Lola Randl
deutsche Regisseurin
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Lola Randl (* 1980 in München) ist eine deutsche Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Im Mittelpunkt ihres Schaffens stehen Fragen nach modernen Vergesellschaftungsformen. Zwischen fiktionalen und autofiktionalen Gedankenwelten pendelnd, agiert die Künstlerin als Beobachterin, Erzählerin und Gestalterin. Entscheidende Inspirationen schöpft sie aus der Beschäftigung mit Vorgängen in der Natur.[1][2]

Leben und Wirken
Lola Randl wurde 1980 als Tochter der Landschaftsarchitektin Marie Randl-Entrup und des Komponisten Joe Mubare geboren. Sie wuchs abwechselnd bei ihrer Mutter, in einer Öko-Kommune in der Oberpfalz, und bei ihrem Vater in München auf.
Von 2001 bis 2006 studierte sie an der Kunsthochschule für Medien in Köln und war 2007 Absolventin der Drehbuchwerkstatt München. Während ihrer Ausbildung entstanden erste, zum Teil preisgekrönte Kurzfilme.[3]
Ihr Spielfilmdebüt gab sie 2008 mit dem Film Die Besucherin. Lola Randl schildert darin das Leben einer erfolgreichen jungen Wissenschaftlerin und Mutter. Ein plötzliches Ereignis verhilft dieser, sich aus ihren bis ins Kleinste geregelten Routinen zu lösen. Sie wacht buchstäblich in einem neuen Leben auf, das ihres sein könnte.[4] Der Film wurde im Rahmen der Berlinale uraufgeführt und für den Prix Genève-Europe nominiert. Er rangierte in der Kategorie „Beste Fiction: Drehbuch eines Nachwuchsautoren“.
Große Resonanz fand auch die zwischen 2007 und 2010 gedrehte sechsteilige Kurzfilm-Serie, Die Leiden des Herrn Karpf. Für die dritte Episode Geburtstag wurde Lola Randl mit dem Prix UIP (European Short Film) ausgezeichnet.[3] Die Serie entstand in enger Zusammenarbeit mit dem österreichischen Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Rainer Egger.
Einschneidend und in jeglicher Hinsicht folgenreich waren die Erfahrungen, die die 2011 begonnenen Dreharbeiten zu ihrem zweiten Langfilm mit sich brachten. Die Erfindung der Liebe sollte verratene, instrumentalisierte Liebe thematisieren. Die Künstlerin sah sich jedoch mit dem plötzlichen Tod der jungen Hauptdarstellerin Maria Kwiatkowsky konfrontiert.[5][6]
In einer Phase des Innehaltens und der Trauer, drehte Lola Randl Die Libelle und das Nashorn, eine Komödie, in der es um die Nähe zweier ungleicher Menschen geht, einer jungen Schriftstellerin und einem alternden Schauspielerstar. Der Film feierte beim Münchner Filmfest Premiere.[3]
Parallel dazu nahm Randl die Arbeit an dem zuvor begonnenen Film wieder auf. Sie entschloss sich, das Drehbuch umzuschreiben und im Zuge dessen den Tod der Darstellerin zu integrieren.
Diese Lösung, in der sich Kunst und Leben symbiotisch verbinden, sollte für das weitere Werk von Lola Randl bestimmend werden. Zunehmend überlagerten und befruchteten sich in den folgenden Jahren künstlerische Visionen und Lebensentwurf. Dabei wirkt die Freiheit der Kunst verstärkend auf das Loslassen von habitualisierenden Vorstellungen und Normen in die alltägliche Lebenspraxis zurück:
So erwarb Lola Randl 2014 gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und Arbeitspartner Philipp Pfeiffer die alte Schlossgärtnerei in Gerswalde, einem nur spärlich besiedelten Ort in der Uckermark. Ursprünglich war dieser Wirtschaftsbetrieb mit der Pflege eines im 19. Jh. angelegten Parks betraut. Auch umfasste die Gärtnerei verschiedene Gebäude, wie etwa ein Palmenhaus. Unter der metaphorischen Bezeichnung Der Große Garten entwickelte Lola Randl Gerswalde zum kulturell anspruchsvollen Ausflugs- und Sehnsuchtsort Berliner und internationaler Dorfromantiker. Dies traf in der uckermärkischen Gemeinde nicht auf ungeteiltes Gefallen. Hier wurde der plötzliche Zuzug vielmehr kontrovers aufgenommen.[7][8]
Diese persönlichen Erfahrungen bildeten Ausgangspunkt und Gegenstand weiterer filmischer, wie literarische Arbeiten: die Fernseh-Serie „Landschwärmer“ (WDR, 2 Staffeln; Folgen 2011–2014), schildert beispielsweise die Landsehnsucht verschiedener Städter und kontrastiert sie auf luzide bis ironische Weise mit der Lebensrealität der Dorfbewohner. Auch der Dokumentarfilm Von Bienen und Blumen (DE 2018), der in der Reihe Neues Deutsches Kino im Juli 2018 beim Münchner Filmfest aufgeführt wurde, reflektiert das experimentelle Dorfleben in der brandenburgischen Uckermark.[9][10][7]
2019 erschien schließlich ihr erster autofiktionaler Roman mit dem namensgleichen Titel Der Große Garten. Die Publikation wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert und fand großes mediales Echo.[11][12][13]
