Liga gegen Imperialismus
Antikoloniale Organisation
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Die Liga gegen Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit war eine grenzüberschreitende Organisation. Sie wurde unter Federführung der Kommunistischen Internationale (Komintern) von Willi Münzenberg, dem Vorsitzenden der Internationale Arbeiterhilfe (IAH), aufgebaut und zielte auf die Ausbreitung der Revolution des Proletariats durch Unterstützung der Freiheitskämpfe vom Kolonialismus betroffener Nationen.
Die Liga entstand aus Strukturen der Internationalen Arbeiterhilfe, die 1925 einenAnti-Kolonialen Fokus entwickelte. Darauf folgte die Gründung der Liga gegen Kolonialgreuel und Unterdrückung am 10. Februar 1926 im Berliner Rathauskeller[1.1]. Sie hatte als Liga gegen Imperialismus mit der Organisation des Brüsseler Kongress gegen koloniale Unterdrückung und Imperialismus ihren größten Erfolg. Dieser fand vom 10. bis 15. Februar 1927 im Palais Egmont statt. Eine scharfe Linkswendung im Kurs der Komintern erschwerte von 1929 an den Sozialisten unter den Mitgliedern ein Verbleiben, sodass die Liga fortan bedeutungslos wurde.
Ursprünge
Den Namen lieferten chinesische Kommunisten in Moskau, die dort bereits 1924 eine Liga für den Kampf gegen den Imperialismus aufgestellt hatten. China war auch der Schauplatz eines umfassenden Aufstands gegen ausländische Unternehmen, der von Shanghai mit der Bestreikung japanischer Textilfabriken und einem Einsatz britischer Truppen 1925 seinen Ausgang nahm. Die brutale Niederschlagung der Bewegung sorgte für Empörung im Westen, wo Liberale weithin in den Kolonien den sichtbarsten Ort für die hemmungslose Ausbeutung von Menschen durch andere fanden.
Nachdem in Deutschland die ärgste Not der Nachkriegszeit gelindert war, hatte Willi Münzenberg mit seiner IAH Kapazitäten frei für eine Chinakampagne, was am 16. August 1925 zu einem Kongress Hände weg von China im Berliner Herrenhaus führte. Motiviert durch den Erfolg der Hände Weg von China Bewegung und durch die verschärfte Situation in Syrien, wurde das Komitee gegen die Grausamkeiten in Syrien gegründet. Mit diesen beiden IHA Organisationen wurde weite Kontakte aufgebaut und am 10. Februar 1926 ein erster Kolonialer Kongress in Berlin abgehalten.[1.2] Dieser ist der Gründungskongress der Liga gegen Kolonialgreuel und Unterdrückung, welche ab 1927 unter Liga gegen Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit (LgI) bekannt wurde. Münzenbergs Kampagne, die von Chiang Kai-sheks sowjetischem Berater Michail Borodin in China betrieben wurde, beunruhigte die britische Regierung.
Ende 1926 bis Januar 1927 kam es auf Batavia und Sumatra zu antikolonialen Unruhen gegen die Niederländische Herrschaft. Die LgI trat dem mit einer Kampange ähnlich den beiden vorherigen entgegen. Sie wählte dabei einen pazifistischen Ansatz der sie ins bürgerliche und Intelktuelle Lager anschlussfähiger machte. Eine Petition mit vielen prominenten Unterstützern, zwang das Niederländische Außenministerium dazu eine „unparteiische Kommission“ nach Indonesien zu senden. Diese bestand aus Bernhard Shaw, Paul Langevin und Fridtjof Nansen. Dies kam am Ende nich zu standen, trotzdem machte diese Aktion zum einen den Brüssler Kongress bekannter, zum anderen wurde in der LgI der Wert von Petitionen mit wichtigen Führsprechern erkannt und ab dann immer wieder verwendet.[1.3]
Neben den großen Kampagnen unterstützte die Liga auch kleine antikoloniale Gruppen in Deutschland, so zum Beispiel die Liga zur Verteidigung der Negerrasse.
