Leihglocke

Glocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten während der deutschen Besetzung Polens From Wikipedia, the free encyclopedia

Leihglocke oder Patenglocke nennt man rund 1300 Glocken (ganz überwiegend Kirchenglocken) aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten oder Danzig, die während des Zweiten Weltkriegs in den Westen des Deutschen Reichs geschafft wurden, um dort zu Kriegszwecken eingeschmolzen zu werden, die aber nicht eingeschmolzen wurden und bei Kriegsende in der britischen Besatzungszone lagerten.

Geschichte nach 1945

Die britische Militärregierung verbot die Rückgabe an die nun unter polnischer Verwaltung und hinter dem „Eisernen Vorhang“ befindlichen Gemeinden, da Stalin die kommunistische Volksrepublik Polen etabliert hatte. Die Glocken wurden an westdeutsche Kirchengemeinden ausgeliehen. Nach dem Fall der Mauer und dem Zerfall des Ostblocks wurden die Leihglocken mehrheitlich zurückgegeben.

Der polnische Historiker Marceli Tureczek (* 1979) erstellte von 2009 bis 2011 im Rahmen eines Forschungsprojekts des Ministeriums für Kultur und nationales Erbe eine Liste solcher Glocken.

In Deutschland sind zahlreiche Kirchen geschlossen worden; ein Teil davon wurde abgerissen. Dadurch gibt es Glocken, die nicht mehr benötigt werden. In Einzelfällen gelangten solche Glocken zu einer Gemeinde, die ihrerseits eine Leihglocke an die Gemeinde zurückgab, in deren Kirche sie bis in den Zweiten Weltkrieg geläutet hatte.

Literatur

  • Marceli Tureczek: Leihglocken: dzwony z obszaru Polski w granicach po 1945 roku przechowywane na terenie Niemiec = Bells from territories within post–1945 borders of Poland stored in Germany. Ministerium für Kultur und nationales Erbe, Ministerium für Kulturerbe, Warschau 2011, ISBN 978-83-62622-13-9 (Übersetzung des polnischen Buchtitels: Leihglocken: Glocken aus Gebieten innerhalb der Grenzen Polens nach 1945, gelagert in Deutschland).

Siehe auch

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