Schochwitz
Ortsteil von Salzatal
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Schochwitz ist eine Ortschaft der Gemeinde Salzatal im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, Deutschland. Bis zur Neubildung der Einheitsgemeinde Salzatal am 1. Januar 2010[2] war Schochwitz eine selbständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Westlicher Saalkreis.
Schochwitz Gemeinde Salzatal | |
|---|---|
| Koordinaten: | 51° 32′ N, 11° 45′ O |
| Höhe: | 123 m ü. NN |
| Fläche: | 15,91 km²[1] |
| Einwohner: | ca. 1192 (2011)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 75 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Januar 2010 |
| Postleitzahl: | 06198 |
| Vorwahl: | 034609 |
Lage von Schochwitz in Salzatal | |
Geografie
Schochwitz liegt westlich von Halle (Saale). Durch das Dorf fließt der Bach Laweke.
Ortschaftsgliederung
Zu Schochwitz gehören der Hauptort Schochwitz sowie die Ortsteile Boltzenhöhe, Gorsleben, Krimpe, Räther und Wils.
Geschichte
Schochwitz und seine heutigen Ortsteile Gorsleben, Krimpe, Räther und Wils gehörten zur Grafschaft Mansfeld. Während Räther (auch: Räthern genannt) zum Amt Seeburg (Distrikt Schraplau) und Gorsleben zum Amt Hedersleben (Distrikt Mansfeld) gehörten, unterstanden Schochwitz, Krimpe und Wils der adligen Patrimonialgerichtsbarkeit des Ritterguts Schochwitz.[3]
Die Herrschaft Schochwitz wurde 1573 durch die Herren von Schulenburg erworben und 1783 an die Herren von Alvensleben auf Eichenbarleben verkauft, die das Schloss Schochwitz bis zur Enteignung 1945 im Zuge der Bodenreform in Besitz hatten.[4] Bei der Teilung der Grafschaft Mansfeld 1738/80 kamen die drei Schochwitzer Gutsorte Schochwitz, Krimpe und Wils sowie die Orte Räther und Gorsleben zu dem Anteil, den das preußische Herzogtum Magdeburg erhielt.
Mit dem Frieden von Tilsit wurden die fünf Orte im Jahr 1807 dem Königreich Westphalen angegliedert und dem Distrikt Halle im Departement der Saale zugeordnet. Die Orte kamen zum Kanton Seeburg.[5] Nach der Niederlage Napoleons und dem Ende des Königreichs Westphalen befreiten die verbündeten Gegner Napoleons Anfang Oktober 1813 das Gebiet. Bei der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurden Schochwitz, Gorsleben, Krimpe, Räther und Wils im Jahr 1816 dem Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen und dem Mansfelder Seekreis angegliedert.[6]
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Schochwitz durch amerikanische Truppen besetzt. Am 1. Juli 1945 verließen die Amerikaner den Ort, wo sie im Schulgebäude einquartiert waren. Daraufhin kam es zu Plünderungen und Zerstörungen des Inventars des Schlosses durch ehemalige Bedienstete der Familie von Alvensleben, die mit ihren ehemaligen Herren aus dem Wartegau gekommen waren. Die Chronik verzeichnet weitere Entnahmen von Inventar durch die Einwohner des Dorfes. Den Plünderungen wurde nicht Einhalt geboten, da bekannt war, dass der Eigentümer des Schlosses auf der Kriegsverbrecherliste stand. Am 3. Juli übernahmen vier Soldaten der Roten Armee und wurden im Schloss einquartiert.[7]
Die Änderung der agrarischen Besitzerverhältnisse begann direkt nach der Übernahme der Roten Armee und noch vor dem „Gesetz über die demokratische Bodenreform in der Provinz Sachsen“ vom 3. September 1945. Enteignet wurden alle Gutsbesitzer in Schochwitz und Gorsleben: Carl-Friedrich Wentzel, Erbe von Carl Wentzel und J.G. Bolze. (Letztere waren durch die Verschuldung der adligen Familie Alvensleben seit annähernd 100 Jahren die Pächter des Rittergutes Schochwitz).[8] Er war noch während der amerikanischen Besatzungszeit Bürgermeister in Schochwitz. Außerdem Paul Nette in Gorsleben, welcher sich daraufhin erhängte. Er war seit dem Jahr 1900 Bürgermeister von Gorsleben und hatte die Schule in Schochwitz durch Materialspenden und Bildnisse beschenkt und sich an der Finanzierung öffentlicher Werke wie der neuen Orgel in der Kirche von Schochwitz und dem Gefallenendenkmal beteiligt. Weitere Enteignete waren die Gutsbesitzer Henze und Koch in Gorsleben.[9] Die Familie von Alvensleben wanderte nach Westdeutschland aus.
