Ich bin klüger als der König
Märchen der Ewe (AaTh 1655: Der vorteilhafte Tausch) aus Togo
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Handlung
In der Stadt Kpedze wird ein Kind geboren, das sieben Tage nach der Geburt behauptet, es könne sich selbst einen Namen geben, also nennt es sich Menyanuwufia, Ich-bin-klüger-als-der-König. Nachdem das Kind schnell zu einem Jüngling herangewachsen ist, will der König wissen, ob er denn wirklich so klug sei. Da verlautbart Menyanuwufia, dass er dem König mit einer Banane ein Mädchen erwerben werde, wenn er denn dafür die hübscheste Tochter des Königs zur Frau bekäme.
Der König ist sofort einverstanden, also begibt sich Menyanuwufia zum König von Logba, bei dem er übernachten will. Der König gewährt ihm dies, Menyanuwufia bittet aber darum, seine Banane zu den Hühnern legen zu dürfen, da er das immer so handhabe, was ihm erlaubt wird. Die Hühner fressen die Banane jedoch auf, woraufhin Menyanuwufia den Hahn als Entschädigung fordert und bekommt. Am nächsten Tag kommt Menyanuwufia zum König von Be, den er darum bittet, seinen Hahn über Nacht bei den Schafen schlafen zu lassen. Des Nachts tötet er seinen Hahn jedoch und steckt ihn zwischen die Hörner eines Schafbocks, wodurch er auch diesen bekommt. Menyanuwufia setzt sein Spiel fort und bekommt vom König von Kpando für den Schafbock ein Rind. In Anufoe tauscht er dieses gegen eine Leiche ein.
In der Stadt Nuita gibt Menyanuwufia beim König vor, mit dem Prinzen von Kpedze gekommen zu sein, der aber betrunken sei. Auch erzählt er diesem, dass der Prinz nie bei den Prinzen, sondern immer bei den Töchtern geschlafen hätte, also willigt der König ein, ihn bei letzteren schlafen zu lassen. In der Nacht stößt er dem Leichnam dann einen Dolch ins Herz und legt das blutverschmierte Werkzeug in die Hand der schönsten Tochter des Königs, woraufhin der König, als all dies so aufgefunden wird, keine andere Wahl hat, als Menyanuwufia seine Tochter mitzugeben. Menyanuwufia führt sie zu seinem König und bekommt dafür dessen hübscheste Tochter zur Frau und seitdem leben alle vier im Palast des Königs zusammen.[1]
Hintergrund
Das Märchen stammt aus Josef Schönhärls Volkskundliches aus Togo (Dresden / Leipzig 1909, S. 37 ff.) und erhielt in Ulla Schilds Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen (Düsseldorf / Köln 1975) den Titel Ich bin klüger als der König. Eine Variante der Krachi aus Ghana erzählt von der Spinne Anansi, die dem Schöpfergott Wulbari durch einen Maiskolben hundert Männer ergattert. Diese Variante findet sich in A. W. Cardinalls Tales Told in Togoland (Oxford 1970, S. 15 ff., Erstdruck 1931). Eine weitere Variante mit einer Spinne veröffentlichte Robert Sutherland Rattray in seinem Werk Akan-Ashanti Folktales (Oxford 1969, S. 257 ff., Erstdruck 1930). In Samuel Amos’ Tortoise in Legend (Afrikan Arts IV, 1, 1970, S. 34) ist eine Version der Ibo aus Ostnigeria belegt. Eine stark reduzierte Variante findet sich in François Joseph Amon d’Abys La mare aux crocodiles (Abidjan / Dakar 1973, S. 26 ff.).[1]
Nach Schild beruht das afrikanische Rechtssystem „nicht auf Strafe, sondern auf Wiedergutmachung, und zwar nicht nur des materiellen Schadens, sondern auch der Einbuße an Lebenskraft, die der Geschädigte erlitten hat“ weswegen als Kompensation ein höherer Wert verlangt werden kann und die Taten des Menyanuwufia „für den afrikanischen Zuhörer keine so große Gaunerei wie für den europäischen“ seien.[1]
In einem kongolesischen Märchen der Yansi nimmt ein Junge von zu Hause eine Küchenschabe mit, um sie zu verkaufen. Sie wird von einem Hahn gefressen, weshalb er diesen bekommt. Dieser wiederum wird Opfer eines Hundes, der später von einer Ziege getötet wird, woraufhin er diese sowie ihre Jungen bekommt. Diese Variante stammt aus Labi Tawabas und Tamundel Mubeles Qui la sortira de cette pierre?. Mythes yansi (Ceeba, série II, vil. 11, Bandundu 1974, S. 56 ff.) und bekam in Almut Seiler-Dietrichs Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu (Düsseldorf / Köln 1980) den Titel Küchenschabe zu verkaufen. Nach Seiler-Dietrich erscheint das Märchen „als Umkehr von Hans im Glück“.[2]
Verglichen werden kann Alexander Nikolajewitsch Afanassjews Fuchs und Wolf.
Literatur
- Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 51–53, 288.
- Almut Seiler-Dietrich (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 266–267, 283.