Organisation der Liga
Petersson spricht von drei verschiedenen Gruppen, die die Mitgliedschaft der Liga bildeten. Der Kern besteht aus wichtigen Aktivisten der Komintern wie Münzenberg, Smeral, Ferdi, Clements Dutt und Gibarti. Dann die Überzeugten, hauptsächlich Anti-Kolonial-Aktivisten, die in Berlin lebten und enge Beziehungen zum Internationalen Sekretariat hatten, so etwa Chatto, Hansin Liau, Kunizaki und Otto Schudel. Die dritte Gruppe nennt Petersson die Anhänger, Sozialisten, Sozialdemokraten, Pazifisten, Gewerkschafter und Intellektuelle, die von der Liga in die antiimperialistische Bewegung einbezogen wurden.[1.4]
Brüsseler Kongress
Émile Vandervelde, Sekretär der II. Internationale, war in Belgien gerade Außenminister geworden und konnte die von Münzenbergs Vertrauensmann Louis Gibarti vorgebrachte Bitte um Erlaubnis schlecht abschlagen, nachdem akzeptiert war, Belgisch Kongo nicht zu thematisieren[1.5] und dem staatlichen Sicherheitsdienst die zu erwartenden Delegierten zu nennen. Durch den Einfluss aus den USA und den Niederlanden wurde versucht den Kongress noch zu verhindern, dies gelang nicht.[1.6]
Jawaharlal Nehru und Motilal Nehru unterstützten die Idee des Kongresses, woraufhin die anfänglich ablehnende Haltung der Komintern in Moskau kippte. Man hoffte nun auf Begegnungen mit Labour-Mitgliedern und Möglichkeiten indirekter, unauffälliger Einflussnahme auf die britische Politik. Henri Barbusse ließ sich für den Vorsitz im Sekretariat des Kongressbüros gewinnen. Die Entscheidung, wer eingeladen werden durfte, traf Marcel Rosenberg, ein Beamter des sowjetischen Außenamtes.
Jawaharlal Nehru dürfte der bekannteste Teilnehmer gewesen sein, mit ihm kam der Journalist A. C. Narayanan Nambiar, der noch indischer Botschafter in Bonn wurde. Messali Hadj, Führer des Nordafrikanischen Sterns kam, und Mohammad Hatta, Führer der indonesischen Freiheitsbewegung Sarekat Islam. Mexiko ließ in Berlin den Botschafter Ramón P. de Negri die Liga fördern und unterstützte den Kongress großzügig finanziell. 37 Länder waren vertreten mit 134 Organisationen, die 174 Delegierte entsandten. Neben Barbusse wurden Romain Rolland, George Lansbury, Upton Sinclair, Albert Einstein, Madame Sun Yat-sen, J.D. Nehru und Maxim Gorki zu Ehrenmitgliedern des Präsidiums gewählt. Edo Fimmen wirkte als Versammlungsleiter und war wesentlich daran beteiligt, dass der Kongress zustande kam und die Liga gegründet wurde. Der Südafrikanier Josiah Tshangana Gumede verglich auf einer Demo in Hamburg die Liga gegen Imperialismus mit dem Völkerbund, er nannte die Liga "den Völkerbund aller unterdrückter Nationen und Rassen".[2]
Ligadelegierte, die auf das Gebiet „ihrer“ Kolonialmächte zurückkehrten, erlebten das volle Maß der Unterdrückung: Inder wurden bei der Einreise von den Briten verhaftet und der Senegalese Lamine Senghor kam in Frankreich ins Gefängnis und starb dort an Tuberkulose. Julio A. Mella, Vertreter der Liga in Mexiko und Gewerkschafter, ermordete man in Kuba.
Als Ergebnis des Brüssler Kongresses wurde "Das Flammenzeichen vom Palais Egmont" noch im Juni 1927 im Neuen Deutschen Verlag veröffentlicht. Im Flammzeichen gibt es die Reden und Beschlüsse als auch Fotos vom Kongress zu sehen damit der Kongress als ein deutliches Zeichen nach außen sichtbar war.[3]
Vorbehalte bei den Sozialisten
Die Liga-Büro in Großbritannien gab vierteljährlich The Anti-Imperialist Review heraus, ein Blatt, das man auch in deutscher und französischer Übersetzung veröffentlichte. Fenner Brockway übernahm von Lansbury den Vorsitz des Exekutivkomitees, als jener zum Labour-Vorsitzenden gewählt wurde. Brockway warb bei den Sozialisten für die Liga, wies die Behauptung zurück, kommunistische Organisationen seien ihre Finanziers, und meinte, von den 1700 Pfund Kosten des Kongresses seien nur 30 Pfund von Kommunisten aufgebracht worden. Tatsächlich hatte Münzenberg alles mit einem zufriedenen Ossip Pjatnizki abgerechnet. Für die II. Internationale lag Friedrich Adler also richtig mit den vermuteten kommunistischen Initiatoren und er hielt die Liga für ein neues „Einheitsfrontmanöver“. Otto Wels griff Brockway in einer Rede an, schließlich verzichtete der Brite auf seine Liga-Ämter um als ILP-Vorsitzender in der II. Internationale zu verbleiben.
