Kirner Privatbrauerei Ph. und C. Andres
Brauerei in Kirn, Rheinland-Pfalz
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Kirner Privatbrauerei Ph. und C. Andres GmbH und Co. KG ist eine Brauerei im rheinland-pfälzischen Kirn. Das bekannteste Produkt der Brauerei ist das Kirner Pils.[1] Die Brauerei ist ein familiengeführtes Unternehmen und gehört zur Initiative „Die Freien Brauer“.[2]
| Kirner Privatbrauerei Ph. und C. Andres GmbH und Co. KG | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Gründung | 1798 |
| Sitz | Kirn, Deutschland |
| Leitung | Sven Schirmer |
| Mitarbeiterzahl | 58 |
| Umsatz | 431,081 Euro (2022) |
| Branche | Herstellung von Bier |
| Website | www.kirner-bier.de |


Geschichte
Der Kirner Gastwirt Jakob Andres, der eigentlich Gerber war, begann 1798, mit seinen ursprünglich für den Eigenbedarf gebrauten Bieren auch andere Gaststätten zu beliefern. Dieses Datum gilt heute als das Gründungsdatum des Unternehmens.[3][4] Andres gab später die Gerberei auf und widmete sich stärker seiner Gastwirtschaft und dem Bierbrauen. Nach den politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen der Französischen Revolutionskriege gewann die Brauerei ab 1814/15 weitere Kunden aus dem Kirner Umland. Nach dem Tod Jakob Andres’ im Jahr 1824 führte sein Sohn Johann Philipp Andres (1800–1874) die Brauerei fort.[3]
Der entscheidende Durchbruch zu einer industriellen Brauerei gelang den Brüdern Philipp Andres (1835–1883) und Carl Andres (1836–1894). Sie absolvierten Lehrjahre in Brauereien in München und Böhmen, darunter auch in Pilsen. 1862 gründeten sie die „Ph. u. C. Andres, Bierbrauerei und Mälzerei zu Kirn“ und erwarben die ehemalige fürstlich Salm-Kyrburgische Kellerei, die fortan zum Sitz der Brauerei wurde.[3][4] Das Wappen der Fürstenfamilie Salm-Kyrburg an der Front der Kellerei ist bis heute Teil der Bildtradition der Brauerei. In der Nähe entstanden beiderseits der Kallenfelser Straße die Brauereianlagen, die dort bis heute beheimatet sind.[3]
Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte die Brauerei einen wirtschaftlichen Höhepunkt und gehörte nach Darstellung des Instituts für Geschichtliche Landeskunde zu den größten Brauereien des Rheinlandes. Das Absatzgebiet umfasste zeitweise auch Elsass-Lothringen.[3] Nach dem Ersten Weltkrieg, der Abtrennung Elsass-Lothringens und des Saargebiets, der Inflation von 1923, der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg gingen Absatz und Produktion deutlich zurück. 1948 lag der Bierausstoß nur noch bei etwa einem Viertel der Produktion des letzten Vorkriegsjahres 1938. Im Zuge des Wirtschaftswunders setzte wieder ein Aufschwung ein; in den 1970er Jahren erreichte der Bierausstoß mit rund 180.000 Hektolitern jährlich seinen Höhepunkt.[3]
Zum Unternehmenskomplex der Familie Andres gehörten zeitweise auch eine Getränkeunternehmen mit Abfüllanlagen für Coca-Cola-Produkte und das Fruchtsaftunternehmen Vitaborn.[3] Später konzentrierte sich das Unternehmen wieder stärker auf das Kerngeschäft des Bierbrauens. Der Bierausstoß hat sich nach Darstellung des Instituts für Geschichtliche Landeskunde im höheren fünfstelligen Hektoliterbereich eingependelt; „Die Freien Brauer“ nennen einen jährlichen Ausstoß von knapp 70.000 Hektolitern.[3][5]
2016 wurde eine neue Abfüllanlage in Betrieb genommen.[4][3] In den 2020er Jahren überarbeitete die Brauerei ihren Markenauftritt. Dabei wurden unter anderem Wortmarke, Etikettendesign und Werbemittel der Marke modernisiert.[4][6]
Kirner-Bier Club
2011 gründete die Kirner Brauerei den „Kirner Bier Club“.[4] Nach Angaben der Brauerei hatte der Club 2026 mehr als 14.000 Mitglieder.[7] Mitglieder erhalten unter anderem jährlich ein Clubshirt, Informationen zu Produkten und Veranstaltungen, Rabatte im Online-Shop und Zugang zu Clubveranstaltungen. Der Jahresbeitrag für die Basic-Mitgliedschaft beträgt 22,50 Euro.[8]
Sortiment
Die Brauerei stellt unter anderem Pils, Weizen, alkoholfreies Weizen, Landbier hell, Landbier dunkel, naturtrübes Zwickel, Hunsrücker Hell, Schinderhannes Bock sowie verschiedene Biermischgetränke her.[9][10] Kernprodukt ist das Kirner Pils, das nach Brauereiangaben rund 75 Prozent des Gesamtausstoßes ausmacht.[3]
Zu den Hauptsorten zählen Pils, Weizen, Landbier, Naturradler und alkoholfreie Varianten. Daneben bringt die Brauerei nach Angaben von „Die Freien Brauer“ jährlich neue Spezialbiere als limitierte Sondereditionen auf den Markt.[11] Das Hunsrücker Hell wird als untergäriges helles Bier mit Braugerste aus der Region vermarktet.[12]
Nicht mehr erhältliche Sorten waren unter anderem 1798, Kyr, CoolAmix, Schinderhannes Alt und Lemonmix. Historische Sorten umfassten außerdem Märzenbier, Malzbier und das Fürst-Dominik-Bier.[13]
Auszeichnungen
Die Sorte 1798 wurde im Jahr 2001 vom „1. Deutschen Bierclub Dortmund“ als Bier des Jahres ausgezeichnet. 2004 erhielten die Sorten Pils und 1798 Goldmedaillen der „Monde Selection“ in Brüssel. 2009 wurden die Sorten Pils und Weizen von der DLG prämiert; auch 2012 erhielten Kirner Biere DLG-Auszeichnungen.[14]
Seit 2020 trägt die Brauerei nach eigenen Angaben das Gütesiegel „Slow Brewing“.[15] Bei der „Finest Beer Selection“ werden Biere im Rahmen einer Blindverkostung sensorisch bewertet; Biere mit einem Finest-Beer-Score von mindestens 90 Punkten werden in die Auswahl aufgenommen.[16] 2023 und 2024 wurden mehrere Kirner-Biere in diese Auswahl aufgenommen.[17]
Sponsoring
Kirner Pils war bis zur Fußballsaison 2012/2013 mehrere Jahre Sponsor des 1. FSV Mainz 05. Die Brauerei war außerdem Partner der rheinland-pfälzischen Landesgartenschau in Bingen 2008. Im Jahr 2024 gehörte die Brauerei zu den Sponsoren der Veranstaltung „24h von Rheinland-Pfalz“.[18]
