Leonor de Guzmán

Mätresse von König Alfons XI. von Kastilien From Wikipedia, the free encyclopedia

Leonor Núñez de Guzmán (* 1310 in Sevilla; † 1351 in Talavera de la Reina) war eine kastilische Adlige und die Mätresse von König Alfons XI. von Kastilien. Sie behauptete 20 Jahre lang ihre einflussreiche Stellung an der Seite dieses Herrschers, gebar ihm zehn illegitime Kinder und drängte Alfons’ Gattin, die Königin Maria von Portugal, völlig in den Hintergrund. Auch politisch war sie aktiv und betrieb eine ausgeprägte Vetternwirtschaft, durch die ihre Verwandten und Vertrauten ökonomische Vorteile und bedeutende Positionen erhielten. Nach dem Tod des Königs 1350 wurde sie in Sevilla gefangen gesetzt und im nächsten Jahr auf Befehl der Königinwitwe Maria getötet.

Leonor de Guzmán

Leben

Abstammung und frühes Leben

Leonor war die älteste Tochter von Pedro Núñez de Guzmán und seiner Frau Juana Ponce de León, einer Urenkelin von König Alfons IX. von León. Über ihre Eltern entstammte sie zwei bedeutenden kastilischen Adelsfamilien, die in Andalusien über viel Einfluss verfügten. Leonor hatte einen älteren Bruder, Alonso Meléndez de Guzmán († 1342), Großmeister des Santiagoordens, und eine jüngere Schwester, Juana de Guzmán, Gattin von Enrique Enríquez el Mozo, Herr von Villalba de los Barros. Laut der Chronik von Alfons XI. wuchs Leonor bei ihrer Großmutter auf, doch ist unklar, ob es sich dabei um ihre Großmutter väterlicherseits, María González Girón, oder um ihre Großmutter mütterlicherseits, Urraca Gutiérrez de Meneses, handelt.[1]

Ihre Eltern verheirateten Leonor als junges Mädchen mit dem reichen und mächtigen kastilischen Adligen Juan de Velasco, der in den letzten Regierungsjahren des Königs Sancho IV. († 1295) das Amt des Statthalters von Andalusien innegehabt hatte. Er starb bereits um 1327 und hinterließ Leonor als junge Witwe.[1]

Geliebte König Alfons’ XI.

König Alfons XI.

Der junge Alfons XI. lernte die etwa gleichaltrige, bereits verwitwete Leonor de Guzmán im Sommer 1327 nach der Rückkehr von seinem Feldzug gegen Olvera im Haus ihres Schwagers Enrique Enríquez in Sevilla erstmals kennen. Er war von ihrer Schönheit so angetan, dass er eine dauerhafte Liaison mit ihr einging, die um 1330 öffentlich bekannt wurde. In der Folge bevorzugte der Monarch seine Mätresse auch gegenüber seiner Gattin Maria von Portugal, Tochter des portugiesischen Königs Alfons IV., die er 1328 aus politischen Gründen geheiratet hatte. Auch nach dem Vollzug der Ehe hatte er mit Maria zunächst keine Kinder, und er empfand auch wenig Zuneigung zu ihr. Demgegenüber hebt die Chronik von Alfons XI. die gegenseitige Liebe Alfons’ XI. und seiner Mätresse zueinander hervor. Daher konnte Leonor 20 Jahre lang großen Einfluss auf den kastilischen König und an seinem Hof ausüben. Sie erwiderte die Gunst des Herrschers mit absoluter Hingabe sowie großer Loyalität und begleitete ihn auf Kriegszügen und Jagdausflügen.[1][2]

Nachdem Maria den Thronfolger, den nachmaligen Peter I. den Grausamen, geboren hatte (1334), verließ Alfons XI. sie gänzlich und lebte fortan nur mehr mit Leonor zusammen. Die gedemütigte rechtmäßige Königin nahm ihrem untreuen Gatten dessen auch öffentlich zur Schau gestellte Bevorzugung seiner Geliebten übel. Der König beschenkte Leonor auf Lebzeiten mit einem großen Landbesitz, in dem sie die volle Jurisdiktion ausüben durfte. So übertrug er ihr zwischen 1332 und 1345 die Herrschaften Alcalá de Guadaira, Medina-Sidonia, Huelva, Cabra, Lucena, Aguilar de la Frontera und Montilla sowie Städte und Dörfer in León und Altkastilien, u. a. Oropesa, Villagarcía de Campos und Tordesillas. Außerdem richtete er für sie in Sevilla eine eigene Hofhaltung ein und hörte auch in politischen Dingen oft auf ihren Rat.[1][2]

Leonor gebar Alfons XI. zehn illegitime Kinder, die hohes Ansehen genossen, vom König finanzielle Unterstützung erhielten und dem Thronfolger Peter nahezu gleichgestellt waren. Ihnen wurden ebenfalls diverse Herrschaften verliehen. Einige dieser unehelichen Kinder wurden von dem König nahestehenden, ehrgeizigen, neu ernannten Rittern dazu präpariert, dem legitimen Kronprinzen, wenn er dereinst nach dem Tod seines Vaters zur Macht käme, den Thron streitig zu machen.[1]

Die Gunst Alfons’ XI. erlaubte seiner Favoritin, de facto die Rolle der Königin zu spielen. Sie durfte etwa Adligen und Städten königliche Privilegien bestätigen, frei über ihre eigenen Güter und diejenigen ihrer Kinder verfügen sowie Gesandte ausländischer Mächte als Unterhändlerin des Königs empfangen. So bat etwa der englische König Eduard III. sie um Vermittlung in wichtigen Angelegenheiten. Leonor war auch maßgeblich am Sturz des Großmeisters des Alcántaraordens, Gonzalo Martínez de Oviedo, beteiligt, der ihre uneheliche Beziehung mit dem König öffentlich kritisiert hatte.[1][3]

