Kadettenschule (Hannover)

Gebäude in Hannover, ehemals Kadettenschule From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Königliche Cadettenschule in Hannover,[1] auch Kadettenschule,[2] oder Cadettenanstalt und später Kriegsschule genannt,[3] war eine militärische Schulungseinrichtung und ist heute Teil der Polizeidirektion Hannover.[4] Standort des denkmalgeschützten Bauwerks ist die Waterloostraße 9 im hannoverschen Stadtteil Calenberger Neustadt.[3]

Die Königlich Hannoversche Kadettenschule in der Waterloostraße, links als preußische Kriegsschule um 1896; rechts in den restaurierten Resten nach dem Zweiten Weltkrieg

Geschichte

Der Gebäudekomplex der ehemaligen Königlichen Kadettenschule, nahe dem Waterlooplatz, wurde von 1842 bis 1843 erbaut. An der Straßenseite wies das Hauptgebäude eine Länge von 60 m auf. Die beiden Seitenflügel waren 20 m lang. 1894 wurde das Hauptgebäude um ein 25 m langes Lehrgebäude erweitert. Sämtliche Teile des Gebäudes waren unterkellert und oberirdisch drei Geschosse hoch. Die Fassaden waren im Rundbogenstil gehalten. Zum Gebäudekomplex der ehemaligen Königlichen Kadettenschule gehörte eine überdachte Reitbahn, Latrinen, mehrere Geschützschuppen, eine Kegelbahn, ein Fecht- und Turnschuppen sowie mehrere Pferdeställe. In der Kadettenschule konnten bis zu 120 Kadetten untergebracht werden. Jedem Kadetten standen 52 m³ Raumvolumen zur Verfügung. In anderen Kasernen standen den Soldaten nur etwa die Hälfte des Raumvolumens zur Verfügung. Das große Raumvolumen entstand aufgrund der 5 m hohen Geschosshöhe, was aber die Heizfähigkeit der einzelnen Räume stark beeinträchtigte.

Nach dem Deutschen Krieg wurde das Königreich Hannover im Rahmen der preußischen Annexion zu einer Provinz des Königreichs Preußen. Im Zuge dessen wurde die Königliche Kadettenschule im Jahr 1867 zu einer Preußischen Kriegsschule[5]. Während des 1. Weltkriegs diente die Kadettenschule als Lazarett für Kriegsgefangene. Das hat der hannoversche Philosoph und ausgebildete Arzt Theodor Lessing, der hier seinen Militärdienst absolvierte, ausführlich in einer Folge von acht Artikeln beschrieben, die vom 10. Februar bis zum 19. April 1929 unter dem Titel "Das Lazarett" im Prager Tagblatt erschien[6]. Der erste Artikel beginnt mit den Worten:

"Neben dem Schützenplatze, wo seit altersher die Volksfeste gefeiert werden, kühl an ein Wäldchen gelehnt, friert das graue Haus. Zu Zeiten des Königreiches Hannover war es eine Kriegsschule. Während des Weltkrieges wurde es zum Lazarett für Kriegsgefangene eingerichtet. Es hatte Raum wohl für 200 Betten. An 400 mußten untergebracht werden. Nur Schwerverletzte kamen hierher, um von hier aus auf die Barackenlager verteilt zu werden. Waren sie transportfähig, so wurden sie weiter in Lager geschickt, nach Eilvese[7] oder Munster. Ein Generalarzt, ein Oberarzt, drei Assistenten, vier Unterärzte, zehn Lazarettgehilfen, an dreißig Schwestern besorgten den Dienst."

Ab 1919 wurde der Gebäudekomplex vom damaligen Polizeipräsidium und der Polizeidirektion Hannover genutzt.[4] Schon zuvor war 1903 auf einem Nachbargrundstück ein Neubau des Polizeipräsidiums errichtet worden.

Bei einem Bombenangriff während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Gebäude am Waterlooplatz stark beschädigt. Einige der Gebäude wurden vollständig abgerissen. Bei der Kadettenschule wurden die oberen beiden Geschosse abgetragen, so dass heute nur noch das Erdgeschoss mit der ursprünglichen Eingangstür auf der Straßenseite erhalten sind. Das nachträglich angebaute Lehrgebäude ist vollständig erhalten geblieben.[8]

Persönlichkeiten

Schüler

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI