Kognat

zwei oder mehr Wörter, die sich aus demselben Ursprungswort (Etymon) entwickelt haben From Wikipedia, the free encyclopedia

Kognat (maskulin, häufig auch feminin die Kognate, Plural in beiden Fällen: die Kognaten; von lateinisch cognatus mitgeboren, verwandt) bezeichnet in der Sprachwissenschaft ein in Form und Inhalt verwandtes Wort in verschiedenen Einzelsprachen.[1] Voraussetzung ist, dass sich das Wort und sein Kognat aus demselben Ursprungswort (Etymon) innerhalb einer Sprachfamilie entwickelt haben. Wortpaare oder größere Wortgruppen, die eine solche Verwandtschaft zeigen, werden als kognatisch verwandt, urverwandt oder kognat bezeichnet.

Die Kenntnis der Lautgesetze gestattet eine Identifizierung von Kognaten. Es zeigt sich, dass Sprachwandel mit systematischem Lautwandel einhergeht. Der Lautwandel-Prozess erfasst sämtliche Wörter einer Sprache. Sind systematische Lautkorrespondenzen zwischen gleichbedeutenden Wörtern in den verschiedenen Sprachen erkennbar, liegt eine hohe Evidenz dafür vor, dass diese Wörter Kognaten sind und sich vom selben Wort der gemeinsamen Ursprache der verglichenen Sprachgruppe herleiten.[2]

Die Bedeutung der kognatischen Verwandten kann gleich geblieben sein oder sich in unterschiedlichen Sprachen auseinanderentwickelt haben. So haben etwa französisch fils und italienisch figlio, die beide auf lateinisch filius ‚Sohn‘ zurückgehen, in beiden Sprachen bis heute dieselbe Bedeutung. Dagegen ist die Bedeutung von deutsch brav, niederländisch braaf gut, lieb, artig, englisch brave mutig, italienisch bravo geschickt, tüchtig, anständig und spanisch bravo wild, ungezähmt, aufbrausend trotz kognatischer Verwandtschaft in jeder Sprache eine andere.

Im strengen Sinne können nur Erbwörter Kognaten sein, Lehnwörter und parallele Neubildungen hingegen nicht. Kognaten können auch innerhalb einer Sprache zwischen verschiedenen Varietäten wie zum Beispiel Dialekten, Mundarten oder Sprachregistern (im Deutschen z. B. das Wortpaar ‚Münzen‘ und ‚Moneten‘) oder zwischen Synonymen auftreten. Einen Sonderfall stellt die etymologische Dublette dar, bei der sich innerhalb einer Sprache aus einem gemeinsamen Ursprungswort (das aus der Sprache selbst oder aus einer Vorgänger- oder Herkunftssprache stammen kann) verschiedene Kognaten entwickelt haben, sodass sprachlich verwandte Wörter einer Sprache für unterschiedliche Begriffe stehen; so sind etwa die deutschen Wörter Keller und Zelle beide aus lateinisch cella abgeleitet.

Die Untersuchung von Kognaten in Form von Wortgleichungen ist eine wichtige Methode der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft.

In der Genealogie verwendet man den Begriff der kognatischen Abstammung.

Beispiele für Kognaten im Deutschen, Niederländischen und Englischen

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germanisches WurzelwortKognatenBedeutungErläuterung
*slimbaz

(„schräg, schief, krumm, falsch“)

dt.: schlimm schlecht, übel, böse Im Deutschen konzentrierte sich die Bedeutung auf „falsch“. Im Niederländischen verschob die Bedeutung von „schräg“ über „hinterhältig/listig“ schließlich zu „kreativ/klug“, wobei im Verlauf sämtliche negativen Assoziationen vollständig verloren gingen. Im Englischen verschob sich die Bedeutung von „schräg/leicht abweichend“ zu „dünn/anmutig“, behielt dabei jedoch teilweise negative Konnotationen, etwa in der Wendung „a slim chance“ (eine geringe Chance).[3]
ndl. slim klug, schlau, intelligent
engl. slim schlank, schmal
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germanisches WurzelwortKognatenBedeutungErläuterung
*talō

(„Erzählung, Bewertung, Urteil, Berechnung“)

dt.: Zahl Ziffer, Nummer Im Deutschen verlor das Wort seine frühere Bedeutung von „Geschichte / Erzählung“. Die Idee der Aufzählung blieb zwar erhalten, ist jedoch rein quantitativ und konzentriert sich ausschließlich auf Zählen und Arithmetik. Im Englischen geschah das Gegenteil: Dort blieb der Aspekt des „Erzählens / Berichtens“ erhalten, während der Bezug zu Zahlen oder Zählen entfiel. Im Niederländischen verlagerte sich die Bedeutung vollständig in Richtung Kommunikation, wobei sie so abstrakt wurde, dass sie schließlich die allgemeine Bedeutung von „Sprache“ annahm.[4]
ndl. taal Sprache
engl. tale Geschichte, Erzählung
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germanisches WurzelwortKognatenBedeutungErläuterung
*rehtaz

(„richtig, gerade, gerecht“)

dt.: Recht Recht Im Deutschen wurde die ursprüngliche Bedeutung von „gerade, korrekt“ auf rechtliche und moralische Korrektheit eingeengt. Bemerkenswerterweise weitete sie sich zudem auf Anspruch oder Berechtigung (‚ein Recht auf etwas haben‘) aus, wodurch das Konzept der „Korrektheit“ erhalten blieb, nun jedoch stark mit Recht und Gesetz verknüpft. Englisch und Niederländisch vollzogen eine ähnliche Bedeutungsentwicklung; im Englischen blieb dabei als Adjektiv die Bedeutung von „korrekt/richtig“ erhalten, während im Niederländischen die Adjektivform zusätzlich die ursprüngliche Bedeutung „gerade“ beibehielt.[4]
ndl. recht Recht, gerade
engl. right Recht, richtig
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Literatur

  • Boris Paraškevov: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur: Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-017470-7.

Einzelnachweise

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