Von der Spaltung der Kuomintang zum Ende der Liga
Die chinesische Streikbewegung konnte im März 1927 den Erfolg der Besetzung Shanghais verbuchen, angetrieben von Borodin wollte der linke Flügel der Kuomintang Verhältnisse nach bolschewistischem Vorbild herbeiführen, während Chiang Kai-shek im Interesse der bürgerlichen Nationalrevolutionäre nicht nur dagegenhielt, sondern ein Massaker unter den kommunistischen Parteifunktionären befahl.
Statt Umgarnung erlebten die Sozialisten in der Liga nun heftige Angriffe seitens der Kommunisten. Bei dem zweiten Kongress in Frankfurt am Main am 21. bis 27. Juli 1929 kam es zur Spaltung der Liga. Die in der Liga stärkere Gruppe der KomIntern-Mitglieder verfolgte die Klasse gegen Klasse Strategie.[1.7] ILP-Mitglied James Maxton, Hatta, Fimmen und Nehru traten aus der antiimperialistischen Liga aus – letzterer musste sich noch den Vorwurf gefallen lassen, die Sache der Befreiung des indischen Volkes vom Joch des britischen Imperialismus verraten zu haben.
Bedeutung der Liga
Die Liga war für verschiedenste Antikoloniale und Freiheitsbewegungen in der Zwischenkriegszeit bedeutend. So stärkte die Liga die Verbindung von Pan-Afrikanischen und afrikanischen Nationalbewegungen und den internationalen Bewegungen des Kommunismus.[4][5][6]
In der Bewegung der Indischen Nationalbewegung spielte die Liga zwischen 1926 und 1929 eine entscheiden Rolle was nicht nur durch die Rolle von Virendranath Chattopadhyaya in der Organisation der Liga und Jawaharlal Nehru als einem der wichtigsten Teilnehmer des Brüssler Kongresses klar wird, sondern auch durch die Verbindugen und Netzwerke die zwischen indischen und europäischen insbesondere britischen Aktivisten und Politikern geschaffen wurden.[7][8]
Die Liga war Vorbild und beeinflusste pazifistische und Antikoloniale Bewegungen in der Weimarer Republik,[9] als auch in Großbritannien.
Wie bedeutend wohl zumindest die Brüssler Konferenz gewesen sein muss, lässt sich der Eröffnungsrede der Bandung-Konferenz von 1955 entnehmen. Wo in der Eröffnungsrede von Präsident Sukarno gesagt wurde:
I recall in this connection the Conference of the "League Against Imperialism and Colonialism" which was held in Brussels almost thirty years ago. At that Conference many distinguished Delegates who are present here today met each other and found new strength in their fight for independence.[10]
Literatur
- Das Flammenzeichen vom Palais Egmont. Offizielles Protokoll des Kongresses gegen koloniale Unterdrückung und Imperialismus, Brüssel, 10.–15. Februar 1927. Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1927
- Babette Gross: Willi Münzenberg. Eine politische Biographie. In: Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Nr. 14/15, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1967, S. 196–210.
- Michele Louro/Carolien Stolte/Heather Streets-Salter/Sana Tannoury-Karam (Hrsg.): The League Against Imperialism. Lives and Afterlives, Leiden: Leiden University Press 2020. ISBN 978-90-8728-341-4.
- Benedikt Stuchtey: Rezension zu: Daniel Brückenhaus: Policing Transnational Protest. Liberal Imperialism and the Surveillance of Anticolonialists in Europe, 1905–1945. New York: Oxford University Press 2017. ISBN 978-0-19-066001-7.
- Fredrik Petersson: Willi Münzenberg, the League Against Imperialism, and the Comintern, 1925-1933, Edwin Mellen Press Ltd 2013. ISBN 978-0773442986