Nationalpark Lahemaa
Nationalpark in Estland
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Der Nationalpark Lahemaa (estnisch Lahemaa rahvuspark) befindet sich im Norden Estlands, etwa 70 Kilometer östlich der Hauptstadt Tallinn. Er erstreckt sich auf einer Fläche von 72.500 Hektar (einschließlich 25.090 Hektar Seegebiet). Der Park wurde 1971 als erster Nationalpark der Sowjetunion gegründet, um die nordestnische Landschaft, das dortige Ökosystem und die Artenvielfalt als „estnisches Erbe“ zu erhalten.

Im Park leben einige vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Fischadler, Steinadler, Seeadler, Schwarzstorch und Nerz. Im Park findet sich auch eine der letzten Populationen der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) in den baltischen Staaten. Im Nationalpark leben unter anderem ca. 150 Elche, Luchse und Biber, die an den zahlreichen Bachläufen und kleinen Seen ihr Revier finden.
Gut und Herrenhaus Palmse
Zum Nationalpark Lahemaa gehört seit 1971 auch das frühere Gut Palmse, die dazu gehörenden Wirtschaftsgebäude und das um 1730 errichtete Herrenhaus. Das heute zu bewundernde klassizistische Schloss, der damalige Mittelpunkt des Gutes Palmse, wurde 1785 durch die Familie von der Pahlen errichtet. Da das Gut auch über eine eigene Ziegelbrennerei verfügte wurden Zug um Zug auch alle Wirtschaftsgebäude aus der ursprünglichen Holzbauweise in Stein errichtet und ab 1818 auch ihre Anzahl wesentlich erweitert. Bereits seit 1729 besteht das ebenfalls zum Gut gehörende Gotteshaus in Illomäggi mit einem Friedhof, auf dem viele Persönlichkeiten, die an der Entwicklung des Ortes und des Gutes Palmse mitgewirkt haben, begraben liegen. Das heutige in Stein errichtete Kirchengebäude wurde 1843 durch Generalsuperintendent Christian Rein (1796–1844) geweiht. Auf dem Kirchhof befinden sich zahlreiche Gräber von Angehörigen der Familie von der Pahlen. Beigesetzt auf dem Kirchhof wurden unter anderem Gustav Friedrich von der Pahlen (1730–1790), die Dichterin Julie Hausmann (1826–1901), früheres Gutspersonal, wie der Gutsgärtner Madis Weidemann (1844–1907) und Bewohner von Palmse, wie Aleksei Rünk (1886–1918), ein Streiter der estnischen Freiheitsbewegung.[1]
Nach 1994 wurden zahlreiche Gebäude des Gutes restauriert und wieder der Nutzung zur Verfügung gestellt. Heute befindet sich die zentrale Verwaltung des Parks Lahemaa in einem Nebengebäude des ehemaligen Gutes der Familie von der Pahlen im Ort Palmse. Dort illustriert ein naturkundliches Museum die Topographie, Geschichte und Artenvielfalt der Region. Im früheren Herrenhaus befinden sich Ausstellungsräume, die über das Leben der Bewohner Auskunft geben und besucht werden können. Daneben finden in den Räumlichkeiten Veranstaltungen, wissenschaftliche Foren und kulturelle Ereignisse statt.
Findlinge
In Lahemaa finden sich 20 riesige Findlinge (mit einem Durchmesser von über 10 Metern oder einem Umfang von über 25 Metern), mehr als irgendwo sonst in Europa. In Estland wurde die Untersuchung von Findlingen Ende des 19. Jahrhunderts von Gregor von Helmersen, dem Direktor des Russischen Geologischen Komitees, initiiert, der zusammen mit Alexis von der Pahlen Findlinge in Lahemaa kartierte. Der Jaani-Tooma im Dorf Kasispea gilt als der ungewöhnlichste Findling im Nationalpark.
Tourismus
Der Nationalpark Lahemaa gliedert sich in unterschiedliche Schutzzonen, jene, die auf Wegen bzw. Straßen für Wanderer, Radler und Autofahrer ganzjährig zugänglich sind, jene, die saisonal (besonders im Frühjahr zur Brutzeit der Wasservögel) gesperrt werden, und schließlich in Totalreservate, die von Menschen nicht betreten werden dürfen und in denen die Natur sich selbst überlassen bleibt. In den vergangenen Jahren wurden verstärkt Anstrengungen unternommen, um das Gebiet für den sanften Tourismus attraktiver zu machen. Auf den seit den 1980er Jahren restaurierten historischen früheren Gütern Palmse, Sagadi und Vihula eröffneten nach Erlangung der estnischen Unabhängigkeit Hotels und Restaurants. In den Küstenorten entstanden neue Ferienquartiere.
Literatur
- Walter Riccius, Schlösser und Gärten. Das Gut Palmse und seine Akteure, GRIN-Verlag München 2026, ISBN 978-3-38917-137-0;
Weblinks
- Verwaltung des Lahemaa Nationalparks (estnisch, englisch)