Aufgrund ihres wachsenden Einflusses in Kastilien und ihres großen Vermögens vermochte Leonor außerdem eine ausgeprägte Vetternwirtschaft zu betreiben. Zahlreiche ihrer Verwandten und Vertrauten, die aus bedeutenden Adelsfamilien – Coronel, Guzmán, de la Cerda u. a. – stammten und zum Teil hohe Würdenträger und Kleriker – z. B. Juan del Campo, Bischof von León – waren, erlangten durch Leonors Vermittlung wirtschaftliche Vorteile und größeren politischen Einfluss. Sie bildeten bei Hof eine Kamarilla und tolerierten oder rechtfertigten die öffentliche Liaison des Königs mit seiner Mätresse. Vergeblich wurde Alfons XI. von seinem Schwiegervater, dem portugiesischen König Alfons IV., von seinem Schwager, König Alfons IV. von Aragón, und anderen Verwandten gedrängt, seiner Mätresse Leonor die Gunst zu entziehen. Deshalb kam es sogar zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem kastilischen König und seinem Schwiegervater.[1]

Fall in Ungnade; Tod

Alcázar de Talavera de la Reina

Leonor wurde nach dem Tod ihres Geliebten, des Königs, der während der Belagerung von Gibraltar an der Pest starb (27. März 1350), von dessen nach Rache dürstender Witwe, der Königin Maria, und deren nun den Thron innehabendem Sohn Peter I. dem Grausamen verfolgt. Zunächst nahm Leonor, die Alfons XI. nach Gibraltar begleitet hatte, als trauernde Witwe am Leichenzug des toten Königs nach Sevilla teil, betrat aber diese Stadt aus Angst vor einer Verhaftung nicht, da sich dort Maria und ihr Sohn befanden. Stattdessen begab sie sich in die gut befestigte und in ihrem Besitz befindliche Stadt Medina-Sidonia (Andalusien).[4][5]

Nun wurde Leonor von vielen Verwandten und Vertrauten im Stich gelassen. Diese liefen vielmehr rasch zum neuen Machthaber, König Peter I., über und versuchten sich mit ihm zu arrangieren. Auch in Medina-Sidonia fühlte Leonor sich nicht sicher und ging auf den Rat ihres ältesten noch lebenden Sohns, des Infanten Heinrich, Graf von Trastámara, Anfang April 1350 doch nach Sevilla in der Hoffnung, von Peter I. gnädig behandelt zu werden. Ein einflussreicher Vertrauter der Königinwitwe Maria, der portugiesische Adlige João Afonso de Albuquerque, und Juan Núñez III de Lara, Herr von Bizkaia, hatten ihr nämlich im Namen des Königs Sicherheit und Schutz versprochen, wenn sie Peter I. die Treue schwören würde. Doch kaum in Sevilla angekommen, ließ der König sie im Alcázar internieren und ihr Vermögen beschlagnahmen.[1]

Anfangs durfte Leonor noch ihre Freunde und vor allem ihren Sohn Heinrich von Trastámara empfangen.[4] In Andalusien besaß sie noch genügend Macht, um ein von Heinrich angeführtes Bündnis von Adligen gegen König Peter I. zu schmieden. Im Juli 1350 vermochte sie sogar trotz ihrer Haft Heinrichs heimliche Heirat mit Juana Manuel, einer Tochter des kastilischen Staatsmanns und Schriftstellers Juan Manuel, zu arrangieren. Durch diese Eheverbindung versuchte sie den Makel der unehelichen Geburt ihres Sohns zu mildern und ihm eine breitere politische Legitimität zu verschaffen, sodass er ein ernstzunehmender Thronanwärter wurde. Leonors Schachzug verärgerte König Peter I. und dessen Mutter. Daher wurden Leonors Haftbedingungen im Winter 1350/51 in Sevilla und danach im Alcázar von Carmona verschärft. Ihr Sohn Heinrich und seine Gemahlin brachten sich inzwischen durch Flucht nach Asturien in Sicherheit.[1]

Im Frühjahr 1351 verließen der König und seine Mutter Sevilla, um sich nach Valladolid zu begeben, wo sich die Cortes versammeln sollten. Als Gefangene begleitete Leonor die königliche Familie. In Llerena durfte sie ihren Sohn Fadrique, Großmeister des Santiagoordens, ein letztes Mal treffen. Vor den Cortes beschuldigte die Königinwitwe Maria die ehemalige Mätresse Alfons’ XI., den kastilischen Adel zur Rebellion gegen Peter I. anzustiften. Wohl aus Rache und aus Angst, dass Anhänger Leonors ihren Sohn stürzen könnten, ließ Maria schließlich Leonor nach der in ihrem Besitz befindlichen Stadt Talavera de la Reina wegschaffen und im Sommer 1351 durch den Gouverneur von Toledo, Alfonso Fernández de Olmedo, töten.[1][4] In den folgenden Jahren dauerte der Machtkampf zwischen König Peter I. und Leonors Sohn Heinrich fort und endete 1369 mit Peters Ermordung und der Thronbesteigung seines Halbbruders als Heinrich II.

Nachkommen

Insgesamt hatten Leonor und König Alfons XI. zehn Kinder:

Literatur

Commons: Leonor de Guzmán – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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