In ihrem zweiten Roman Die Krone der Schöpfung (2020), gewann die Skepsis der Autorin an der verwirklichten Lebensordnung in Gerswalde Oberhand. Aus Sicht einer Landbewohnerin werden gesellschaftliche Auswirkungen der aktuellen Corona-Pandemieerfahrungen geschildert.[14][15] Noch deutlicher spürbar werden Randls Zweifel in dem 2022 erschienenen Roman Angsttier: der Protagonist droht allmählich den Verstand zu verlieren.[16] Auch in dem Roman Der lebende Beweis (2026) verarbeitete Randl ihre wachsende Entfremdung von jener dörflichen Lebensordnung, die sie in der Uckermark geschaffen und gelebt hatte. Zugleich zieht sie mit sich selbst ins Gericht, um sich am Ende für einen Neubeginn zu öffnen: „Vor mir liegt ein unbeschriebenes Blatt und es fühlt sich an, als hätte ich alle Zeit der Welt“, lautet der letzte Satz.[1] Lola Randl hält den zyklischen Verlauf der Natur, das Wieder-Verschwinden, das einem starken Wachsen folgt, für eine wichtige Dynamik, die als Maxime glückender Selbstentfaltung dienen kann.[2]

In diesem Sinne hat sie während ihrer Zeit als Villa Massimo-Stipendiatin in Rom (2024/2025) den Grundstein für ein mögliches Schwesterprojekt für Den Großen Garten in Gerswalde gelegt.[17] Unter dem Eigennamen Officina.Città, der nicht von ungefähr an die legendäre Filmstadt Cinecittà erinnert, soll eine ausgediente römische Autowerkstatt zu einem neuen Lebens- und Begegnungsort werden, den die Künstlerin als planetarischen Garten versteht. Hier hat sie der deutsche Literaturkritiker Denis Scheck im Februar 2026 aufgesucht, um über das Buch Der lebende Beweis zu sprechen.[1]
Filmografie (Auswahl)
- 2001: Vom Bett aus bedacht (Kurzfilm), (Drehbuch und Regie)
- 2003: Geh aus mein Herz (Kurzfilm), (Drehbuch, Regie, Schnitt)
- 2004: Nachmittagsprogramm (Kurzfilm), (Drehbuch und Regie)
- 2006: Wohlfühlwochenende (Kurzfilm), (Drehbuch und Regie)
- 2005/2006: Verena Verona (Kurzfilm), (Drehbuch, Regie, Produktion)
- 2007: Die Leiden des Herrn Karpf: Morbus Bechterew (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera, Regie, Produktion)
- 2007/2008: Die Besucherin, (Drehbuch und Regie)
- 2008: Die Leiden des Herrn Karpf: Der Besuch (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
- 2009: Die Leiden des Herrn Karpf: Der Geburtstag (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
- 2009/2010: Die Leiden des Herrn Karpf: Die Bekanntschaft (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
- 2010: Die Leiden des Herrn Karpf: Die Gehirnerschütterung (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
- 2010: Die Leiden des Herrn Karpf: Der Steuerausgleich (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
- 2012: Die Libelle und das Nashorn, (Drehbuch und Regie)
- 2011–2013: Die Erfindung der Liebe, (Drehbuch und Regie)
- 2013–2014: Landschwärmer (Fernsehserie, Drehbuch, Regie, Produktion)
- 2016–2017: Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer? (Drehbuch und Regie)
- 2018: Von Bienen und Blumen (Regie, Drehbuch, gemeinsam mit Sonja Fröhlich und Kamera)
- 2022: Theorie und Praxis: fünfteilige Doku-Serie im Diskussionsformat für arte-TV mit Anke Stelling zur Frage, wie sich auf dem Land ein gutes Leben realisieren lässt.
Bücher
- Der Große Garten. Roman. Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2019, ISBN 978-3-95757-709-2.
- Die Krone der Schöpfung. Roman. Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2020, ISBN 978-3-7518-0006-8.
- Angsttier. Roman. Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-0060-0.
- Der lebende Beweis. Roman. Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2026, ISBN 978-3-7518-1063-0.
Auszeichnungen
- 2004: Bester Deutscher Kurzfilm der Regensburger Kurzfilmwoche für Nachmittagsprogramm
- 2009: Prix UIP Berlin für Die Leiden des Herrn Karpf – Der Geburtstag bei den 59. Internationalen Filmfestspielen Berlin
- 2009: Nominierung für den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Bester Kurzfilm für Die Leiden des Herrn Karpf – Der Geburtstag
- 2009: Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
- 2012: Nominierung für den German Independence Award – Bester deutscher Film beim Filmfest Oldenburg für Die Libelle und das Nashorn
- 2013: Nominierung für den German Independence Award – Bester deutscher Film beim Filmfest Oldenburg für Die Erfindung der Liebe
- 2013: Nominierung für den German Independence Award – Publikumspreis beim Filmfest Oldenburg für Die Erfindung der Liebe
- 2013: Nominierung für den Preis Bester deutschsprachiger Langfilm beim Filmfest Zürich für Die Erfindung der Liebe
- 2016: Nominierung für den Grimme-Preis in der Kategorie Fiktion/Spezial für den Spielfilm Die Erfindung der Liebe[18]
- 2019: Publikumspreis zum Franz-Tumler-Literaturpreis[19]
- 2021: Franz Hessel Preis für den Roman Der Grosse Garten
- 2023: Artist in residence, MuseumsQuartier Wien[20]
- 2024/2025: Rompreis Villa Massimo[21]
Literatur
- Theo Breuer: Zwanzig Tage – Zwanzig Romane : Ein Buchspiel. In: Matrix. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 58. Ausgabe, Pop Verlag, Ludwigsburg 2019, S. 7–167.
Weblinks
- Lola Randl im filmportal.de
- Lola Randl bei IMDb
- Anne Haeming: „Ich bin keine Wurzelpflanze“. In: taz.de. 2. Juni 2019 (Lola Randl im Interview).
- Lola Randl. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 4. Januar 2025.
- Lola Randl: "Der lebende Beweis" | ndr.de Abgerufen am 12. April 2026. (Lola Randl im Interview mit Denis Scheck)