Guerra Cristera

Bürgerkrieg in Mexiko From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Guerra Cristera war ein Bürgerkrieg, der von 1926 bis 1929 in Mexiko zwischen der Regierung und Bauernmilizen, die sich der römisch-katholischen Kirche verbunden fühlten, ausgetragen wurde. Die Erhebung war einerseits gegen die Umsetzung der antiklerikalen Bestimmungen der mexikanischen Verfassung von 1917 gerichtet und hatte somit den Charakter eines Kulturkampfes,[1] andererseits aber auch ein Aufbegehren gegen das Eingreifen des Zentralstaates in die Belange der Dorfgemeinschaften.[2]

Hintergrund und Ablauf

Cristeros (1928)

Die Stabilisierung Mexikos nach einem Jahrzehnt der Bürgerkriege ermöglichte es Präsident Plutarco Elías Calles, sich verstärkt dem wirtschaftlichen Wiederaufbau Mexikos zu widmen. Nach erfolgter Sanierung des defizitären Staatshaushalts stand dabei vor allem die Einführung eines modernen Steuersystems und der Ausbau der Infrastruktur sowie des Bildungswesens im Vordergrund. Infolge der Umsetzung der antiklerikalen Bestimmungen der Verfassung von 1917 und der Gründung einer von Rom unabhängigen mexikanischen Staatskirche im Februar 1925, entstand jedoch ein neuer Konfliktherd, der sich 1926 zu einer umfassenden Aufstandsbewegung gegen das Calles-Regime ausweitete. Diese, die so genannte Cristiada, erfasste vor allem das zentrale und westliche Hochland Mexikos bzw. die Bundesstaaten Colima, Jalisco, Michoacán und die Bajío-Region der Bundesstaaten Guanajuato und Zacatecas sowie den Süden Coahuilas, wo der Katholizismus in der meist kleinbäuerlichen Bevölkerung besonders stark verankert war. Hier war die römisch-katholische Kirche für die Bevölkerung ein unverzichtbarer Bestandteil des Alltagslebens, sie bot den Menschen spirituelle Zuflucht, moralische Anleitung und politische Ausrichtung. Die Menschen dieser Gebiete waren daher bereit, „ihre“ Kirche gegen die „Angriffe“ des „gottlosen“ Staates und seiner Funktionäre zu schützen. Der lokale Klerus wiederum bestärkte sie nicht nur in diesen Bestrebungen, sondern gewährte zumeist auch tatkräftige Unterstützung aller Art und stellte mancherorts sogar die Anführer der immer stärker um sich greifenden Revolte gegen den Zentralstaat.[3]

Im Cristero-Aufstand wurde von beiden Seiten mit äußerster Brutalität vorgegangen, von der auch Frauen und Kinder nicht ausgenommen wurden. Folterungen und Vergewaltigungen, summarische Exekutionen von echten und vermeintlichen Cristeros und ihren Unterstützern und Sympathisanten, Verbrannte-Erde-Taktiken und die Deportation der Bevölkerung einzelner Regionen waren vonseiten der Regierung häufig eingesetzte Repressalien. Die USA schickten Präsident Calles militärische Ausrüstung, Waffen und Militärberater zur Bekämpfung der Revolte.[4] Die Cristeros zerstörten staatliche Schulen, ermordeten zahlreiche Lehrer und Regierungsbeamte und töteten bei Vergeltungsaktionen und Banditenüberfällen viele Zivilisten, die sich nicht bedingungslos ihren Ideen unterwarfen.[5]

Im Bundesstaat Jalisco entlang einer Bahnstrecke erhängte Cristeros (Foto aus dem Jahr 1927).

Innenpolitisch war Calles’ Macht bis 1934 sehr groß, obwohl er nicht mehr Präsident war. Der Übergangspräsident Emilio Portes Gil leitete 1929 Verhandlungen mit der Kirche ein, mit dem US-amerikanischen Botschafter Dwight Morrow als Vermittler. So kam es zu der als arreglos bezeichneten Vereinbarung eines Modus Vivendi, der eine Verbesserung der Lage für die Katholische Kirche vorsah. Im Wesentlichen verzichtete der Staat auf die Anwendung der Gesetze von 1917 und die Kirche sollte sich in der Einforderung ihrer Rechte zurückhalten. Es gab allerdings grobe Verletzungen dieser Vereinbarung. Etwa 5000 Cristeros, die den Krieg entgegen der Weisung der Bischöfe fortsetzten, wurden trotz der laut Abkommen geltenden Amnestie ermordet.[1] Erst mit der Präsidentschaft von General Lázaro Cárdenas del Río in den 1930er Jahren bahnte sich eine anhaltende Besserung im Verhältnis zwischen Kirche und Staat an.[6] Innerhalb der mexikanischen Kirche kam es jedoch zu Spannungen zwischen den Vertretern der Hierarchie und ehemaligen Cristeros, die sich durch die Interventionen der Bischöfe und des Vatikans verraten fühlten.[7] Ein Teil der Cristeros organisierte sich ab 1937 in der Unión Nacional Sinarquista.

Der Modus Vivendi hielt bis 1992 an. In diesem Jahr wurden die Beziehung zwischen Kirche und Staat durch eine umfassende Verfassungsreform neu geregelt. Daraufhin nahmen der Vatikan und Mexiko diplomatische Beziehungen auf.

Literatur

Wissenschaft

  • Jean Meyer Barth: The Cristero Rebellion. The Mexican People between Church and State 1926–1929 (= Cambridge Latin American Studies). Cambridge University Press, Cambridge 1976, ISBN 978-0-521-10205-6.
  • Micheal Clodfelter: Warfare and Armed Conflicts: A Statistical Encyclopedia of Casualty and Other Figures, 1492–2015. 4. Auflage. McFarland, Jefferson 2017, ISBN 978-0-7864-7470-7, S. 378f.
  • Moisés González Navarro: Cristeros y agraristas en Jalisco. 5 Bände. El Colegio de México, Mexiko-Stadt 2000–2003, ISBN 968-12-0973-7.
  • Norbert Köster: „Viele mexikanische Bischöfe sind Revolutionäre“. Der Vatikan, die Cristiada und der mexikanische Episkopat. In: Silke Hensel, Hubert Wolf (Hrsg.): Die katholische Kirche und Gewalt. Europa und Lateinamerika im 20. Jahrhundert. Böhlau, Köln 2013, ISBN 978-3-412-21079-3, S. 191–203.
  • Jean Meyer Barth: La Cristiada. The Mexican People’s War for Religious Liberty. Square One Publishers, New York 2013, ISBN 978-0-7570-0315-8.

Belletristik

Film

Siehe auch

Einzelnachweise

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