendly analysis of the Keswick Movement, New York 1901.
- Andrew David Naselli: Let Go and Let God? A Survey and Analysis of Keswick Theology, Logos Bible Software, Bellingham 2010.
- Arthur T. Pierson: The Keswick Movement, New York und London 1903.
- J. C. Pollock: The Keswick Story. The authorized history of the Keswick Convention, Liverpool 1964.
- Charles Price, Ian Randall: Transforming Keswick. OM Publishing, Carlisle, Cumbria, 2000.
- Urs Schmid: Amerikanische Heiligungsbewegung und Gemeinschaftsbewegung in Deutschland, Dissertation, Theologische Fakultät Universität Basel, Basel 2002; Fromm Verlag, 2018, ISBN 978-620-2-44298-5, S. 213–214.
Weblinks
- Die Heiligungsbewegung, Neupietismus, Angloamerikanische Wurzeln, Website eh-tabor.de (mit kleinem Teil zur Keswick-Bewegung, abgerufen am 2. September 2023).
- Andrew Naselli: Warum „Let Go and Let God“ eine schlechte Idee ist. Die Tücken der Heiligungsbewegung, Website evangelium21.net vom 27. Mai 2020 (abgerufen am 31. August 2023).
- Robert Delnay: What Happened to Keswick? Faith Baptist Theological Seminary, Website faith.edu (5. März 2002, amerikanisches Englisch).
- In The Beginning..., Website keswickministries.org (2003–2025, englisch).
- D. Goodhew: Keswick-Bewegung, in: Religion in Geschichte und Gegenwart Online, Brill, Website referenceworks.brill.com.
- Lecture Three: Keswick and the Higher Life, Website seeking4truth.com (englisch, abgerufen am 2. September 2023).