Mit der Bodenreform veränderte sich das Aussehen des Dorfes. Viele Familien, darunter auch einige aus den Ostgebieten Vertriebene, erhielten eine Parzelle Land zur eigenen Bewirtschaftung. Vor allem in Gorsleben ist die neue Siedlungsstruktur an den Straßen „Zum Herzfeld“ und „Feldrain“ zu erkennen. Damit änderte sich die Sozialstruktur des Dorfes: Die zuvor Bediensteten wurden zu neuen Eigentümern[10]. Die großen, hochproduktiven landwirtschaftlichen Güter waren zerschlagen und konnten in einer Zeit der Hungersnot nach dem Krieg nicht mehr zur Ernährung der Bevölkerung beitragen.[11] Den neuen Eigentümern der Parzellen fehlte es an eigenen landwirtschaftlichen Geräten, Ställen und Scheunen. Auch die auf den Gütern befindlichen Tiere waren zuvor zum Teil von der Roten Armee beschlagnahmt worden. Nur langsam konnten die Neubauern ihre eigene Ernährung sicherstellen.[12] Von 1952 bis 1960 traten die Neubauern der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) bei, die auf den ehemaligen Gütern eingerichtet wurde bzw. wurden sie zum Beitritt gezwungen.[13] Im Schloss und in den Gutshäusern aller Ortsteile wurden mehrere hundert Vertriebene einquartiert. Bei Wiederaufnahme des Schulunterrichts in Schochwitz am 1. Oktober 1945 wurden 106 Kinder alteingesessener Familien und 108 Kinder von Vertriebenen gezählt.[14] Die Namen der Neubauernfamilien und der vertriebenen Familien und die Namen der Familien, die im Schloss Schochwitz wohnten, sind in der Chronik von Schochwitz aufgelistet.
Am 20. Juli 1950 wurden Gorsleben, Krimpe, Räther und Wils nach Schochwitz, nun mehr im Saalkreis, eingemeindet. Mit der zweiten Kreisreform kam Schochwitz am 25. Juli 1952 in den neu zugeschnittenen Saalkreis (im Bezirk Halle), der am 1. Juli 2007 im Saalekreis aufging.[15]
Bis zur Neubildung der Einheitsgemeinde Salzatal am 1. Januar 2010[16] war Schochwitz eine selbständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Westlicher Saalkreis. Letzter Bürgermeister von Schochwitz war Steffen Bernas.
Wappen
Blasonierung: „In Gold auf grünem Dreiberg ein blau gekleideten Bauer mit blauer Kopfbedeckung, die Arme seitwärts ausgestreckt, in jeder Hand eine steigende grüne Ähre haltend.“
Kultur und Sehenswürdigkeiten


Bauwerke
- Schloss Schochwitz (zeitweilig im Besitz derer von Schulenburg bzw. die derer von Alvensleben aus Eichenbarleben)
- Kirche St. Benedikt
- Kirche St. Marien (Gorsleben)
- Dorfkirche Krimpe
- Pfarrhaus Schochwitz (erbaut Anfang des 17. Jahrhunderts)
- Kirche Räther
- Kirche Wils
Veranstaltungen
- Alljährliches Maifußballturnier des TSV 1990 Schochwitz
- Luppholzpokal – Alljährlicher Wettkampf im Löschangriff Nass der Freiwilligen Feuerwehr Schochwitz
- Karneval mit dem Schochwitzer Carnevals Club 1955 e. V. (SCC)
- Wüstemann-Cup – Fußballturnier im Nachwuchsbereich
- Laweke Cup – Alljährliches Tischtennisturnier
Vereine
- Feuerwehrverein Schochwitz e. V.
- SCC – Schochwitzer Carnevals Club 1955 e. V.
- Gemeinsam-für-Schochwitz e. V.
- TSV 1990 Schochwitz e. V.
- SG 1948 Schochwitz e. V.
Persönlichkeiten (chronologisch)
Söhne und Töchter des Ortes
- Hermann Fulda (1800–1883), lutherischer Theologe
- Hermann von Alvensleben (1809–1887), preußischer General und Besitzer des Rittergutes Schochwitz
- Siegfried Liebau (1911–1995), SS-Obersturmbannführer, Anthropologe und Mediziner
Personen, die in Schochwitz wirken oder gewirkt haben
- Ludolf-Hermann von Alvensleben (1901–1970), NSDAP-Reichstagsabgeordneter, SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS, Besitzer des Rittergutes Schochwitz.
- Paul Nette (gest. 1945), Schulverbandsvorsteher und Besitzer des Gutes in Gorsleben
- Hubert Wittmann (1923–2021), Maler und Grafiker, lebte bis 2005 in Schochwitz
- Klaus-Dieter Ullrich (* 1944), Maler, lebt in Wils
- Rosemarie Ullrich (1944–2024), Metall- und Schmuckgestalterin; lebte in Wils

