Kinsky-Pferd

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Das Kinský-Pferd (auch Equus Kinský, Chlumetzer und Böhmischer Hunter) war ursprünglich ab etwa 1840 ein Pferd im Typ eines leichten Warmblutpferdes (leichtes englisches Halbblut) das bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in seinem Ursprungsland Böhmen (heute Tschechien) gezüchtet wurde und dort als prominente Gestütsrasse vertreten war. Ab der kommunistischen Einschränkung der Pferdezucht wurde es als adeliges Relikt im allgemeinen Bestand aufgesogen.

Schnelle Fakten Wichtige Daten ...
Kinsky-Pferd
Wichtige Daten
Ursprung: Böhmen
Hauptzuchtgebiet: Tschechien
Verbreitung: sehr gering
Stockmaß: 158–175 cm
Farben: alle Grundfarben, Isabellen und Braunisabellen
Haupteinsatzgebiet: Reitsport
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Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

Exterieur

Die angestrebten Farben des Kinský-Pferdes sind Isabellen und Falben, es kommen aber auch Rappen, Füchse und Braune vor. Die rassetypische Farbverdünnung (Fuchs zu Isabell, Braun zu Falb) entsteht durch ein sog. Verdünnungsgen und ist in einigen Rassen zu finden, wie Lusitano, Isländer oder Quarter. Kinský-Pferde sind mittelgroße, harmonisch gebaute, edle Warmblüter; früher mit hohem Vollblutanteil, sind sie heute durch internationale Sportpferde-Genetik etwas verändert. Auf dem geschwungenen Hals sitzt ein edler Kopf mit freundlichen Augen. Der Körperbau ist stabil, die muskulöse Kruppe leicht abfallend, der Schweif tief angesetzt. Die Beine zeichnen sich durch starke Gelenke und gute Knochenstärke aus. Die goldfarbenen Pferde haben ein seidig glänzendes, feines Fell; Abzeichen kommen vor.

Interieur

Das Kinský-Pferd hat ein ausgeglichenes Temperament. Die Rasse ist für Freizeit- und Leistungssportler geeignet, ohne einen deutlichen Leistungsschwerpunkt zu zeigen. Es gilt als zuverlässiges und umgängliches Reit- und Fahrpferd, jedoch nicht mehr – wie anfänglich – als hervorragendes Rennpferd für Jagdrennen (Steeplechase).

Zuchtgeschichte

Die Entstehungsgeschichte der Kinský-Pferde ist eng mit jener der Familie der Grafen Kinský verknüpft: Soweit nachvollziehbar, gab es seit dem 16. oder 17. JH eine hochstehende Pferdezucht in der Familie, die um den Ort Chlumec/Cidlina ansässig war. Im frühen 18. JH soll es auf Wunsch Kaiser Karls VI. eine Neuorganisation der Zucht gegeben haben, zugleich mit dem Bau des heutigen Schlosses Karlskron, dem Hauptsitz der Familie. Im Jahr 1838 erneuerte Oktavian Graf Kinsky (Spitzname Taffy) in Chlumec die Kinskysche Pferdezucht. Die Familie Kinsky züchtete bereits seit Jahrzehnten erfolgreich edle Pferde in besonderen Farben (Scheck; Isabell) zu Parade- und Militärzwecken. Nun konzentrierte sich Graf Octavian „Taffy“ als begeisterter Rennreiter auf Vollblut- und Halbblutpferde für Galopprennen.

Es wird erzählt, dass Graf Kinský die Kinský-Pferdezucht gründete, weil der Jockey Club sich weigerte ein isabellfarbenes Fohlen einzutragen, mit der Begründung, diese Farbe habe es bei einem Vollblut noch nie gegeben. Diese Weigerung brachte ihn dazu, sein eigenes Stutbuch zu gründen. Diese romantische Darstellung konnte kürzlich relativiert werden; die Quellenforschung hat ergeben, dass es sich eher um eine genetische und zuchttechnische Entscheidung gehandelt haben dürfte. Graf Taffy hatte sich dazu entschlossen, neben reinem Vollblut auch englisches Halbblut zu züchten, dabei aber die verdünnten Farben zu fördern. Sein berühmter isabellfarbiger Halbbluthengst Caesar (Prinz Djalma-Themby II) kann als Gründerhengst gelten und war ein erfolgreiches Hindernispferd. In der ursprünglichen Zucht legte man großen Wert auf Stutenfamilien (A, B, C, H, J, M, N, O) von denen die wichtigsten sind: die Familie N (nach der halbblütigen Nancy, aus dieser Familie stammt z. B. die 1937 Velká Pardubická-Siegerin Norma), die Familie J (nach der Stute Hero I und durch Jitřenka fortgesetzt), die Familie Č (nach der Stute Čita nach Caesar), die Familie M (nach der Stute Jiskra) und die Familie O (nach der Vollblutstute Queen of Hearts). Auf der Vaterseite wurde früher häufig englisches Vollblut genutzt, z. B. Div, Diadém, Olin, aber auch viele Söhne und Enkel von diesen, und hauptsächlich die Hengste Cezsar, später Húsar Tynsky, Cervánek, Burbon, Sirius und Garut.

Die Zucht des Kinský-Pferdes ging Ende des 20. Jahrhunderts fast gänzlich im Tschechischen Warmblut auf. Die Zucht wird vor allem auf dem modernen Betrieb der Familie Pulpán in Hradištko nad Labem betrieben, wo auch der Sitz des Zuchtvereins Club Equus Kinský ist. Auch versuchen engagierte Privatzüchter, das Kinský-Pferd als Rasse zu erhalten, wobei der Anteil originaler Genetik nur mehr etwa bei 20 % liegt. Die Population gilt als bedroht, denn jährlich fallen nur rund 30 bis 40 Fohlen. Die Gesamtpopulation eingetragener Pferde liegt derzeit (2025) bei rund 1000, davon rund 300 Stuten und ein Dutzend gekörte Hengste. Das Land Tschechien hat zwar erkannt, dass die Rasse als Kulturgut erhaltenswert ist und hat der Ausrottung per Verordnung Einhalt geboten, doch gibt es keinerlei finanzielle Unterstützung für die Haltung, Erhaltung oder Weiterzucht von Kinský-Pferden. Ein weiteres Problem bei der Erhaltung der Rasse im Ursprungsland ist, dass viele gute Pferde ins Ausland verkauft werden. Dieser Ausverkauf schmälert den ohnehin sehr kleinen Genpool.

Siehe auch

Commons: Kinsky-Pferd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Lenka Gotthardová, Martin Haller, Verlag: Nakladatelství Lenka Gotthardová 533 14 Kladruby nad Labem 91 www.gotthardova.cz ISBN 978-80-906933-6-4 " responsive="" />

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